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Archiv / Dossier

Top-Thema vom Dienstag, 28. April 2009


Schweinegrippe erreicht Europa

Die Schweinegrippe ist in Europa angekommen. Ein junger Mann in Spanien ist erkrankt, zwei weitere Fälle wurden am Montag in Schottland bestätigt. Zahlreiche Menschen seien zudem infiziert. Alle Patienten hatten sich zuvor in Mexiko aufgehalten, hieß es.


The Times - Großbritannien

Nachdem erste Fälle von Schweinegrippe in Großbritannien bestätigt wurden, beschäftigt sich die Tageszeitung The Times mit möglichen Gegenmaßnahmen: "Gesundheitsminister Alan Johnson hat mitgeteilt, dass der [nationale Gesundheitsdienst] NHS über einen Vorrat des antiviralen Medikaments Tamiflu im Wert von 500 Millionen Pfund [560 Millionen Euro] verfügt. So lange es keine Impfung gibt, ist dies das Beste, was die Wissenschaft tun kann. Johnson hat auch darauf hingewiesen, dass bestehende EU-Regeln den Import von Schweinen und Schweinefleisch aus Mexiko verhindern. Ein Test an einer kanadischen Frau in Manchester erwies sich als negativ. Aber zwei Fälle im schottischen Airdrie sind schon bestätigt worden. Es ist normal, dass sich die Öffentlichkeit Sorgen macht. Im Moment können wir nichts Besseres tun, als dem Rat der Gesundheitsschutzbehörde zu folgen: man sollte Nase und Mund bedecken, wenn man hustet oder niest, schmutzige Taschentücher sofort wegwerfen und Hände und häufig berührte Oberflächen reinigen." (28.04.2009)


El Mundo - Spanien

Nach dem Bekanntwerden eines Schweinegrippefalls in Spanien schreibt die Tageszeitung El Mundo: "Die [mexikanische] Regierung hat gestern angeordnet, alle Schulen zu schließen und jegliche Arten von Versammlungen zu verhindern, was zu einem wirtschaftlichen Stillstand des Landes geführt hat. Kann es zu dieser Situation auch in Europa und konkreter in Spanien kommen? Bislang sind die Gesundheitsbehörden vorsichtig und ermahnen dazu, Maßnahmen zu ergreifen, damit dies nicht passiert. Aber das Risiko besteht. Alle Regierungen isolieren die verdächtigen Fälle, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Die EU-Beauftragte für Gesundheitsfragen [Androulla Vassiliou] hat gestern vorgeschlagen, Flüge in die USA und Mexiko auszusetzen. Aber die Europäische Kommission und die Regierungen haben diese Maßnahme abgelehnt, zweifelsohne um nicht mit der Obama-Regierung aneinander zu geraten." (28.04.2009)


La Stampa - Italien

Nach den ersten Fällen von Schweinegrippe in Spanien und Großbritannien sieht die liberale Tageszeitung La Stampa Parallelen zwischen der Krankheit und der um sich greifenden Wirtschaftskrise: "Die erste Gemeinsamkeit ist das Fehlen eines Gegenmittels: es gibt keine Impfungen gegen das Fieber und kein wirksames Rezept, um die durch den Misserfolg der Subprime-Kredite entstandenen Schäden einzudämmen. Die zweite ist die schnelle Mutation des Auslösers: man hat uns schon informiert, dass die wahre Gefahr nicht der Virus in seiner derzeitigen Form ist, sondern in der hohen Wahrscheinlichkeit von schwerwiegenderen und aggressiveren Formen besteht." (28.04.2009)


Corriere del Ticino - Schweiz

Die Tageszeitung Corriere del Ticino analysiert die Schweinegrippe ideologisch: "Gestern sagte ein offizieller Beobachter leicht scherzhaft, dass die arabischen Länder nicht vom Virus betroffen seien, weil Muslime kein Schweinefleisch essen. ... Wir können sicher sein, dass in bestimmten Bereichen des Planeten - in einem Klima des Kulturkampfes - eine ähnliche These funktionieren könnte, und zwar so: Gott, oder die Natur, bestrafen den Menschen, der sich vom Fleisch unreiner Tiere nährt. Eine Ernährungsapokalypse hat da Erfolg, wo der internationale Terrorismus gescheitert ist. Eine Scheibe Salami wird der Tod des Westens sein. Andererseits ... wird jemand die Schweine-Epidemie als antiwestliches Komplott interpretieren. … Diese, wenn auch absolut abwegige, ideologische Lektüre der Schweingrippe könnte auf symbolischer Ebene haltbar sein. ... Es könnte tatsächlich die gerechte Strafe für die reichen Länder sein, Opfer ihrer eigenen Begierde ... zu werden. Für diejenigen, die an den Kampf der Kulturen glauben, wäre ein Komplott der 'Feinde' durchaus plausibel, ein für unsere Gesellschaft symbolisches Nahrungsmittel zu vergiften." (28.04.2009)


Postimees - Estland

Angesichts der Schweinegrippe sucht die Tageszeitung Postimees Hilfe bei bewährten Hausmitteln: "Alte Bauernweisheiten haben uns schon bei unseren finanziellen Problemen geholfen. Nun sollten wir uns auch bei der Vorbereitung auf die Grippe der alten klugen Sprüche entsinnen. Sie sind ja im Grunde denkbar einfach: Man wasche sich regelmäßig mit Wasser und Seife die Hände, und das Aroma von Knoblauch und frischen Zwiebeln ist im Vergleich zu einer Grippeerkrankung gewiss das geringere Übel. Und müssen wir in diesem Sommer wirklich an überfüllte südliche Gestade fliegen? Da wäre doch wirklich der rechte Zeitpunkt gekommen, unsere wunderbaren und überdies preiswerten heimischen Strände zu genießen." (28.04.2009)


» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 28. April 2009

 

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