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Gospodinow, Georgi


In der europäischen Presseschau wurden bisher 5 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.


Dnevnik - Bulgarien | 22.05.2009

Bulgariens fehlende Auseinandersetzung mit 1989

Der Kolumnist der Tageszeitung Dnevnik Georgi Gospodinov kommentiert, warum Bulgarien in dem Videoclip der EU-Kommission zu 1989 fehlt und was das bewirken könnte: "Stimmt, wir hatten nicht das Jahr '56, das Jahr '68 und das Jahr '81 (obwohl es uns sehr unangenehm ist, wenn man uns darauf aufmerksam macht). Aber nehmt uns nicht auch noch das Jahr 1989 weg! Es kann nicht wahr sein, das es den 10. November nicht gegeben hat: Jeder von uns bewahrt eine Geschichte über diesen Tag auf. ... Die Traurigkeit, dass wir wieder fehlen, kann zweierlei produzieren: die übliche zornige Reaktion 'Europa hasst uns' oder - und das will ich hoffen - den Anfang einer Auseinandersetzung mit 1989. Und da können wir unsere Minuten des Widerstands zusammenbringen. Drei Minuten Freiheit in Dokumentarbildern der letzten 20 Jahre."

Dnevnik - Bulgarien | 09.04.2008

Bulgarischer Autor erschossen

Am Montag wurde der 35-jährige Georgi Stoev, Verfasser mehrerer Romane über die Verflechtung von Mafia und Politik, auf einem der belebtesten Plätze in Sofia erschossen. Einen Tag zuvor war außerdem ein bekannter Unternehmer vor seiner Wohnung getötet worden. Georgi Gospodinov ist entsetzt: "Es ist eher unwahrscheinlich, dass wir erfahren, wo die Grenze zwischen Realität und Fiktion in den Büchern von Stoev verläuft. Eines aber ist klar: Seine Ermordung stellt eine Grenzüberschreitung dar. Wie lange werden wir es noch ertragen, dass man uns munter zu überzeugen versucht, der Schlamm, in dem wir stecken, sei eine Blumenwiese? Wir wissen nicht, wer die Auftragsmörder sind. Aber wir erkennen die demagogische Absicht, eine Illusion als Normalität zu verkaufen. Und wir wissen, wer die Architekten dieser illusorischen Normalität sind, die ab und zu durch Schüsse und Explosionen erschüttert wird. Es sind dieselben, die die Kulissen für Brüsseler Diplomaten bauen, wenn sie nach Sofia kommen."

Dnevnik - Bulgarien | 12.10.2007

Bulgariens Lehrer fordern Rücktritt der Regierung

In Bulgarien fand gestern die größte Demonstration der letzten 10 Jahre statt – nach drei Wochen erfolgloser Verhandlungen mit der Regierung haben zehntausende Lehrer deren Rücktritt gefordert. Aus Angst, dass sich die stürmischen Ereignisse um den Kabinettsturz von 1997 wiederholen, hatten die regierenden Sozialisten für enorme Sicherheitsmaßnahmen gesorgt, berichtet Georgi Gospodinov: "Lange habe ich die Innenstadt nicht mehr so erlebt: Metallgitter um das ganze Parlament, Horden von Polizisten und Gendarmen, Straßensperren. Als fände eine filmische Rekonstruktion der Ereignisse von vor 10 Jahren statt... Wer sind die 'gefährlichen Elemente', gegen die man sich da wappnet? Die Lehrer. Ihre Forderung nach Verdoppelung der 150-Euro-Löhne haben die Regierenden als gefährlich für die Inflation erklärt... In Zeiten, in denen man weltweit in Wissen investiert, legt der bulgarische Staat gegenüber Lehrern ein seltsam distanziertes Verhältnis an den Tag."

Dnevnik - Bulgarien | 05.10.2007

Lehrerstreiks in Bulgarien

Bei dem seit zehn Tagen andauernden Lehrerstreik in Bulgarien geht es nach Georgi Gospodinow um mehr als bessere Bezahlung und Bildungsreformen: "Der Lehrer befindet sich auf der dunklen Seite der bulgarischen Gesellschaft. Sein Auftritt auf der Straße, die Radikalisierung des Streiks ist ein Versuch, aus diesem Schattendasein herauszutreten... Denn es gibt, was die Lichtverhältnisse angeht, ein anderes, paralleles Bulgarien. Das sind Leute, die nie in den Zeitungen vorkommen, es sei denn, es geschieht ein Brand, eine Überschwemmung, ein Verbrechen. In diesem anderen Bulgarien arbeiten Schneiderinnen, Putzfrauen, Museumsmitarbeiter für minimale Löhne, ohne Rechte und mit falschen Versicherungspapieren... Die Forderung der Lehrer nach besserer Bezahlung ist ein Zeichen für den Wunsch nach Respekt."

Dnevnik - Bulgarien | 24.08.2007

Rassismus in Europa

Wie auch in Italien gibt es derzeit in Bulgarien eine Debatte über den Umgang mit der Roma-Minderheit. Vergangene Woche kam es in einem Randviertel von Sofia nach einem Überfall von Skinheads auf Roma zu einem Gewaltausbruch einer Gruppe von Roma gegen Bulgaren. Der bulgarische Schriftsteller Georgi Gospodinow schreibt: "Heute werden den Roma viele Stereotype zugeschrieben, sie haben einen schlechten Ruf. Auch wenn wir seit Jahrzehnten im gleichen Land leben, so haben wir auf die Roma immer herabgeschaut, ihr Platz war irgendwie immer nur in der Ecke... Stereotype berauben den anderen seiner Vergangenheit, entziehen ihm das Recht auf eine Biografie, auf seine Kinder, seine Mutter, seine Trauer, seine Zahnschmerzen und seine Kindheit... Man verprügelt leichter jemanden, der anders ist als man selbst, von dem man aber eigentlich nichts weiß."

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