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Archiv / Magazin / Politik / EU und Nato / Artikel | 08.11.2007
Wandel einer Verteidigungsallianz - die Nato
von Bernard von Plate
40 Jahre lang bestand die Kernfunktion der Nato darin, potenzielle Gegner
durch militärische Stärke abzuschrecken. Seit dem Ende des Kalten Krieges
haben sich ihre Aufgaben gewandelt. Neue Bündnispartner, neue Gefahren und neue Einsatzgebiete in und außerhalb Europas zeigen: Die Nato ringt um ihre Identität.
Zehn westeuropäische Staaten sowie die USA und Kanada unterzeichneten am 4. April 1949 in Washington den Nordatlantikvertrag und gründeten damit die Nato (North Atlantic Treaty Organization). Der Kalte Krieg zwischen den von der Sowjetunion dominierten kommunistischen Staaten Osteuropas und dem nicht-kommunistischen Westen war bereits im vollen Gange.

Foto: AP
Sieben weitere Länder, unter ihnen die Bundesrepublik Deutschland, traten bis 1989, dem Ende des Ost-West-Konflikts, der Atlantischen Allianz bei.
Ziemlich genau 40 Jahre lang bestand die Hauptaufgabe der Nato darin, einen potenziellen Gegner durch die eigene militärische Stärke abzuschrecken. Ein wichtiger Bestandteil dieser Politik war die Stationierung starker Landstreitkräfte im Westen des geteilten Deutschlands und eine zahlenmäßig große Bundeswehr. Seit dem Ende des Ost-West-Konflikts ist ihre Stärke von circa 500 000 auf 240 000 Mann verringert worden. Gegen wen man sich wappnen und gegebenenfalls wehren müsse, daran gab es so gut wie keinen Zweifel: Der voraussichtliche Gegner stand, so die gängige Formulierung in den Jahren des Kalten Krieges, "im Osten".
Neue Bündnispartner
Genau dort befinden sich heute die neuen Mitglieder, Beitrittsinteressenten und Kooperationspartner der Nato. 1999 traten Polen, die Tschechische Republik und Ungarn der Allianz bei. Im März 2004 folgten Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien. Auf dem Balkan streben Albanien, Kroatien und Mazedonien eine Mitgliedschaft an. Von den ehemaligen Sowjetrepubliken haben sowohl Georgien als auch die Ukraine ein Beitrittsinteresse bekundet.
Als Beitrag zur gemeinsamen Sicherheit erwartet die Nato von den neuen Mitgliedern militärische Reformen wie die Angleichung der Ausrüstungen und der Kommandostrukturen sowie den Aufbau tragfähiger Marktwirtschaften und stabiler demokratischer Institutionen. Diese wiederum betrachten das Bündnis als "Stabilitätsanker" und versprechen sich von ihm die Garantie ihrer äußeren Sicherheit. Dies gilt insbesondere für Polen, das mehrmals in seiner Geschichte zwischen seinen Nachbarn Deutschland und Russland zerrieben wurde. Für die Regierungen in Warschau ist daher die Mitgliedschaft in einem Bündnis, in dem die USA eine führende Rolle spielen, ein herausragendes politisches Interesse.
Bernard von Plate war bis Ende 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.
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Original in Deutsch
Veröffentlicht am 01.08.2006
Erstveröffentlichung in Informationen zur politischen Bildung (Heft 291)
© Bundeszentrale für politische Bildung
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