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Archiv / Dossier

Top-Thema vom Dienstag, 23. Juni 2009


Die Welt verurteilt Gewalt im Iran

Die iranischen Revolutionsgarden haben am Montag eine Kundgebung von Tausenden von Regimekritikern in Teheran gewaltsam aufgelöst. Stimmen aus Europa und der ganzen Welt verurteilten derweil das Vorgehen der iranischen Regierung und zeigten ihre Solidarität mit der Opposition.


Delo - Slowenien

Europa hat die Gewalt gegen Demonstranten im Iran einmütig verurteilt. Noch nie seien sich die EU-Länder in außenpolitischen Fragen so einig gewesen, schreibt die Tageszeitung Delo: "Kann man aufgrund der einheitlichen scharfen Worte des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und des Chefs der europäischen Außenpolitik Javier Solana, die am Montag gegen die Gewalt gegenüber den Demonstranten in Teheran protestiert haben, darauf schließen, dass es zu einem wichtigen Ruck in der europäischen Außenpolitik gekommen ist? Auch einige Außenminister haben angekündigt, dem tschechischen Aufruf zu folgen und bei den iranischen Botschaftern in den einzelnen Ländern zu protestieren. ... Die Rolle Europas als Sprachrohr der internationalen Gemeinschaft in Sachen Iran könnte noch heikel werden, falls die Regierung die Gewalt gegenüber den Demonstranten ausweitet. Denn dann muss man neben einer prinzipiellen Verurteilung der Gewalt auch die Natur des Regimes verurteilen. Wird Europa dieser Aufgabe gerecht werden?" (23.06.2009)


Delfi - Estland

Das Nachrichtenportal Delfi kritisiert das fehlende Engagement Estlands für den Iran: "In Teheran wird auf der Straße gekämpft, die Armee schießt auf die Demonstranten, und die Forderungen nach Demokratie werden immer lauter. Und was macht Estland? Man kann nicht einmal sagen, dass es schweigend zusieht. Denn Estland macht überhaupt nichts. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass in [der estnischen Hauptstadt] Tallinn Solidaritätskundgebungen für Tibet abgehalten wurden. Aber offenbar versteht man in unserer tiefen Provinz nicht, was für Auswirkungen ein Regimewechsel im Iran auf das Machtgefüge in der ganzen Welt haben könnte. Und selbst wenn es nicht zu einem Machtwechsel kommt, so haben die Iraner doch dieselben Rechte wie alle anderen Völker, die wir über Jahre hinweg unterstützt haben. Was unterscheidet denn die Forderungen der Iraner nach Demokratie von denen der Ukrainer oder Georgier? Es bleibt der unangenehme Eindruck, dass hier bei uns mit zweierlei Maß gemessen wird." (23.06.2009)


Blog Ivo Indjev - Bulgarien

Der bulgarische Blogger Ivo Indjev vergleicht den Tod der 19-jährigen Iranerin Neda mit dem Tod anderer Freiheitskämpfer wie dem des unbekannten chinesischen Studenten, der sich 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens gegen die Panzer gestellt hat: "Sie heißt Neda. Das Mädchen, das auf einer Straße in Teheran in einer Pfütze ihres eigenen Blutes starb, erschossen von 'Ordnungshütern' während einer Demonstration gegen die Tyrannei des klerikalen islamischen Regimes. Neda hat sich dem entgegengestellt, sogar damit, dass sie nicht das verpflichtende Kopftuch trug. ... Ihr Tod hat die Geister der Menschen aufgewühlt, die der Sache der Freiheit, für die sie starb, solidarisch gegenüberstehen. Weltweit finden [Solidaritäts-] Demonstrationen statt - und wo sind wir?" (23.06.2009)


Le Temps - Schweiz

Die Schweizer Tageszeitung Le Temps kommentiert die Rolle des US-Präsidenten Barack Obama mit Blick auf die Krise im Iran: "Seine ersten unglücklichen Worte, welche die Wichtigkeit dieses Aufstandes kleinzureden schienen, haben am vergangenen Wochenende einem direkteren Ton Platz gemacht. Es ist die Feuertaufe für den amerikanischen Präsidenten. Es ist jetzt an der Zeit, eine methodisch umgesetzte Strategie aufzugeben, um Platz für das Unerwartete zu machen. Aber kann Obama wirklich noch mehr tun? Heute würde ein zu starkes Eingreifen der USA den Interessen der Anhänger von Mir Hussein Mussawi nur schaden. Da sind sich alle einig. Und was, wenn andere aus dem amerikanischen Nichtstun Profit schlagen würden, um mit lauterer Stimme zu sprechen?" (23.06.2009)


» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 23. Juni 2009

 

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