Werbeboykott: Unilever droht Facebook und Google

Der Konsumgüterhersteller Unilever droht Facebook und Google mit dem Entzug seiner Werbemilliarden. Man werde nur noch auf Plattformen Anzeigen schalten, auf denen der Kinderschutz gewährleistet und nicht die Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben werde, sagte Marketing-Chef Weed am Montag. Langsam wird es für Facebook und Co. ungemütlich, analysieren Kommentatoren.

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Süddeutsche Zeitung (DE) / 12. Februar 2018

Steiler Aufstieg, jäher Absturz?

Die Süddeutsche Zeitung sieht Facebook & Co in einer gefährlichen Imagekrise:

„Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte des Internets, dass auch große Unternehmen ins Trudeln geraten. Das könnte sich sogar beschleunigen, falls die Staaten ihre Möglichkeiten nutzen und die Internet-Unternehmen durch Regulierung zu einem verbraucherfreundlicheren Verhalten zwingen. Das deutsche Netzwerkdurchsetzungs-Gesetz ist ein - wenn auch wenig gelungenes - Beispiel dafür. Die Netzwerke täten also gut daran, nicht bloß mit Worten, sondern mit wirksamen Taten zu zeigen, dass sie sich ernsthaft bessern wollen. Sonst könnte ihr Absturz ebenso jäh werden wie ihr Aufstieg steil war.“

De Standaard (BE) / 13. Februar 2018

David hat gegen Goliath eine Chance

Andere Wirtschaftsakteure springen jetzt da ein, wo Staaten gegenüber modernen Konzernriesen machtlos sind, analysiert De Standaard:

„Im vergangenen Jahrhundert waren Staaten noch groß genug, um im Namen des Allgemeinwohls allzu mächtige Monopolisten im Zaum zu halten. Doch diese Waffe können sogar die USA oder die Europäische Union nicht mehr nutzen. ... Große Anzeigenkunden sind dagegen sehr sensibel für die Umgebung, in der ihre Werbung erscheint. Ein zu negativer Kontext ist nicht in ihrem Sinne. Und sie können da reagieren, wo es weh tut: im Portemonnaie. Das macht den Weg frei für ein ungewöhnliches, aber fruchtbares Bündnis. ... Der Bürger ist den Big-Tech-Firmen nicht rettungslos ausgeliefert. Er muss sich nur seiner Macht bewusst sein und sich trauen, sie auszuüben - als Verbraucher und als Wähler.“

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