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Andruchowytsch, Juri


In der europäischen Presseschau wurden bisher 4 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.


Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | 05.03.2007

Juri Andruchowytsch über das kalte Österreich

Der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch hat mit Ulrich M. Schmid und Andreas Breitenstein über die Ukraine, ukrainische Literatur und sein Verhältnis zu Deutschland, der Schweiz und Österreich gesprochen: "Ursprünglich wurde Österreich von mir idealisiert, heute bin ich von Österreich tief enttäuscht. Anfang der neunziger Jahre lernte ich den k. u. k. Mythos [die österreichisch-ungarische Monarchie vor 1918] kennen. Die mitteleuropäische Idee war ganz neu für mich... Heute grenzt sich Österreich scharf von der habsburgischen Tradition ab. Niemand versteht mich, wenn ich in Österreich über dieses Thema spreche. Die Leute sagen: Das ist uninteressant und veraltet. Österreich ist ein kaltes Land, von dem ich viel geträumt habe und in dem ich kein Verständnis gefunden habe. Für diese Gleichgültigkeit habe ich mich literarisch gerächt: Möglicherweise habe ich deshalb in meinen Romanen die österreichischen Protagonisten umkommen lassen und damit gewissermassen den Österreicher in mir umgebracht."

Gazeta Wyborcza - Polen | 09.12.2006

Juri Andruchowytsch über das subjektive Europa

Der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch hat Ende November bei einer Konferenz in Kiew eine Rede über die Grenzen Europas gehalten, die die Zeitung druckt. "Auch im räumlichen Sinne ist Europa ziemlich ungewöhnlich. Schon wenn es um seine westlichen Grenzen geht, ist es schwierig, und erst recht bei den östlichen. Hier gab es in letzter Zeit viele widersprüchliche Definitionen... Wo um Himmelswillen liegen die fraglichen östlichen Grenzen Europas?... Um das irgendwie zu beantworten, könnte man davon ausgehen, dass Europa überall dort ist, wo die Einheimischen meinen, dass sie zu Europa gehören. Oder - ich gehe noch weiter - wo sie sich für Europäer halten. Also ist Europa ein ganz subjektiver Begriff. Ein Chinese in China oder Singapur wird sich nie für einen Europäer halten, ebensowenig ein Araber, ein Inder, ein Mongole oder ein Iraner. Ein Einwohner von Aserbaidschan möglicherweise hingegen schon und ein Armenier ziemlich sicher."

La Vanguardia - Spanien | 18.10.2006

Die europäische Neigung ukrainischer Schrifsteller

Zum Auftakt des internationalen Literaturfestivals Kosmopolis in Barcelona erklärt der ukrainische Schriftsteller Jury Andruchowytsch in einem Interview mit Xavi Ayén, er sei wie alle Intellektuellen seines Landes "verrückt nach Europa. Meine literarischen Bezugsgrößen sind europäisch. Paul Celan ist in Czernowitz geboren, eine Stadt, die damals rumänisch war und dann ukrainisch geworden ist. Hier gibt es mehrere Städte, die im Laufe der Jahre den Staat oder den Namen gewechselt haben. Für uns ist es dramatisch, dass ein Autor wie Samuel Huntington eine kategorische Grenze zwischen Ost und West gezogen hat. Ihm zufolge sind wir eine Grenzzone zwischen Europa und Nicht-Europa. Eine Art Vorhölle zwischen zwei Welten."

Süddeutsche Zeitung - Deutschland | 16.03.2006

Juri Andruchowytschs EU-Kritik

Am 15. März hat der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse den Leipziger Buchpreis erhalten und in einer aufsehenerregenden Rede EU-Kommissar Günter Verheugen angegriffen, der die Ukraine nicht in der EU sehen will. Die Zeitung dokumentiert die Rede in Auszügen: "Die Europäische Verständigung hat nicht stattgefunden", konstatiert Andruchowytsch bitter und appelliert an die Länder der EU: "Ihre Hilfe für dieses verfluchte Land, in dessen Sprache ich schreibe und mich erkläre, ist für mich lebensnotwendig. Und es wäre gar nicht so fantastisch schwer, diese Hilfe zu leisten. Sie bestünde lediglich in einem: nichts formulieren, was die Hoffnung tötet."

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