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Top-Thema vom Donnerstag, 5. Juni 2008


Europas Blick auf Barack Obama

Barack Obama steht als demokratischer Kandidat für die US-Präsidentschaftwahlen so gut wie fest. Seine Chancen, der nächste Präsident der USA zu werden, sind groß. Wie schätzt Europas Presse die Kandidatur Obamas ein?


Delo - Slowenien

Die Tageszeitung Delo erwartet von einem möglichen US-Päsidenten Barack Obama keine großen Veränderungen in der transatlantischen Politik: "Nach acht Jahren Herrschaft von George W. Bush, der alle negativen Stereotypen und Vorurteile über die USA auf sich vereint hat, warten alle auf den neuen amerikanischen Präsidenten. Doch die US-Außenpolitik wird sich nach Bush weniger verändern, als Europa es sich erhofft. ... Die Priorität des neuen Präsidenten wird verständlicherweise erst einmal auf der Versöhnung mit der Welt, vor allem mit Europa, liegen. Unstimmigkeiten zwischen den beiden sind global gesehen schlecht für beide [Seiten]. Der Respekt, den die USA einst genossen, wurde von Wut, Widerstand, und Angst verdrängt. Sollte ein Kandidat siegen, der die Politik von Bush fortsetzen möchte, wird der transatlantische Bruch noch tiefer." (05.06.2008)


Die Zeit - Deutschland

"Wir Westeuropäer wünschen uns nichts sehnlicher als Barack Obama an der Spitze der USA. Doch er wäre Präsident einer sehr starken Supermacht, und die sorgt immer für Ärger", sagt Josef Joffe, Herausgeber der Wochenzeitung Die Zeit. "Obama [ist] kein Erlöser. Amerika, schreibt er in [seiner Programmschrift] 'Hoffnung wagen', müsse ... 'unilateral' gegen jene vorgehen können, 'die sich darauf vorbereiten, amerikanische Ziele anzugreifen'. ... Klingt irgendwie Bush-mäßig - oder schlimmer, weil Obama sogar in Pakistan gegen Al-Qaida zuschlagen würde. ... Bei Obama aber kämen zwei Extraminuspunkte hinzu. Seine Partei spielt mit dem Feuer des Protektionismus gegen Waren wie Menschen; deshalb sind Asien und Lateinamerika so skeptisch gegenüber dem Demokraten. Dann Obamas Idealismus, der eine hübsche Projektionsfläche für die Europäer abgibt. Zu dem gehört die hochfliegende Menschenrechtspolitik. ... Obama steht fest in dieser Tradition; von McCain, dem geläuterten Republikaner, ist mehr Real- als Idealpolitik zu erwarten." (05.06.2008)


Berlingske Tidende - Dänemark

"McCain ist ein besserer Mann für Europa, so wie die Lage der Dinge jetzt ist," schreibt die Tageszeitung Berlingske Tidende. "Jeder, der den Redner Barack Obama [jedoch] erlebt, hat das Gefühl einer ganz besonderen politischen Figur begegnet zu sein, obgleich er ein unbeschriebenes Blatt ist. ... Jetzt bekommt Obama jede Menge Möglichkeiten, sich auf das Politische zu konzentrieren, und auf die Taten, für die er sich einsetzen will, wenn er gewinnen sollte. Man kann nur hoffen, dass er sich auf die politische Mitte zu bewegt. Während Präsident Bill Clinton die Demokratische Partei verjüngte, indem er sie mehr in die Mitte rückte, gibt es klare Anzeichen, dass Barack Obama altmodischer ist. Er zögert gegenüber dem freien Welthandel, hat eine unklare Außenpolitik und eine traditionellere Umverteilungspolitik. Aber Obama kann sich überraschend positiv erweisen, beispielsweise wenn er die Partei nach rechts rückt, dahin, wo die Amerikaner sind." (05.06.2008)


ABC - Spanien

Die Tageszeitung ABC reflektiert anlässlich der Kandidatur Barack Obamas über die unterschiedliche politische Kultur in den USA und Europa: "Wir ziehen das Gestern stets dem Morgen vor und wir lieben es, stets dieselben Kämpfe und die bereits tausendmal geführten Debatten auszutragen, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Die USA sind hingegen [laut Immanuel Kant] 'das Land der Enkel'. ... Während die [angekündigten] Wechsel in Spanien dazu da sind, dass alles mehr oder weniger beim Alten bleibt, sind die Wechsel in den USA wirklich und dauerhaft. ... Was für ein Unterschied zu unserem Land, in dem die politischen Führer - rechts oder links, demokratisch oder totalitär, fähig oder unfähig - für Ewigkeiten an ihren Ämtern festhalten bis sie hinausgeworfen werden, nicht weil ein Besserer käme, sondern wegen ihrer eigenen Fehler." (05.06.2008)


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