Top-Thema vom Donnerstag, 10. April 2008
Nordirland als Modell

Heute jährt sich das Friedensabkommen von Belfast, auch Karfreitagsabkommen genannt, zum zehnten Mal. Es leitete den Friedensprozess in der Region und die Machtteilung zwischen den verfeindeten Katholiken und Protestanten ein.
The Times - Großbritannien
"Es sagt viel über Nordirland, dass der zehnte Jahrestag des Karfreitagsabkommens auf äußerst seltsame Weise begangen wurde", schreibt die Tageszeitung. Die Katholiken hatten bereits am diesjährigen Karfreitag, den 21. März, an den Friedensvertrag erinnert, während die Protestanten das ursprüngliche Abkommen von 1998 gar nicht feiern wollen, sondern das von St. Andrews aus dem Jahr 2006. "Aber es sagt auch viel darüber, dass im heutigen Nordirland beide Seiten an ihren gegensätzlichen Ansichten festhalten können und dennoch zum politischen Dialog und zur Partnerschaft bereit sind - denn beide Sichtweisen der Vergangenheit haben ihre Berechtigung. Grundlegende Prinzipien wie Einverständnis, Machtteilung und ein Ende der Gewalt sind wesentlicher Bestandteil des Karfreitagsabkommens und bleiben der Kern der erstaunlichen, wenn auch fragilen Übereinkunft." (10.04.2008)
» zum ganzen Artikel (externer Link, englisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Sicherheitspolitik / Krisen / Kriege, » Geschichte, » Großbritannien, » Irland
Frankfurter Rundschau - Deutschland
"In Nordirland wächst erstmals eine Generation heran, die nicht mehr im Schatten des Terrors leben muss", schreibt Peter Nonnenmacher. "Heute präsentiert sich Nordirland als ein Gemeinwesen, dessen Fundamente täglich fester zusammenwachsen. Ein paar Probleme verursachen zwar Kopfzerbrechen. Wie ernst ist es den Paisley-Leuten mit der neu erhobenen Forderung, die IRA müsse sich vollkommen auflösen? Wann wird Nordirland seine Polizei-Streitkräfte endlich selbst kontrollieren können? Vor allem ruft das sich ankündigende Ende des irischen Wirtschaftswunders und der "goldenen Jahre" in Britannien einige Besorgnis hervor... Verlangsamen wird sich der Prozess vielleicht, auch Rückschläge sind möglich. Einer Gesellschaft trostloser Selbstzerstörung aber trauert hier niemand nach. Nordirland hat sich bewegt. Das Abkommen hat seinen Bewohnern eine Zukunft eröffnet. An diesem Frieden ist nicht mehr zu rütteln." (10.04.2008)
» zum ganzen Artikel (externer Link, deutsch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Innenpolitik, » Großbritannien
Alle verfügbaren Texte von » Peter Nonnenmacher
Neue Zürcher Zeitung - Schweiz
Martin Alioth sieht den nordirischen Friedensprozess positiv. Mehr als ein ideologisch-konfessioneller Proporz sei 1998 nicht erreichbar gewesen. "Doch ist unbestreitbar, dass die Lage an der Basis enttäuschend bleibt. Es fließt zwar kaum mehr Blut, ja die neuralgischen Paraden des protestantischen Oranier-Ordens sind weitgehend entschärft. Aber die Mauern, die Katholiken von Protestanten auf Wunsch der Anwohner beider Seiten trennen, sind in den letzten zehn Jahren gewachsen, anstatt zu schrumpfen. Begegnungen über den konfessionellen Graben hinweg sind seltener statt häufiger geworden. Die Hoffnung auf eine allmähliche Selbstheilung der Gesellschaft hat sich bisher nicht erfüllt, konkrete Abhilfe ist nicht in Sicht, denn der Frieden kam von oben, nicht von der Basis her." (10.04.2008)
» zur Homepage (externer Link, Neue Zürcher Zeitung)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Innenpolitik, » Großbritannien
Alle verfügbaren Texte von » Martin Alioth
The Irish Times - Irland
Das Dokument aus dem Jahr 1998 war ein wichtiger Schritt im langwierigen Versöhnungsprozess, meint die Zeitung, und habe auch zur Verständigung Nordirlands mit der Republik Irland beigetragen. "Das Belfast-Abkommen [Karfreitagsabkommen] war ein Wendepunkt in Irlands politischer Entwicklung. Es beinhaltet den Ethos gegenseitiger Anerkennung, des Respekts und der Toleranz innerhalb einer Gemeinschaft und in den Beziehungen zu anderen Staaten. Es schreibt die obligatorische Machtteilung zwischen konkurrierenden Parteien, verschiedenen nationalen oder gemeinschaftlichen Traditionen vor. Und es ermöglicht einen besonderen, noch immer dynamischen Prozess der Nord-Süd- und Ost-West-Kooperation zwischen den beiden Staaten. Diese Elemente gelten überall auf der Welt als wichtiger Beitrag bei der Lösung von Konflikten in tiefgespaltenen Gesellschaften. Irland diente auf vielfältige Weise als mögliches Modell für andere." (10.04.2008)
» zum ganzen Artikel (externer Link, englisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Sicherheitspolitik / Krisen / Kriege, » Geschichte, » Großbritannien, » Irland
» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 10. April 2008