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Top-Thema vom Montag, 1. September 2008


Krise der Linken

Die linken Parteien in ganz Europa befinden sich in der Krise. In vielen europäischen Ländern sind sie in der Opposition und ringen mit Mitgliederschwund und ideologischer Marginalisierung. Die europäische Presse analysiert den Niedergang der linken Parteien.


Le Figaro - Frankreich

Am Wochenende fand die Klausurtagung der französischen Sozialistischen Partei (PS) statt. Die Tageszeitung Le Figaro wirft der Partei vor, keine festen Ziele und Überzeugungen mehr zu haben: "Die Sozialistische Partei befindet sich nicht nur auf einer ideologischen Irrfahrt, sie lebt auch in ständiger Lüge. Sie lügt sich selbst an. Weil sich jeder bewusst ist, dass sich die Partei nicht wieder beleben wird, ohne dass ein unbestreitbarer und unbestrittener Chef gefunden wird. ... Da sie nicht überlegt, nicht gearbeitet, sich nicht in Frage gestellt hat, bietet die Sozialistische Partei seit langem nichts Originales und Kohärentes mehr. Bezüglich der Zukunft Europas, des Verhältnisses mit den Linksextremen, mit dem Zentrum oder den Institutionen herrscht eine komplette Kakophonie. ... Mitten in einer methodologischen und ideologischen Krise, weiß die Sozialistische Partei nicht mehr, wo sie sich befindet." (30.08.2008)


Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung - Deutschland

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) habe ihre Ideale verraten, schreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Das zeige nicht nur ihr Umgang mit der Kaukasuskrise und dem Besuch des Dalai Lamas, des spirituellen Oberhaupts der Tibeter. "Blickt man mit unverzauberten Augen auf die heutige SPD, sieht man alles andere als eine weltoffene Partei. Man sieht eine autistische Obsession mit Personen ... und ihren nur noch Insidern verständlichen Referenzsystemen, die sich sämtlich auf unseren Sozialstaat beziehen. ... Die Appelle, die Sensibilität verwundeter Großmachtseelen nicht zu verletzen, werden langsam zum Markenzeichen einer Partei, die gegründet wurde, die Armen zu schützen. ... Kaum vorstellbar, dass Sozialdemokraten mal Dissidenten, Häftlinge, Oppositionelle umworben haben. ... Für die Staatsräson ist ein Rückzug auf die Tradition der Kabinettsdiplomatie nie verkehrt, für eine Volkspartei aber nicht genug." (31.08.2008)


Famiglia Cristiana - Italien

Die katholische Wochenzeitschrift Famiglia Cristiana beschuldigt die linksdemokratische Oppositionspartei Partito Democratico (PD), sich in Kleinkriegen zu verzetteln: "Während die Regierung uns mit ... vermeintlichen Notständen ablenkt, glänzt die immer streitsüchtigere, masochistischere und zerstrittenere Opposition durch geistige Verwirrung und totale Abwesenheit wirksamer Vorschläge für die Familien mit niedrigem Einkommen. ... Zu Themen, die das Feld der Linken sein müssten, bringt sie nichts hervor und statt eine solide Familienpolitik vorzuschlagen, zerfleischt sie sich selbst. Bevor die Partei in Schizophrenie und Depression - sowohl der Führungsklasse wie auch der Wähler - untergeht, sollte ein schneller und bündiger Angriff gestartet oder ein Parteikongress für eine gemeinsame klare Linie einberufen werden. Die Bevölkerung hat genug vom Babelturm, in den die Partei sich in Erwartung der Sintflut verwandelt hat." (01.09.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 1. September 2008

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