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Archiv / Dossier

Top-Thema vom Mittwoch, 23. April 2008


Spannungen zwischen Frankreich und China

Zwischen Frankreich und China nehmen die Spannungen kontinuierlich zu, seit es heftige Proteste gegen den olympischen Fackellauf in Paris gegeben hat. Die französische Regierung versucht, eine Krise abzuwenden. Macht sie China zu viele Zugeständnisse?


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Nicolas Sarkozy muss sich zu einer eindeutigen Haltung gegenüber China durchringen, meint Gerd Kröncke. "Frankreichs Präsident versprach zu Beginn seiner Amtszeit vor einem Jahr die Rückkehr der Moral in die Außenpolitik. Davon hat er im Verhältnis zu China nicht viel merken lassen. Er hat sich um die Frage herumgemogelt, ob er, wie Angela Merkel, den Dalai Lama sehen will. Was Tibet angeht, zeigt sich seine junge Staatssekretärin für Menschenrechte, Rama Yade, entschlossener als er. Sarkozy muss selbst Farbe bekennen. Dass nun auch noch der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë den Dalai Lama zum Ehrenbürger gemacht hat, darauf hatte er keinen Einfluss. Aber das können sich die Chinesen sowieso nicht vorstellen." (22.04.2008)


Le Soir - Belgien

"Der französische Präsident hat sich zu spät dafür entschuldigt, dass die chinesische Sportlerin Jin Jing bei den Protesten gegen den Fackellauf schlecht behandelt worden ist. Jin Jing ist die neue Heldin des chinesischen Patriotismus und der französische Präsident muss sich nun in der chinesischen Presse und im Internet als Feigling bezeichnen lassen. Oder man lässt es sich nicht nehmen, ihn mit Angela Merkel zu vergleichen, die kürzlich an ihrer Kritik an den chinesischen Menschenrechtsverletzungen festgehalten hat", schreibt Jurek Kuczkiewicz. "Wie man eine Zunahme wirtschaftlicher Verflechtungen mit Menschenrechten verbinden kann, für diese Herausforderung ist noch keine Zauberformel gefunden. Doch es wäre zu einfach, die Irrtümer auf diesem unbequemen Weg nur den Politikern zuzuschreiben. Denn nicht nur Unternehmer oder Politiker wollen Geschäfte machen: Wer keine Sportschuhe oder T-shirts aus chinesischen Fabriken trägt, wer nicht mit Treibstoffen fährt, die aus Ländern kommen, denen Benzin wichtiger ist als Demokratie, der werfe den ersten Stein..." (23.04.2008)


Le Figaro - Frankreich

Auch in anderen Ländern gab es Demonstrationen gegen die olympischen Fackelläufe, doch die Beziehungen zwischen Frankreich und China seien besonders angespannt, meint Valérie Niquet vom französischen Institut für internationale Beziehungen IFRI. "Jenseits der Olympischen Spiele geht es durchaus um Politik und Strategie. In diesem Kampf braucht China entgegenkommende Verbündete. Wenn es sieht, dass Frankreich die vereinbarte Rolle als 'Freund Chinas' anlegt, dann fühlt es sich wie ein hintergangener Liebhaber und behandelt Frankreich schlechter als Deutschland, Großbritannien oder die USA... Frankreich steht bald für sechs Monate an der Spitze Europas und sein 'schlechtes Beispiel' könnte Schule machen. Unter diesen Umständen Druck auszuüben, ist für China auch ein Mittel der 'Vorbeugung' gegen jeden Versuch Frankreichs, Entschlossenheit zu demonstrieren... Frankreich ist ein schwaches Glied in der Kette. Die Wankelmütigkeit des französischen Präsidenten gibt China Hoffnung, dass es wieder zu einem Stimmungsumschwung kommt, wenn man nur den Druck erhöht." (22.04.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 23. April 2008

 

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