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Archiv / Dossier

Top-Thema vom Montag, 25. Februar 2008


Zypern wählt einen kommunistischen Präsidenten

Demetris Christofias wird neuer Präsident Zyperns. Der Generalsekretär der Arbeiterpartei Akel siegte in der zweiten Wahlrunde mit 53 Prozent der Stimmen über seinen Herausforderer, den Konservativen Ioannis Kassoulides. Gelingt dem neuen Präsidenten die Wiedervereinigung der Insel?


Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

"Zypern hat als erster Staat der Europäischen Union einen kommunistischen Präsidenten erhalten", schreibt Victor Kocher. "Der 61-jährige Berufspolitiker Christofias weist in der Tat als in Moskau ausgebildeter Historiker, langjähriger Leiter der zypriotischen kommunistischen Partei Akel, mit einem Parlamentsmandat seit 1991 und dem Vorsitz im Haus seit 2001 einige Merkmale eines Apparatschiks auf. Doch hat sich seine Partei unter dem Druck der Gesellschaft lange vor dem Fall der Sowjetunion allmählich zu einer sozialistischen Bewegung, ähnlich der deutschen Linkspartei PDS, gewandelt. Geblieben ist in Christofias Wahlversprechen vor allem der Akzent auf Sozialpolitik und auf der Nutzung der historischen Bande zwischen den Linksformationen in beiden Teilen der Insel für eine gerechte Lösung." (25.02.2008)


Open Democracy - Großbritannien

James Ker-Lindsay, Direktor des auf Südosteuropa spezialisierten Think Tanks Civilitas, relativiert die Hoffnung, es könne nach den zyprischen Präsidentschaftswahlen zu einer sofortigen Wiederaufnahme der Friedensgespräche kommen. "Es wäre sicher gut, wenn die griechischen und die türkischen Zyprer so schnell wie möglich wieder miteinander reden würden. Doch die internationale Gemeinschaft sollte sich hüten, zu viel Druck auf den neuen Präsidenten auszuüben, sollte er nicht sofort an den Verhandlungstisch zurückkehren. Aus innenpolitischen Gründen muss der Präsident umsichtig handeln. Wenn es so aussieht, als werde er zu einem Abkommen gedrängt oder akzeptiere alle Forderungen, könnte das nach hinten losgehen... Der neue Präsident muss sich die Unterstützung der griechischen Zyprer erarbeiten. Das wird schwerer, als manche auswärtigen Beobachter meinen... Vielen Menschen liegt daran, dass alle Fragen, egal ob sie die Sicherheit, das Eigentum, die Flüchtlinge, die Siedler, die Wirtschaft und die Verfassung betreffen, vernünftig angegangen werden." (22.02.2008)


Politis - Zypern

Andres Parachos findet die reservierte Reaktion mancher ausländischer Zeitungen auf die Wahl des kommunistischen Kandidaten Demetris Christofias nicht nachvollziehbar: "Als würde die Insel Aphrodites um ein Jahrhundert zurückversetzt, als würde sie das Kuba des Mittelmeer. Wir Zyprer wissen, dass die kommunistische Partei Akel in der Vergangenheit keine traditionelle kommunistische Partei war und es auch heute nicht ist... Seit unserer Unabhängigkeit im Jahr 1960 waren die Kommunisten an verschiedenen Regierungen beteiligt. Es handelt sich eher um eine gemäßigte Partei sozialdemokratischen Zuschnitts. Dass sie nun an die Macht kommt, macht Hoffnung, dass das Problem der nun schon 34 Jahre währenden Teilung Zyperns schnell, vielleicht sogar sehr schnell gelöst werden kann... Christofias hat dem türkisch-zyprischen Führer Mehmet Ali Talat – auch er ein Kommunist – Gesprächsbereitschaft für Friedensverhandlungen und den Willen zur Vereinigung signalisiert. Die beiden Politiker haben einiges gemeinsam. Sie sind moderat und durchaus bereit, den Großmächten, die sich wenig konstruktiv über die Insel streiten, den Rücken zuzukehren." (25.02.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 25. Februar 2008

 

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