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Ryklin, Michail
In der europäischen Presseschau wurden bisher 2 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.
Michail Ryklin über das System Putin
In der vierteljährlich erscheinenden intellektuellen Zeitschrift Magyar Lettre Internationale reflektiert der russische Schriftsteller und Philosoph Michail Ryklin über das System Putin und dessen Schwächen: "Das unter [dem ehemaligen russischen Präsidenten Wladimir] Putin errichtete System ist nicht krisensicher. ... Die Gewinne aus ihrem Export [von Rohstoffen] waren hoch genug, damit Russland seine Staatsschulden bedienen, die Zahl seiner Milliardäre alle zwei bis drei Jahre verdoppeln ... und den Wohlstand der meisten Bürger in bescheidenem Maße mehren konnte. Dies war der Grund für Putins Beliebtheit. Unter den neuen Bedingungen wird dieses System nicht mehr funktionieren. ... Während der zweiten Amtszeit Putins hat eine repressive Entpolitisierung der Gesellschaft stattgefunden. Mit jeder weiteren Stufe der Entpolitisierung und der Ausrottung des schwachen Pflänzchens der Demokratie wuchs der Wohlstand (für manche ein bisschen, für andere etwas mehr, für wieder andere exorbitant). Unter dem Etikett 'Machtvertikale' wurde ein paternalistisches Gesellschaftsmodell geschaffen: Die Staatsmacht übernahm die Fürsorge für ihre passiven und unmündigen Untertanen und verlangte im Gegenzug bedingungsloses Vertrauen und Unterwerfung. ... Vor diesem Hintergrund glaube ich, dass die nationalistischen Kräfte sich konsolidieren und ihren politischen Einfluss ausbauen werden."
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Schweres sozialistisches Erbe
Der Kaukasuskrise lässt sich auch auf den übertriebenen georgischen Nationalismus zurückführen, schreibt der russische Philosoph Michail Ryklin in der Wochenzeitung Die Zeit. In anderen postsowjetischen Staaten seien nationalistische Strömungen ebenfalls ein Problem. "Ganz entgegen den Träumen der Nationalisten wurde Georgien nach dem Zerfall der Sowjetunion bitterarm. ... Aus dem bloßen Besitz oder Nichtbesitz von Gegenständen sollte man [allerdings] keine weitreichenden moralischen Schlussfolgerungen ziehen. ... Und überhaupt: Wer sind diese 'Russen' und 'Georgier' eigentlich? Vor allem sind sie alle postsowjetische Menschen, denen es nur so scheint, als seien sie nach dem großen Terror in ihre nationalen Nischen zurückgekehrt - ganz so, als hätte der Terror bei ihnen keine tiefen Wunden hinterlassen, die noch jahrzehntelang nicht ausheilen werden, als würden sie am Körper ihrer Nation keine Phantomschmerzen aus der Sowjetzeit spüren. ... Der Unwille, sich mit der eigenen Geschichte auseinander zusetzen, beschert dem postsowjetischen Raum Kriege und ethnische Konflikte. Unabhängig von der jeweiligen Rhetorik blüht der Nationalismus, wobei auch die demokratische Rhetorik keine Ausnahme bildet. ... Eine Rückkehr nach Europa ist nur durch die Auseinandersetzung mit der jüngsten totalitären Geschichte möglich, mit jenen Mechanismen, die Russen, Ukrainer, Weißrussen, Kirgisen und Georgier gleichermaßen unterjocht haben. Erst wenn diese Arbeit getan ist, werden unsere Vorstellungen von Europa komplexer, differenzierter und - was das Wichtigste ist - realistischer."
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