Top-Thema vom Montag, 17. November 2008
Ein erster Schritt

Vertreter der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) haben sich am Wochenende in Washington getroffen, um eine Lösung für die globale Finanz- und Wirtschaftskrise zu finden. Das Treffen war historisch, da ist sich die europäische Presse einig. Doch über die Ergebnisse der Konferenz gehen die Meinungen auseinander.
NRC Handelsblad - Niederlande
Nach Ansicht der überregionalen Tageszeitung NRC Handelsblad wurde ein gutes Ergebnis erreicht: "Positiv an dem Treffen ist auch, dass die Beratungen über die Weltwirtschaft nicht länger eine exklusive Angelegenheit der G7 der etablierten Industrieländer sind. Die Sitzung in Washington könnte in die Geschichte eingehen, als das Ereignis, bei dem die veränderten Machtverhältnisse in den G20 verankert wurden. Länder wie China, Indien und Brasilien haben künftig eine Stimme bei den Entscheidungen. Und, was mindestens genauso wichtig ist, sie sind jetzt daran gebunden." (17.11.2008)
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Corriere del Ticino - Schweiz
Die Tageszeitung Corriere del Ticino schreibt: "Der G 20 hat einen Prozess in die Wege geleitet, der in den nächsten Monaten an Kraft gewinnen wird. … Die Bankenrettungsmanöver durch staatliche Gelder sind keine Lösung. … Die Gelder müssen genutzt werden, um die Realwirtschaft anzukurbeln ... Alle werden sich einig sein, dass keine Neuregulierung wirksam ist, solange das internationale Währungssystem mit dem amerikanischen Dollar verankert bleibt, der Ausdruck der hohen Auslandsverschuldung der USA ist. Praktisch heißt das, ein neues Bretton Woods wird eingeleitet. Es ist wahrscheinlich, dass das Treffen in Washington einen Prozess ausgelöst hat, den die Härte der Krise dazu zwingt, weitaus höhere Ziele als die in Washington geäußerten Absichten anzustrengen." (17.11.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Alfonso Tuor
Financial Times Deutschland - Deutschland
Die Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland ist überrascht von den detaillierten Ergebnissen des Treffens. "Verglichen mit den üblichen Papieren der internationalen Gipfeldiplomatie fällt die Abschlusserklärung von Washington dadurch auf, dass sie ungewöhnlich stark ins Detail geht. Dazu gehört die präzise Zeitvorgabe an die Finanzminister der G20-Staaten, bis zur Folgekonferenz im Frühjahr Vorschläge für eine lückenlose Regulierung aller Finanzmarktakteure auszuarbeiten. Dazu zählt aber auch die ausdrückliche Verpflichtung der Teilnehmer, nicht mit einer protektionistischen Politik auf die Krise zu reagieren – was hoffen lässt, dass die alten und neuen Wirtschaftsmächte die historischen Lehren aus der Weltwirtschaftskrise nicht vergessen haben." (17.11.2008)
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Berlingske Tidende - Dänemark
Der Gipfel kann nur ein erster Schritt sein, meint die Kopenhagener Tageszeitung Berlingske Tidende: "Es ist zu früh um den G20-Gipfel in Washington zum Erfolg oder zum Gegenteil zu erklären. Dort wurden eine Reihe wichtiger Prinzipien beschlossen, aber die meisten davon so vage, dass es schwer zu sagen ist, ob das Treffen der Anfang vom Ende der Finanzkrise gewesen ist, die die Welt beinahe in ein wirtschaftliches Chaos geführt hat. … Aber es besteht kein Zweifel, dass die Regierungschefs erst beim nächsten Treffen bindende Abkommen eingehen werden. Es ist schwer, Veränderungen zu erzielen, mit einem amerikanischen Präsidenten, der nur noch zwei Monaten im Amt ist." (17.11.2008)
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Aftonbladet - Schweden
Das Stockholmer Aftonbladet sieht in dem Gipfel das Ende einer Marktideologie: "Der G20-Gipfel deutet auf das Ende einer Epoche des sozialen Elends hin, einer Epoche, die auf die einfache Marktideologie eines Kapitalismus frei von jeglicher politischer Kontrolle, Regeln und Einsichtnahme durch die Bürger aufgebaut hatte. Das Treffen in Washington nickt etwas wohlwollend dem freien Markt zu, aber schlägt dann eine Reihe von Einschränkungen vor, von einer Überwachung der Banken bis hin zu einer stärkeren Kontrolle der immer bizarreren und wirtschaftlich verheerenden Methoden beim Wertpapierhandel." (17.11.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Ole Svenning
Delo - Slowenien
Nach dem Treffen in Washington ist klar, dass die westlichen Länder den übrigen G20-Staaten eine größere Rolle in internationalen Finanzinstitutionen zugestehen müssen, schreibt die Tageszeitung Delo. "Der ehemals mächtige 'Westen', der mit seinem Glauben an die Allmacht des freien Marktes die Suppe eingebrockt hat und der jetzt in der Krise und in der immer stärker drohenden Rezession versinkt, war diesmal gezwungen den 'Osten' und den 'Süden', wo in den kommenden Jahren ein Großteil des wirtschaftlichen Aufschwungs erwartet wird, zur Hilfe zu holen. ... Den ehemals ins Abseits gestellten Ländern wird der Westen mehr Macht in den internationalen Finanzinstitutionen zugestehen müssen, denn langsam werden die westlichen Länder von deren Hilfe abhängig sein. Schon diesmal haben sie bei China gebettelt, dass es den Säckel mit rund 2 Billionen US-Dollarreserven locker macht, um dem verarmten internationalen Währungsfond zu helfen." (17.11.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Boris Cibej
ABC - Spanien
Die spanische Tageszeitung ABC schreibt: "In Washington gab es kein Feuerwerk. Das hat man sich für die Amtseinführung Obamas im Januar aufgespart. Aber dafür gab es weißen Rauch nach einem langen Arbeitsprozess, der zwar weder die Finanzkrisen noch die Wirtschaftszyklen beenden, der aber dafür sorgen wird, dass die internationale Gemeinschaft bessere Instrumente zur Hand haben wird, um die Krisen zu entdecken, mit ihnen umzugehen und sie zu lösen. Nicht mehr und auch nicht weniger." (17.11.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Fernando Fernández Méndez de Andés
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