Eurobarometer: Mögen Ungarn die EU am Ende doch?

Das aktuelle Eurobarometer zeugt von einer wachsenden Zufriedenheit auch der Ungarn mit der Union. So fühlen sich 70 Prozent der Befragten als EU-Bürger. Und während nur 39 Prozent der Regierung in Budapest vertrauen, liegt der Wert für die EU-Institutionen immerhin bei 46 Prozent. Für Ungarns Presse sind die Zahlen ein willkommener Anlass, das Verhältnis des Landes zur EU zu diskutieren.

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Mozgástér (HU) / 07. August 2017

Kommission will EU ins rechte Licht rücken

Als eine Verdrehung der Tatsachen bewertet der Politologe Tamás Lánczi auf dem regierungsnahen Blogportal Mozgástér die Umfrage:

„Die Eurobarometer-Erhebung ist ein schönes Beispiel dafür, wie unabhängig und sachorientiert die EU-Kommission ist und wie erbittert sie versucht, die Union als populär darzustellen. ... Die EU den nationalen Regierungen gegenüberzustellen ist so, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen. ... Unzählige Studien haben bereits untermauert, dass die Ungarn die Gemeinschaft der 28 Mitgliedstaaten mögen und nicht aus der EU austreten wollen. Doch ist auch deutlich zu sehen, dass die Magyaren - ebenso wie andere EU-Nationen - die Mechanismen der Union ausgesprochen kritisch betrachten und von der EU in zahlreichen Fragen Veränderungen erwarten.“

Magyar Nemzet (HU) / 07. August 2017

Westorientierung Ungarns ist eine Mär

Trotz der hohen Zustimmungsrate der Ungarn zur EU konstatiert Politologe Ervin Csizmadia in der regierungskritischen Tageszeitung Magyar Nemzet Folgendes:

„Wenn die Magyaren die lange ungarische Politikgeschichte kennen würden, wäre ihnen bewusst, dass die Westorientierung ihres Landes eine Mär ist. Die Ungarn leiden vor allem darunter, dass sie sich selbst nicht verstehen. Der fortschrittliche Ungar betrachtet sich als westorientiert, deshalb ist er außer sich, wenn etwa die jetzige Regierung und ihre Wählerschaft nicht diesem Selbstbild entsprechen. ... Auch die politische Opposition ist diesem verengten Selbstbild verhaftet. Sie betrachtet es als geradezu gottgegeben und erwartet, dass die gesamte ungarische Gesellschaft die liberale Demokratie befürwortet. Sie ist schlicht außerstande zu akzeptieren, dass die ungarische Gesellschaft nur bedingt westorientiert ist.“

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