Brexit: Kann London mit "No Deal" drohen?

Angesichts des Stillstands in den Brexit-Verhandlungen hat Großbritanniens Premierministerin May das Unterhaus darüber informiert, dass die Regierung 250 Millionen Pfund bereitstellt, um das Land gegebenenfalls ohne einen Deal aus der EU zu führen. Welche Gefahren dieses Szenario birgt, beschäftigt die Kommentatoren.

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The Independent (GB) / 15. Oktober 2017

Die Briten bluffen, und die EU weiß es

Die Drohung aus London ist leer und wird ihre Wirkung verfehlen, fürchtet The Independent:

„Es gibt keine einzige glaubwürdige Studie, die nahelegt, dass ein unkontrollierter, harter Brexit nicht eine totale Katastrophe für die britische Wirtschaft sein würde. Die Folgen wären für uns Briten viel zerstörerischer als für die EU. ... Es ist kaum vorstellbar, dass andere Staaten Schlange stehen werden, um mit einem Land, das derart verfällt, große neue Handelsverträge abschließen zu können. Im Kalten Krieg gab es die 'gegenseitig zugesicherte Zerstörung' durch Nuklearwaffen. Das ist beim Brexit nicht der Fall, die EU-Unterhändler werden sich nicht beeindrucken lassen. Die meisten 'No Deal'-Sprengköpfe sind auf Großbritannien selbst gerichtet. Und der EU ist das voll bewusst.“

De Volkskrant (NL) / 16. Oktober 2017

Reißt euch endlich zusammen!

Beide Seiten müssen sich am Riemen reißen und die Verhandlungen aus der Sackgasse herausholen, schimpft De Volkskrant:

„Angesichts des Zeitdrucks kann man nur hoffen, dass die EU-Führer das Mandat von [Unterhändler] Barnier erweitern, um den Stillstand zu durchbrechen. Dazu müssen auch die Briten zu Hause Ordnung schaffen. Das Kabinett von Premier May ist so aufgestellt, dass die EU nicht weiß, woran sie ist und was London eigentlich will. Während May einen sanften Brexit anstrebt, wird sie immer wieder von radikalen Brexit-Befürwortern torpediert, die offenbar denken, dass kein Deal das beste Ergebnis ist. ... Und eine große Gefahr ist, dass nationalistische Romantiker wie [Außenminister] Boris Johnson immer weiter Märchen über das Schlaraffenland verbreiten können, in das sich Großbritannien nach dem EU-Austritt angeblich verwandelt.“

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