Lässt sich Terrorismus verhindern?

Nach den Terroranschlägen in Katalonien mit 15 Toten haben Sicherheitskräfte nun auch den Hauptverdächtigen erschossen. In Spanien, wie auch in Finnland, wo ebenfalls ein Attentäter am Freitag zwei Menschen tötete, sitzt der Schock weiterhin tief. Europas Medien finden ganz unterschiedliche Antworten auf die Frage, wie wir mit Terrorismus umgehen sollten und ob ihm vorgebeugt werden kann.

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Večer (SI) / 22. August 2017

Lehren zu lieben, nicht zu hassen

Mehr noch als mit den Folgen der Attentate müssen wir uns mit dem Hass als ihrer Ursache befassen, erklärt Večer:

„Der südafrikanische Freiheitskämpfer Nelson Mandela war überzeugt, dass kein Kind mit Hass geboren wird. Nicht gegen eine bestimmte Hautfarbe und nicht gegen eine bestimmte Glaubensrichtung. Gerade deshalb könne man die Menschen lehren, zu lieben und zu respektieren. In Barcelona standen die Menschen einen Tag nach dem Angriff auf den Straßen. ... Mit ihrer Anwesenheit schützten sie ihre Stadt vor den Rechtsextremisten. Denen, die gekommen waren, um Hass gegen jene zu verbreiten, die vielleicht ihre Nachbarn waren, aber dem falschen Glauben angehörten. Viele Menschen wissen, wie leicht sich Hass lehren lässt. Und es gibt viele, die darauf bestehen, ihn niemals lernen zu wollen. Doch wir werden lernen müssen, zu erklären, warum Hass nicht hilft.“

Le Point (FR) / 21. August 2017

Gegen den Terror ist die Demokratie machtlos

Im Kampf gegen den Terror steht die Demokratie schlecht da, analysiert der Schriftsteller Tahar Ben Jelloun in Le Point:

„In den Kopf der Menschen einzudringen, die Massaker planen, ist unmöglich. Ihr Kopf ist wie ein Panzer. Er kann nur einen einzigen Gedanken aufnehmen: das eigene Leben hinzugeben um diejenigen zu töten, die sein Denken nicht teilen. Und so ist jeglicher Versuch, diesen Radikalismus zu bekämpfen, zum Scheitern verurteilt. Der Terrorist und der Pädagoge sprechen nicht die gleiche Sprache, stammen nicht vom gleichen Planeten, haben keine Berührungspunkte. ... Die Terroristen tragen ihren Tod mit sich herum wie ein Zeichen für ein anderes, besseres Leben. Der Kampf [gegen den Terror] erweist sich daher als vergebens, denn die Demokratie hat nicht die Mittel, diesen völlig neuartigen Terrorismus zu besiegen.“

Corriere della Sera (IT) / 22. August 2017

Muslimische Gemeinden müssen mehr tun

Die islamischen Gemeinden stellen sieben Prozent der EU-Bürger, doch im Kampf gegen den Terrorismus spielen sie quasi keine Rolle, klagt der Rechtsgelehrte Sabino Cassese in Corriere della Sera:

„Müssten die muslimischen Gemeinden nicht verstärkt zu Formen der Selbststeuerung greifen, um terroristischen Akten vorzubeugen und sie zu verhindern? Und müssten die nationalen Regierungen wie auch die EU nicht die Beziehungen zu religiösen Orden ebenso wie dem laizistischen Teil der Gesellschaft verbessern? Stehen die einen wie die anderen nicht vor einer erzieherischen und friedensstiftenden Aufgabe, um zumindest einen Teil der 'Wut der arabischen Welt' (über die der Islamexperte Bernard Lewis in seinem exzellenten Buch schreibt [das in Deutschland 2003 erschienen ist]) zu dämpfen?“

Magyar Hírlap (HU) / 21. August 2017

Die EU sollte endlich aufwachen

Die regierungstreue Tageszeitung Magyar Hírlap nimmt die jüngsten Anschläge zum Anlass, die EU-Flüchtlingspolitik zu kritisieren:

„In Brüssel folgen namenlose Bürokraten auf ausgebrannte Politiker und sie sind allesamt kleinkariert. Die Entscheidungsfindung in der Union steht heute im Zeichen der Phrasendrescherei, des Duckmäusertums und des Abwälzens von Verantwortung. Das ganze Elend der EU ist am impotenten Umgang mit der Flüchtlingskrise und dem Terrorismus ablesbar. ... Nach dem Terroranschlag in Barcelona hört man überall das Mantra 'Wir haben keine Angst'. Aber die Menschen haben Angst. Vielmehr sollte es heißen: 'Wir verteidigen Europa!' Das wäre wahres Europäertum, anstelle der aufgezwungenen Loyalität zu törichten, destruktiven Brüsseler Entscheidungen wie der Flüchtlingsverteilung. Europa, wach endlich auf!“

El País (ES) / 22. August 2017

Ein lautes Rauschen übertönt die Wahrheit

Die Berichterstattung nach dramatischen Ereignissen gibt viel zu oft ein falsches Bild der Lage oder schafft neue Verwirrung, moniert El País:

„Bei einer Überschwemmungskatastrophe mangelt es meist zuerst an Trinkwasser. So ist es auch bei wichtigen Ereignissen. Es fehlt an brauchbarer Information, an Wahrheit, an Journalismus. Die Kommunikation brodelt. Das dabei insbesondere in den sozialen Netzwerken entstehende Rauschen ist so laut, dass man die Tatsachen nicht durchhört. ... Bei der Berichterstattung über Attentate gewinnt Schnelligkeit über Qualität. Es ist aber, wie US-Medienexperte Jeff Harvis sagt, ein Fehler, ständig unterschiedliche Versionen derselben Nachricht zu präsentieren, anstatt uns auf das besinnen, was wirklich von Wert ist.“

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