Die italienische Tageszeitung Corriere della Sera geht auf das gestrige Interview der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in der britischen Tageszeitung Financial Times zum Niedergang des angelsächsischen Wirtschaftsmodells ein: "Mehrere Gründe müssen Angela Merkel dazu bewegt haben, das angelsächsische Modell der Regulierung der Finanzmärkte als gescheitert zu erklären und eine größere Rolle für die Eurozone zu reklamieren. Die Innenpolitik und der Wunsch, den Populismus der neuen Linken im Zaum zu halten, … die Volksabstimmung in Irland, die zeigen soll, dass Europa nicht im Schlepptau von Amerika hängt. Und allgemein das Marktwachstum. Die Debatte ist hitzig und verfrüht zugleich, da gemeinsame Strategien fehlen. Das Modell des autoritären Kapitalismus - etwa von China oder Russland - ist eine große Versuchung, da es offenbar rascher Ziele in der Marktentwicklung erreicht als die liberalen Demokratien. Die altbewährte Verbindung von Freiheit und Marktwirtschaft scheint den Prüfstein der Realität nicht mehr zu bestehen. … Die Versuchung des autoritären Kapitalismus ist jedoch nur für aufstrebende Wirtschaftskräfte gültig, sicher nicht für unsere, die sich zumindest in Europa in fortgeschrittenen Sozialmodellen bewegen. Viel steht auf dem Spiel, wenn das angelsächsische Modell angeprangert wird, und Frau Merkel war vielleicht ein wenig zu heftig, zumal bisher noch niemand ein besseres Rezept in der Tasche hat." (12.06.2008)
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