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Galli, Carlo
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In der europäischen Presseschau wurden bisher 2 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.
Carlo Galli über den Niedergang der Soziologie
Nach dem Boom der 60er Jahre hat nun der unaufhaltsame Niedergang der Soziologie begonnen, schreibt Carlo Galli, Professor für politische Ideengeschichte an der Universität Bologna, in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica. Das liege sowohl am Ansatz der Disziplin als auch an ihrer Materie: "Die Ausdehnung der Soziologie trug den Keim des eigenen Niedergangs in sich. Durch ihren Anspruch, die soziale Wirklichkeit in ihrer gesamten Vielfalt zu erfassen, hat die Ausweitung ihres Spektrums zahlreiche soziologische Bereiche entstehen lassen, die jedoch - zumeist auf sich selbst bezogen und unfähig zum Dialog miteinander - in ihrer eigenen, oft äußerst begrenzten Zielsetzung untergegangen sind. Sie lassen sich nur noch schwer auf die gemeinsame Erkenntnistheorie zurückführen, auf jene 'dritte Kultur', die die Soziologie einmal sein wollte. … Hinzu kommt der ständige Wandel ihrer Materie, der Gesellschaft. … Deren Umwälzung desorientiert die Soziologie noch mehr als alle anderen Wissenschaften: Weil sie auf jede Veränderung eingehen will, ist sie dazu verdammt, den für unser Zeitalter des Übergangs charakteristischen Wandel von Strukturen und Mustern zu verfolgen, manchmal gar zu erleiden. Das soziale Ganze hat sich dabei so komplex gestaltet, dass es beinahe nicht zu fassen ist."
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Carlo Galli über die Ethik der Demokratie
Carlo Galli beschreibt in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica die Gratwanderung zwischen Politik und Moral in der modernen Demokratie: "Hat die europäische liberale Demokratie tatsächlich die tausend Jahre alte Frage des Verhältnisses von Moral und Politik gelöst, indem sie die Moral privatisiert und die Politik verrechtlicht hat? Nicht im Geringsten. ... Es ist in Wahrheit offensichtlich, dass die Liberaldemokratie, um lebendig zu sein, sowohl die totale Überlagerung von Politik und Moral wie auch ihre totale Trennung, sowohl den Moralismus als auch den Zynismus verneint, und eine Beziehung zwischen Moral und Politik fordern muss. Diese Beziehung besteht in der Form einer Analogie. Sie besteht in der Nähe oder zumindest nicht in der totalen Gegensätzlichkeit zwischen der Art, mit der ein Politiker diejenigen, die ihm nahe stehen, behandelt (seine Moral) und der Weise, in der er die Bürger regiert und ihnen gegenüber verantwortlich ist (seine Politik). Die Legitimation der Regierungskraft besteht also nicht nur im Wahlsieg, sondern darin, bei jeder Gelegenheit und in jedem Moment das - sowohl politisch wie auch moralisch - letzte Ziel der Demokratie zu respektieren, den demokratischen Ethos: die Freiheit des Einzelnen, die Würde der Bürger, die Menschlichkeit der Personen."
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