Berlusconi hatte bei den letzten Wahlen in Italien Erfolg, weil viele Wähler hofften, unter seiner Regierung ihren Geschäften weiter unbehelligt nachgehen zu können, auch wenn sie nicht ganz legal sind, schreibt der in Trient lehrende Soziologe Peter Wagner. "Viele der Wähler der neuen Regierung wissen, dass sie etwas tun, was sie gemäß republikanischem Ethos nicht tun sollten... Die Wahlen stellten das Volk dieses Landes vor die Alternative, ihr Gemeinwesen in Selbstbestimmung weiter entwickeln zu wollen oder in schnellen Schritten jeglichen Sinn eines Gemeinsamen verfallen zu lassen und dann kollektive Regelungen zugunsten der 'Freiheit' von Gruppen und Einzelnen, sich gegen andere durchzusetzen, nach und nach abzuschaffen... Gerade in den reichen und relativ demokratieerfahrenen Ländern Europas kann der rücksichtslose Verfolg von Einzelinteressen, die sich zu einer Wahlmehrheit summieren lassen, zu einer Aushöhlung der Demokratie führen, deren Folgen vielleicht weniger schnell sichtbar sind als die eines freiheitsfeindlichen Regimes, aber darum nicht weniger schwerwiegend." (29.04.2008)
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