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Archiv / Dossier

Top-Thema vom Freitag, 5. Juni 2009


Obama will Neuanfang mit Muslimen

In seiner Grundsatzrede in Kairo am Donnerstag hat US-Präsident Barack Obama die Muslime in aller Welt zu einem Neuanfang in "gegenseitigem Respekt" aufgerufen. Obama sprach sich weiter für eine Zweistaatenlösung im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern aus.


El Mundo - Spanien

Eine "historische, bewegende und vor allem intelligente Botschaft der Verbrüderung" sei die Grundsatzrede des US-Präsidenten Barack Obama in Kairo gewesen, schrieb die spanische Tageszeitung El Mundo. "Obama betonte sogar, dass das islamische Erbe Teil der kulturellen Identität der USA sei, indem er daran erinnerte, dass Thomas Jefferson [als Gründervater] die Verfassung der USA mit Zitaten aus dem Koran verteidigte. Außerdem zögerte er nicht, auf Grund der Fehler der Vergangenheit Selbstkritik zu üben und betonte, dass Auswüchse wie Folter und Haft ohne rechtlichen Schutz in Guantánamo nicht hinnehmbar seien. Fast zur gleichen Zeit, zu der er diese Worte sagte, beriet die EU über das Vorgehen bei der Aufnahme von Häftlingen von der US-Basis auf Kuba, die in den kommenden Monaten bevorsteht." (05.06.2009)


Rue89 - Frankreich

Das Internetportal Rue89 analysiert die Rede des US-Präsidenten an die islamische Welt: "Al-Qaidas Nummer Zwei, Aiman Al-Zawahiri, hatte die Ägypter zuvor aufgefordert, sich nicht von den 'raffinierten Äußerungen' des 'kriminellen Barack Obama' verführen zu lassen. Er hatte Recht, Angst vor ihm zu haben. In Kairo hat der amerikanische Präsident am Donnerstag eine Rede gehalten, ... die die Bush-Ära abschließt und der muslimischen Welt die Hand mit Respekt und Bescheidenheit entgegenstreckt. ... Am sehnlichsten wurden seine Äußerungen zu Israel und Palästina erwartet, und da versprach er am meisten. ... Er schaffte es, mit einigen arabischen Wörtern, gut ausgewählten Zitaten des Koran und einem mehrmals untermauerten Respekt für eine Religion, die von zahlreichen Amerikanern als 'Feind' gesehen wird, ein starkes Signal für die Umkehrung der Botschaften zu senden. Gleichzeitig blieb er unerschütterlich, was die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Israel angeht, den Kampf gegen jene, die Gewalt anwenden, oder gegen die Demokratie - auch wenn er nicht mehr versucht, sie 'durchzusetzen' sondern sie zu 'unterstützen'." (04.06.2009)


Expressen - Schweden

Zur der Grundsatzrede in Kairo schreibt die Tageszeitung Expressen: "Das könnte Obamas bisher wichtigste Rede sein. ... Während der letzten Wochen sind die Beziehungen zwischen der Obama-Regierung und Israels Rechtsregierung saurer geworden. Sowohl Obama wie auch [US-Außenministerin] Hillary Clinton haben klargemacht, dass Israel mit der Ausdehnung der Besetzung aufhören muss. ... Das wird jetzt Obamas Lackmustest. Ist er nur ein Mann der schönen Worte oder auch der Tat? Bisher ist Obama für seine versöhnliche Außenpolitik schlecht belohnt worden. Nordkorea hat in seinem Kampf gegen die Welt um sich herum einen Gang zugelegt. Iran zeigt keinerlei Ansinnen, von seinen Kernwaffenplänen abzurücken. Die Gewalt im Irak und in Afghanistan setzt sich fort. Nicht einmal die Freunde der USA kommen Obama entgegen. ... Obamas Herausforderung besteht darin, so viele Teile der Welt wie möglich für sich zu gewinnen, um die unversöhnlichen Kräfte zu isolieren und zu schwächen - nicht zuletzt unter den Muslimen." (05.06.2009)


De Standaard - Belgien

Mit seiner Rede in Kairo habe sich US-Präsident Barack Obama erneut klar von seinem Amtsvorgänger distanziert, schreibt die Tageszeitung De Standaard: "George Bush ging davon aus, dass die USA, mächtig und moralisch überlegen, Werte verbreiten mussten und konnten, notfalls mit der Waffe. Auf der Basis von gegenseitigem Verständnis und Respekt bot Obama den Muslimen gestern einen neuen Dialog und eine neue Partnerschaft an. Und das ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil. Obamas Rede war eine rhetorische Glanzleistung, vorgetragen von einem Präsidenten, der zugleich bescheiden und selbstsicher ist, und der begreift, wie mächtig Worte sind. Was wir gestern gehört haben, war eine der wenigen echt historischen Reden, die Ankündigung eines drastischen Kurswechsels. ... Es besteht [jedoch] die Gefahr, dass der Präsident mit dieser Rede falsche Hoffnung geweckt hat, dass er die schönen Worte nicht wahr machen kann. Das wäre auch schlimm für Europa, das noch enger mit der arabischen Welt verbunden ist als die USA. ... Unglaublich schwer ist der Auftrag, und es ist absolut nicht sicher, dass Obama Erfolg hat. Aber er versucht es zumindest. Und das verdient europäische Unterstützung." (05.06.2009)


Delo - Slowenien

Die Tageszeitung Delo sieht in Barack Obamas Rede in Kairo vor allem schöne Worte: "Die grobe Bauerntrampel-Diplomatie von Obamas Vorgänger [George W. Bush] hat den USA mehr geschadet als genutzt, weil sie zu einer Rekrutierung verbissener Amerika-Gegner geführt hat. Deshalb könnte der neue US-Präsident mit seiner Art zu reden Einiges für die Erfüllung der globalen amerikanischen Interessen tun, die sich in den letzten Jahrzehnten nicht geändert haben, egal wer im Weißen Haus saß. Kritiker werden sagen, die Methoden haben sich nicht geändert. Doch Tatsache ist, dass eine schönere Verpackung gewöhnlich den Verkauf und die Beliebtheit eines Produktes fördert. In den kommenden Monaten und Jahren werden wir die Auswirkungen der Rede des US-Präsidenten Barack Obama in Kairo auf die islamische Welt suchen. Doch die [radikal-islamische] Hamas hat Obama nicht überzeugt, und auch Israel ist weit davon entfernt, Obama zu trauen. An dieser Front hat der US-Präsident gestern keinesfalls die Arbeit des [Schmeichlers] Damokles erledigt." (05.06.2009)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 5. Juni 2009

 

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