Rumänische Ungarn fordern mehr Autonomie

In Rumänien haben sich am Montag drei ungarische Parteien für mehr Autonomie ausgesprochen. Dass zu diesen nicht nur zwei Siebenbürger Parteien zählen, sondern auch der etablierte Ungarnverband UDMR, der im nationalen Parlament vertreten ist, lässt Beobachter aufmerken. Ist der Vorstoß nur eine werbewirksame Forderung oder ein ernstzunehmendes politisches Programm?

Alle Zitate öffnen/schließen
Adevârul (RO) / 11. Januar 2018

Ungarn jammern auf hohem Niveau

100 Jahre nach der Vereinigung Siebenbürgens mit Rumänien wollen die ungarischen Parteien die Aufmerksamkeit auf sich lenken, meint Historiker Marius Diaconescu auf dem Blogportal von Adevârul:

„Das Jubiläumsjahr ist - ob wir wollen oder nicht - eine gute Gelegenheit für Patriotismus-Diskurse. Der beste Weg für die Ungarn ist, sich selbst zum Opfer zu stilisieren. … Auch wenn sie Probleme erfinden, die es gar nicht gibt. Denn die Leute lesen nur noch Sensationsmeldungen, Analysen gibt es keine mehr. Glauben Sie, wenn die Ungarn darüber klagen, dass sie keine Autonomie haben, fragt noch jemand, ob sie Bürgermeister, Kreisräte und Kreisratschefs haben? Bedeutet das nicht schon Selbstverwaltung? Wenn sie all das schon haben, was wollen unsere ungarischen Landsleute dann noch mehr?“

Jurnalul National (RO) / 11. Januar 2018

Landkarte wird bereits zerstückelt

Dass die Pläne der drei Parteien schon sehr konkret sind, befindet die national-konservative Tageszeitung Jurnalul National:

„Sie haben als Territorium für die autonome Region bereits jene Gegend ausgewählt, wo sie einst Szeklerstühle besaßen [Gerichts- und Körperschaft der Szekler, die weitreichende Autonomie hatten], ohne die wirtschaftlichen Veränderungen und Bevölkerungsverschiebungen des letzten Jahrhunderts in Betracht zu ziehen. … Sie zerstückeln bereits die rumänische Landkarte, um das Thema als vorrangigen Punkt auf die nationale Agenda zu setzen. Die Forderung wirkt wie ein Ablenkungsmanöver, um im Jubiläumsjahr zu sagen, dass die Ungarn seit der Bildung Großrumäniens [von 1919 bis 1940 erreichte Rumänien seine größte Ausdehnung] eine Politik der Verbannung und Assimilierung durch die mehrheitlichen rumänischen Unterdrücker erdulden mussten.“

Weitere aktuelle Debatten

Süddeutsche Zeitung (DE)
NRC Handelsblad (NL)
Der Standard (AT)
Financial Times (GB)
El País (ES)
El Mundo (ES)
Jyllands-Posten (DK)
Berlingske (DK)
hvg (HU)
Mandiner (HU)
Público (PT)
Revista 22 (RO)