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Reynebeau, Marc


In der europäischen Presseschau wurden bisher 4 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.


De Standaard - Belgien | 07.04.2010

Marc Reynebeau über das zweifellose Einheitsdenken

Muslime sollen sich von Extremisten distanzieren und die katholische Kirche vom sexuellen Missbrauch von Priestern. Die neue Mode, sich von Untaten der eigenen Gruppe distanzieren zu müssen, bringt Ängste ans Licht, schreibt Marc Reynebeau in der Tageszeitung De Standaard: "Die Forderung, dass andere sich distanzieren, ist vor allem symbolisch. Es ändert nichts und macht nichts ungeschehen. Aber es ist eine Form der angewandten Moral. Es schreibt vor, welche Meinungen, Aussprachen und Verhaltensweisen genehm sind und welche nicht. Es schafft so ein Einheitsdenken, indem es die politische Korrektheit des Moments festlegt. ... Aber [diese Forderung] bringt vage Verallgemeinerungen und unbestimmte Ängste ans Licht. Wir fordern das, weil wir fürchten, dass alle Ausländer radikale Muslime sind, dass alle französischsprachigen Politiker Flamen hassen, dass alle Flamen insgeheim Faschisten sind oder alle Priester Pädophile. Aber selbst wenn wir fordern, dass andere ihre Unschuld beweisen, indem sie sich distanzieren, werden und wollen wir ihnen niemals glauben. Denn wir wollen nicht zweifeln."

De Standaard - Belgien | 25.08.2009

Ungeduld des flämischen Radikalismus

Der flämisch-nationalistische Publizist Frans Crols hat sich bei einer Versammlung der flämischen Radikalen dafür ausgesprochen, im Falle einer Unabhängigkeit Flanderns auf Brüssel zu verzichten. Das sei deutlich, aber zu einfach, schreibt die linksliberale Tageszeitung De Standaard: "Die Konfrontationsstrategie kennzeichnet schon seit Jahren die flämische politische Kultur. Radikale können nur noch die Teilung Belgiens als Zukunftsperspektive akzeptieren, und dem muss alles untergeordnet werden. Wenn Brüssel ein Hindernis ist, dann muss eben Brüssel dran glauben. Und die Stadt ist tatsächlich ein Hindernis für das Dogma des Separatismus, weil bisher kein einziger Teilungsplan eine annehmbare Lösung für Brüssel ausgearbeitet hat. Die gibt es wohl auch nicht. Brüssel ist das Herz ... der flämischen Wirtschaft, und außerdem ist die Stadt ökonomisch, sozial und städtebaulich intensiv mit Flandern verwoben. ... Das selbst der angenehme Frans Crols jetzt das Dogma, Brüssel nicht 'loszulassen', aufgibt, zeigt die Ungeduld, die jetzt im flämischen Radikalismus herrscht."

De Standaard - Belgien | 20.05.2009

Politiker sind auch nur Menschen

Beim Spesenskandal, in den britische Unterhaus-Abgeordnete verwickelt sind, gehe es um das alte Thema Macht und Geld, meint die Tageszeitung De Standaard: "Wenn ihr Vorsitzender abtritt, dann nicht deshalb, weil mit diesen Praktiken ein Gesetz übertreten wurde, sondern weil diese in einer Zeit von Demokratisierung, Distanz zum Bürger und Krise nicht mehr so anständig scheinen. Eine politische Klasse verwaltet sich selbst, und die britischen Politiker haben dabei offensichtlich sehr großzügige Maßstäbe angelegt. Der Umfang ihrer Lohntüte lässt vermuten, dass sie sicherlich nicht unter einem Minderwertigkeitskomplex litten, als sie ihr Selbstbild in Geld ausdrückten. Es ist wohl eine menschliche Eigenart: Wer Geld verteilen kann, der zögert nicht, es sich selbst zuzuschieben. Und je weniger Menschen zuschauen, desto mehr Freiheiten können sich die Betroffenen nehmen, zum Beispiel, wenn sie die Gelegenheit haben, selbst den Umfang ihres Einkommens zu bestimmen. ... Und wie gesagt, Politiker sind auch nur Menschen. Das und nicht die Entscheidung für die Politik lässt sie manchmal aus der Bahn fliegen."

De Standaard - Belgien | 01.10.2008

Vergangenheit als Grabbelkiste

Der rechte belgische Politiker Bart De Wever hat für Empörung gesorgt, nach dem er die derzeitige Annäherung zwischen Flamen und Wallonen zur Beilegung der politischen Krise Belgiens mit der Appeasement-Politik von Grossbritannien 1938 und die Regierung Leterme mit dem Vichy-Regime verglich, das in Frankreich mit den Nazis kollaborierte. Dazu schreibt die Tageszeitung De Standaard: "Historische Vergleiche sagen vor allem etwas über den aus, der sie anstellt. Die Vergangenheit wird zur Grabbelkiste, aus der jeder das ihm passende Argument holen kann, doch das historisch nicht unbedingt angemessen ist. ... Der Vergleich mit Vichy fällt vor allem durch das sehr negative Feindbild auf. De Wever suggeriert damit, dass er die Französischsprachigen für genauso verderblich, unzuverlässig, unmoralisch und unrechtmässig hält wie die Nazis. ... 'München 1938' und die Appeasement-Politik von damals gelten noch immer als Symbole von politischer Naivität und Feigheit. Sie tauchen regelmässig als historisches Argument auf. ... Aber auch das ist eine einseitige und unvollständige Interpretation der Geschichte, die nicht auf einer tiefen Einsicht in die Vergangenheit beruht, sondern den Opportunismus der Gegenwart zeigt."

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