Zerfällt Großbritannien wegen des Brexit?

Nachdem das britische Parlament dem Austrittsgesetz der Regierung zugestimmt hat, rückt der Brexit näher - mit all seinen Konsequenzen. Die Ankündigung der schottischen Regierungschefin Sturgeon, ein neues Abspaltungsreferendum abzuhalten, sowie die theoretische Möglichkeit, Irland mit Nordirland wieder zu vereinigen, regt die Presse zu Überlegungen an, ob ein Zerfall des Vereinten Königreichs bevorsteht.

Alle Zitate öffnen/schließen
The Guardian (GB) / 16. März 2017

Schottlands Nationalisten sollten sich gedulden

Solange Großbritannien EU-Mitglied ist, würde Spanien, wo es ebenfalls Unabhängigkeitsbestrebungen von Minderheiten gibt, den EU-Beitritt eines unabhängigen Schottlands wohl verhindern, meint der Guardian:

„Wenn die Schotten geduldig sind und erst nach dem Brexit Großbritannien verlassen, haben sie eine weitaus bessere Chance, schnell in die EU zurückzukehren. Im Unterschied zu anderen Beitrittskandidaten erfüllen Schottlands Gesetze bereits jetzt alle nötigen Voraussetzungen. Und Spanien würde kaum davon profitieren, einem Land das Leben schwer zu machen, das außerhalb der EU rechtsgültig unabhängig wurde. Schottland sollte auf den Brexit warten und dann aufbegehren. Das würde auf der anderen Seite des Ärmelkanals Schadenfreude aufkommen lassen: Das Auseinanderbrechen Großbritanniens wäre eine dramatische Warnung an alle anderen EU-Staaten vor den Gefahren, die EU zu verlassen. Wenn Schottland wartet, kann es davon ausgehen, dass es von Europa mit großer Freude wieder aufgenommen wird.“

Irish Examiner (IE) / 15. März 2017

Irland könnte sich Vereinigung nicht leisten

Der Brexit könnte die Gelegenheit sein, um die irische Insel wieder zu vereinen, meint The Irish Examiner, sieht dabei aber vor allem wirtschaftliche Hürden:

„Es fällt leicht zu begründen, warum den wirtschaftlichen Interessen Nordirlands in einem vereinten Irland am besten gedient wäre. Da wäre einmal der Brexit, dann die [deshalb zwischen Irland und Nordirland notwendige] harte Grenze trotz des 55,77-Prozent-Votums der Nordiren für den Verbleib in der EU. Und dann wäre da noch die offensichtliche Gleichgültigkeit Londons wegen der Folgen für ganz Irland. ... Doch es gäbe auch die hohen Kosten. Großbritannien unterstützt Nordirland jedes Jahr finanziell mit rund zwölf Milliarden Euro ... Es ist kaum vorstellbar, dass Großbritannien nach dem Brexit so freigiebig bleibt. Noch weniger vorstellbar ist es, dass eine gesamt-irische Wirtschaft dazu imstande wäre.“

Weitere aktuelle Debatten

Politiken (DK)
Deutschlandfunk (DE)
Corriere della Sera (IT)
Le Monde (FR)
Dagens Nyheter (SE)
Daily Sabah (TR)
Ta Nea (GR)
Naftemporiki (GR)
The Independent (GB)
Neue Zürcher Zeitung (CH)
Postimees (EE)
Maaleht (EE)