Was sind die Lehren aus Irma und Harvey?

Der tropische Super-Wirbelsturm Irma hat in der Karibik und in Florida schwere Schäden verursacht. Mindestens 61 Menschen kamen ums Leben. Kommentatoren kritisieren, dass der von Menschen gemachte Klimawandel noch immer ignoriert wird, und dass einige Politiker den Hurrikan-Opfern große Versprechungen machen.

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RussEurope (FR) / 13. September 2017

Macrons Geltungsbedürfnis ist bedauerlich

Macron hat am Dienstag das von Irma verwüstete französische Überseegebiet Saint-Martin in der Karibik besucht und eine der größten Luftbrücken seit Ende des Zweiten Weltkriegs angekündigt. Als Humbug kritisiert Ökonom Jacques Sapir auf seinem Blog RussEurope diese Worte:

„Diese Äußerung zeugt von einer Maßlosigkeit, von Pathos, und das wirft Fragen hinsichtlich des psychologischen Zustands des Präsidenten auf. Das Bedürfnis, sich unbedingt in den Mittelpunkt zu stellen und dazu eine enorme Unwahrheit zu verbreiten, ist besorgniserregend. ... Die Äußerung bietet aber auch Anlass, an Macrons Kommunikationsteam zu zweifeln. ... Dass sie den Präsidenten entweder nicht über die Tatsachen informiert oder ihn nicht vor den Gefahren solcher Äußerungen gewarnt haben, veranlasst einen, sich zu fragen, wie es um das Verhältnis des Präsidenten zu seinem Umfeld steht.“

24 Chasa (BG) / 14. September 2017

Klima-Realität kann nicht mehr geleugnet werden

Die Hurrikans zeugen davon, dass sich die Menschheit sehenden Auges in eine Klimakatastrophe stürzt, meint 24 Chasa:

„Harvey und Irma waren die stärksten Stürme aller Zeiten und eine Folge der globalen Erderwärmung und des Klimawandels. Die Schäden, die sie angerichtet haben, hätten geringer sein können, wenn die Menschen nicht ihre Augen vor den Folgen der Umweltverschmutzung verschließen würden. Noch nie brachte ein Hurrikan so viel Niederschlag wie Harvey. Noch nie wütete ein Hurrikan wie Irma 37 Stunden lang mit 300 Kilometern pro Stunde. … In Zukunft wird es immer häufiger Stürme und Überflutungen geben, warnen die Wissenschaftler. … Für die meisten von ihnen sind die Erderwärmung und der Klimawandel eine Realität, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, so sehr man sie auch leugnet.“

Die Tageszeitung taz (DE) / 10. September 2017

Katastrophe trifft vor allem die Armen

Dass von Umweltkatastrophen Arme und Reiche gleichermaßen betroffen sind, stimmt nach Ansicht der taz nur bedingt:

„Zwar wurden in der Tat auch reiche Viertel überspült, viel stärker betroffen waren in Houston aber vor allem die armen schwarzen Viertel. Die kommunalen Sozialwohnungen, meist von Afroamerikanern bewohnt, sind in Houston hauptsächlich in niedrig gelegenen Überflutungsgebieten gebaut - weil dort das Land billiger ist. Reiche leisten sich Häuser in höheren Lagen. ... Auch in Miami werden vor allem die Reichen vor Sturmschäden geschützt. Während das wohlhabende Miami Beach sich mit Hunderte Millionen Dollar teuren Projekten gegen Überflutungen schützt, gibt es in vielen armen Gemeinden im Miami-Dade-County nicht einmal ein Drainagesystem. Hurrikane mögen tatsächlich nicht zwischen Arm und Reich unterscheiden - die sozioökonomischen Verhältnisse in den USA aber schon.“

Večernji list (HR) / 11. September 2017

Ändert Trump seine Haltung?

Trotz des wahrscheinlichen Zusammenhangs zwischen den Tropenstürmen und dem vom Menschen verursachten Klimawandel glaubt Večernji list nicht an die Kehrtwende in der US-Klimapolitik:

„Beim Blick auf die Daten wird klar, dass der Abstand zwischen den Hurrikans immer geringer wird. Das heißt, dass der Mensch doch einen Einfluss auf das Klima hat, denn die Katastrophen mehren sich. ... Wird dies Trumps Haltung zum Pariser Klimaabkommen ändern? Vielleicht, denn 'The Donald' ändert seine Meinung von Tag zu Tag. Doch das heißt nicht, dass er den menschlichen Einfluss auf Tropensturm Irma anerkennt. Denn er behauptet, dass Umweltschützer eine Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten und deren Wirtschaftsaufschwung durch Öl und Kohle planen. Vielleicht ist auch Irma Teil dieser Verschwörung.“

The Guardian (GB) / 10. September 2017

Klimasünder gehören vor Gericht

Die Hurrikans müssen ein Weckruf sein, gerichtlich vehement gegen die Umweltsünder der fossilen Brennstoffindustrie vorzugehen, meint der Guardian:

„Unternehmen haben ordentlich Profit gemacht, während der Globus ein Grad wärmer wurde, als er es sein sollte. Diese Umweltsünder haben den Gewinn aus fossilen Brennstoffen privatisiert, die Kosten dafür aber vergesellschaftet und den Armen der Welt, Steuerzahlern und künftigen Generationen aufgebürdet. ... Kriegsführung mit Hilfe des Rechts hat zwei Ziele: die Geschäftsmodelle der Missetäter zu reformieren, damit sie mit der weltweiten Verpflichtung zur Abschaffung fossiler Brennstoffe und der Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius im Einklang sind; und sie für Schäden zahlen zu lassen, die der Klimawandel verursacht. Rechtsstreit ist das unvermeidliche Resultat von zwei Jahrzehnten fehlgeschlagener Gespräche.“

Le Figaro (FR) / 11. September 2017

Frankreich versagt in der Karibik

Die von Hurrikan Irma verwüstete Karibikinsel Saint Martin ist halb französisch, halb niederländisch. Die niederländische Regierung hat vorgesorgt, die französische beim Krisenmanagement komplett versagt, meint Le Figaro:

„Für Irma war das schlimmste Szenario absehbar. Wurde es ausreichend bedacht? Wenn man am Sonntag dem [französischen] Innenminister zuhörte, wie er aufzählte, was er an Mensch und Material in den nächsten Stunden da hinunterschicken würde, fragt man sich, warum die Vorkehrungen nicht schon vor der Katastrophe getroffen wurden. Die Niederlande hatten in ihrer Hälfte von Saint Martin schon vorab Militär stationiert: So wurden etwa Plünderungen verhindert. In Florida wurden viele Einwohner evakuiert, und Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Hätte Paris Anfang vergangener Woche nicht ebenso verfahren können?“

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