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Archiv / Dossier

Top-Thema vom Donnerstag, 22. November 2007


Die Situation der Roma in Europa

Seit der letzten Erweiterung sind die Roma die größte Minderheit in der EU. Sie werden nicht nur in Osteuropa diskriminiert, auch in Italien ist durch Migration eine Roma-feindliche Stimmung entstanden. Nun hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am 13. November 18 tschechischen Roma-Familien Recht gegeben, die geklagt hatten, ihre Kinder würden diskriminiert und in Sonderschulen geschickt.


Mladá fronta Dnes - Tschechien

Václav Zeman von der Organisation "Mensch in Not" kritisiert die gängige Praxis, Roma-Kinder in Sonderschulen zu schicken: "Es gibt so genannte Intelligenztests vor der Einschulung, die das spezielle soziokulturelle Umfeld der Roma-Kinder ignorieren. Viele Roma-Kinder haben gegenüber gleichaltrigen Nicht-Roma-Kindern einen ärmeren Wortschatz und Probleme zu abstrahieren. Die Tests suggerieren, sieben von zehn Roma-Kindern seien mental zurück geblieben. Das klingt äußerst unwahrscheinlich. Was dieses Testsystem hervorbringt, ist klar: Die Kinder, die von den Spezialschulen kommen, enden mehrheitlich auf der Straße. Das ist der erste Schritt in die Armut und soziale Ausgrenzung." (22.11.2007)


Klassa - Bulgarien

Am Rande des Roma-Viertels in Sofia soll eine Mauer gebaut werden. Sie soll parallel zu einer Eisenbahnlinie verlaufen und offiziell "vor Geräuschbelästigung durch die vorbeifahrenden Züge schützen, das Entstehen von Mülldeponien und das ständige Überqueren der Eisenbahngleise verhindern". Georgi Papakotschew kommentiert: "Die Absicht der Stadtverwaltung, eine Mauer an die Grenze zum Roma-Viertel Fakulteta zu bauen, hat die Bewohner des Viertels empört. Der Vergleich zur Situation in der tschechischen Stadt Ustí nad Labem 1999 liegt nahe. Diese Analogie sagt viel über die extreme und oft xenophobe Stimmung in den postkommunistischen Ländern. Doch der Unterschied besteht darin, dass sich das mitteleuropäische Land Tschechien damals vor dem EU-Beitritt befand, Bulgarien heute aber schon zehn Monate EU-Mitgliedschaft hinter sich hat... Was wäre der Preis für diese Mauer? Bulgarien ... wäre nicht länger ein 'europäisches Vorbild' für die unruhige Südbalkanregion." (22.11.2007)


die tageszeitung - Deutschland

Daniela Weingärtner fordert die EU auf, sich darum zu kümmern, dass Roma in ihren Heimatländern integriert werden: "Mit zehn Millionen Menschen bildet die Volksgruppe der Roma seit der Erweiterung die größte Minderheit in der EU. Hätten die alten EU-Mitgliedsländer wissen wollen, welche Verantwortung dadurch auf sie zukommt - ein Blick in die Fortschrittsberichte der EU-Kommission hätte genügt. Jedes Jahr wurde dort aufs Neue die Diskriminierung der Roma in der Slowakei, Bulgarien, Rumänien und Tschechien gerügt. Doch die Gemeinschaft entschloss sich trotz dieser Defizite, die Kandidaten aufzunehmen. Im letzten Bericht vor dem Beitritt Rumäniens ist von Polizeirazzien gegen Roma, von Vertreibungen und der Zerstörung ihrer Unterkünfte die Rede. Ähnliche Vorwürfe muss sich nun Italien gefallen lassen. Statt mit gutem Beispiel voranzugehen, machen sich die alten Mitgliedsstaaten die Unsitten der Neulinge zu eigen." (22.11.2007)


» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 22. November 2007

 

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