Russland blockiert Telegram

Russische Behörden haben nach einem Gerichtsurteil den weitverbreiteten Messenger Telegram blockiert. Dessen Gründer Pawel Durow hatte ihnen den Zugriff auf die Verschlüsselung des Chat-Diensts verwehrt. Die Blockade wird wohl kaum zur angeblich angestrebten Terrorbekämpfung beitragen und ist eher ein Schritt in Richtung Onlinezensur, kritisieren Kommentatoren.

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Vedomosti (RU) / 13. April 2018

Die Zensur-Behörden hält nichts mehr auf

Die Wirtschaftszeitung Wedomosti rechnet mit einer immer umfassenderen Zensur im Netz:

„Wenn bei der Staatsmacht der Wunsch entsteht, russische User von irgendeinem Service zu trennen, so hält sie offenbar nichts mehr auf: weder dessen Popularität, die Nutzung durch die Staatsmacht selbst noch die Absurdität der Begründung der Blockade. Nach Telegram könnte jeder andere Messenger der nächste sein, der den Mut zeigt, sich den Beamten zu widersetzen. ... Die Absurdität der Verbote und Einschränkungen zusammen mit der Bulldozer-haften Beharrlichkeit ihrer Initiatoren und Ideologen ist eine schädliche Mischung, die nur Zynismus hervorbringt.“

Iswestija (RU) / 16. April 2018

Kriminelle können Sperren leicht umgehen

Die Blockade ist völlig ineffektiv, erklärt Iswestija:

„Über jede Menge VPN und Proxy-Server kann man die Blockade umgehen - und alle kann der Staat nicht sperren. Die meisten Russen nutzen diese zwar kaum, doch Kriminelle gehören eben nicht zu dieser Mehrheit. Jemand, der einen Terrorakt plant, wird auch herausfinden, wie VPN funktioniert. Für Fanatiker spielen all diese Blockaden im Prinzip keine Rolle. Das heißt, dass wir Terroristen und Drogenhändlern also gar keinen Kommunikationskanal wegnehmen. Doch genau damit begründen die Sicherheitsbehörden, dass sie einen Zugang zur Verschlüsselung der Messenger brauchen. Und darüber hinaus zwingen wir jetzt potenzielle und reale Verbrecher dazu, sich hinter Sichtblenden zu verstecken, was es noch schwerer macht, sie zu verfolgen.“

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