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Top-Thema vom Montag, 4. August 2008


Brown in der Krise

Der britische Premierminister Gordon Brown ist in Bedrängnis: Nicht nur die schlechte Wirtschaftslage macht ihm zu schaffen, auch seine eigene Partei wendet sich gegen ihn. Nachdem Außenminister David Miliband in einem Zeitungsartikel indirekt zu einer Ablösung Browns aufrief, kam nun ein Schreiben des ehemaligen Premiers Tony Blair an die Öffentlichkeit, das der Politik Browns ein vernichtendes Zeugnis ausstellt. Wie beurteilt Europas Presse die Zukunft des britischen Regierungschefs?


La Vanguardia - Spanien

Die spanische Tageszeitung La Vanguardia kommentiert den Popularitätsverlust des britischen Premiers: "Die Krise, die über Großbritannien hereinbricht, nimmt Gordon Brown sein politisches Kapital. Der Ruf als guter Geldverwalter, der bislang die mangelnde Ausstrahlung und Führungskraft des britischen Premiers ausglich, hat sich durch die Verschlechterung der Konjunktur nach und nach verbraucht: steigende Benzinpreise, Verteuerung der Lebensmittel Hypothekenkrise, Probleme mit den Banken und der Arbeitslosigkeit, um einige Probleme zu nennen. Es ist eine importierte Krise, aber die Briten geben ihm die Schuld, wie die vergangenen Wahlen ... und die Umfragen zeigen. Man betrachtet ihn bereits als den unbeliebtesten Premierminister seit dem Zweiten Weltkrieg. ... Paradoxerweise ist es gerade die Wirtschaft, die ihn an der Parteispitze halten könnte, da seine Absetzung zu Neuwahlen führen würde, die mitten in der Krise ein sicheres Wahldebakel zur Folge hätten." (04.08.2008)


Dnevnik - Slowenien

Die Tageszeitung Dnevnik mutmaßt, dass die Veröffentlichung des Schreibens des ehemaligen Premierministers Tony Blair mitten im innerparteilichen Streit kein Zufall war: "Der Bürgerkrieg wurde einerseits durch die Angst vor einem Verlust bei den nächsten Wahlen ausgelöst, andererseits durch die Überzeugung, dass David Cameron und die Konservative Partei besiegbar sind, wenn die Labour-Partei nur Gordon Brown los wird. In den Krieg hat sich nun auch der ehemalige Ministerpräsident Tony Blair eingemischt. Er ist wütend, weil Brown seine Strategie verworfen und durch nichts ersetzt hat. ... Obwohl gestern noch drei Mitglieder der Regierung Brown ihre Unterstützung zugesagt haben, hat ihm Blairs Kritik großen Schaden zugefügt. ... Ist es Zufall, dass Blairs schriftliche Kritik gerade jetzt aufgetaucht ist, wo es offensichtlich ist, dass Außenminister David Miliband die Führungsposition anstrebt?" (04.08.2008)


Der Tagesspiegel - Deutschland

Der Tagesspiegel führt die Misere der Labour-Partei auch auf die Versäumnisse des ehemaligen Premierministers Tony Blair zurück. "An der jetzigen, mit Blick auf die nächsten Wahlen fast aussichtslosen Lage der Labour-Partei ist aber nicht Brown allein schuld, auch wenn dies Blair und die Seinen historisch gern so festgeschrieben hätten. Blair hat zu seiner Zeit viel erreicht. Er überwand die starren ideologischen Lager und führte seine Partei in die politische Mitte. Doch der Mann, der Großbritannien als 'großartigstes Land der Welt' bezeichnet, trug in seiner Selbstherrlichkeit auch zu Labours Niedergang bei. Er verließ sich lieber auf externe Berater statt auf sein Kabinett und ließ den politischen Nachwuchs in seiner Partei verkümmern. Da konnte es nur auf einen wenig fähigen Nachfolger hinauslaufen." (04.08.2008)


The Times - Großbritannien

Der ehemalige konservative Kabinettsminister Michael Portillo warnt in der Wochenzeitung The Sunday Times vor einer Absetzung Gordon Browns: "David Milibands Versuch, den Premierminister zu stürzen, könnte die verbleibende Glaubwürdigkeit der Regierung zerstören, was Großbritannien oder Labour kaum durch die Wirtschaftskrise helfen würde. Wenn Brown abgesetzt wird, könnte das zu Spaltungen innerhalb der Labour-Partei führen, die sie auf ein Jahrzehnt oder länger von der Macht ausschließen. Die Torys werden profitieren, ob Brown nun überlebt oder abserviert wird. ... Indem er [Miliband] nicht feuert, erscheint der Premierminister schwach und wankelmütig. Hätte Blair gewagt, seinen immer lästigen Schatzkanzler zu entlassen, könnte er heute immer noch im Amt sein, und Brown hätte niemals seine Unzulänglichkeit unter Beweis stellen müssen. ... Wenn Miliband Brown erfolgreich stürzt, erwartet Labour fast eine Generation von Grabenkämpfen. ... Dann können die Konservativen sich nicht nur auf einen Wahlsieg freuen, sondern auch auf eine weitere Ära der politischen Überlegenheit." (04.08.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 4. August 2008

 

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