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Bisky, Jens


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In der europäischen Presseschau wurden bisher 4 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.


Süddeutsche Zeitung - Deutschland | 02.07.2009

Love Parade war West-Berlins Beitrag zur Weltkultur

Zum Erfolg der Technoparade Love Parade, die von 1989 bis 2006 in Berlin stattfand, schreibt die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Der Siegeszug der Parade begann nicht zufällig auf dem Kurfürstendamm, also dort, wo der alte Westen am westlichsten war. Und weit davon entfernt, irgend etwas vorwegzunehmen, richtete sich die Technokultur grundsätzlich gegen Vorwegnahmen. Aber auch dieser Ausdruck ist schief, unterstellt er doch eine Richtung, während es um die Zeitlosigkeit des Rausches, das Glücksgefühl der Wiederholung, des In-Sich-Seins, der Konzentration auf den Augenblick und den Körper ging. ... [Beim Rave] wurde alles Gegenwart, Augenblick ohne Vergangenheit und Zukunft und endlos, ohne Ausdehnung, ewige Schleife. Das passt zur Atmosphäre der Teilstadt West-Berlin, zur Stille im Auge des Orkans. Die Kultur der Love Parade verbindet technologische Avanciertheit mit Desinteresse an Fortschritt, die Freude an der Masse mit Gleichgültigkeit gegenüber deren möglicher Macht. Es geht um die kunstfertige Herstellung einer urbanen Idylle, eine Kulturtechnik, zu deren Erprobung das alte West-Berlin die besten Voraussetzungen bot."

Süddeutsche Zeitung - Deutschland | 29.05.2009

Jens Bisky über die heranwachsende europäische Öffentlichkeit

Die europäische Öffentlichkeit wächst heran - entgegen allen Behauptungen, schreibt Jens Bisky in der links-liberalen Süddeutschen Zeitung: "In den Medien der nationalen Öffentlichkeit aber sind europäische Themen - Fragen des Zusammenlebens und Neuigkeiten aus den anderen Mitgliedsstaaten - in einer nie dagewesenen Fülle präsent. Der deutsche Europäer kann sich unter perlentaucher.de oder eurotopics.net über Diskussionen in Ländern informieren, deren Sprache er nicht spricht. Man mag sich mehr davon wünschen, die Internetauftritte der EU-Institutionen könnten eine gründliche Überarbeitung - mehr Frische, mehr Foren statt Belehrung - gut vertragen. Dennoch ist das Angebot an Informationen schon heute so groß, dass man selbst bei bestem Willen nicht alles zur Kenntnis nehmen kann. Die Klage über das Fehlen einer europäischen Öffentlichkeit und das angebliche Desinteresse an Europa kaschiert vor allem die Schwächen und Halbheiten der politischen Akteure. Viel zu selten sprechen sie wirklich europäische Themen an: etwa die immer noch eingeschränkte Freizügigkeit für viele Osteuropäer, die bürokratischen Schikanen, bis eine Aufenthalts- oder gar Arbeitserlaubnis erteilt wird oder die Rechte der Arbeitsmigranten."

Süddeutsche Zeitung - Deutschland | 20.02.2007

Jens Bisky über den Abgrund hinter dem traditionellen Familienbild

Nachdem CDU-Familienministerin Ursula von der Leyen einen Ausbau der Krippenplätze für Kleinkinder gefordert hat, um vor allem den Frauen eine schnellere Rückkehr in den Beruf zu ermöglichen, beklagen konservative Politiker, ihre Partei gebe das "traditionelle Familienbild" auf. Jens Bisky hält dieses Bild für ein Ideal, das es - zumindest in der europäischen Literatur - niemals gegeben hat: "Die traditionelle Familie ist, neben dem Trojanischen Krieg, eines der ergiebigsten literarischen Schlachtfelder. Von den empfindsamen Romanen Samuel Richardsons... bis hin zu August Strindbergs Dramen bringt die intime Gefühlsgemeinschaft zwischen Eltern und Kindern Tod, Wahnsinn und Verzweiflung im Übermaß hervor: Menschenopfer unerhört... Auch Erscheinungen, die wir unter dem Stichwort 'Patchwork-Familie' verbuchen, sind nicht so neu, wie man uns einreden will: In Rousseaus 'Neuer Heloise' wird das Zusammenleben zu dritt ebenso erprobt wie in Goethes 'Stella'... Wer sich heute auf die 'traditionelle Familie' beruft, beruft sich auf Glück und Katastrophen, beschwört verkommene Söhne, missratene Töchter, hysterische Mütter und tyrannische Väter. Er beruft sich auf ein Konfliktfeld, auf eine der produktivsten sozialen Institutionen überhaupt."

Süddeutsche Zeitung - Deutschland | 01.09.2006

Jens Bisky über die Skandalisierung der Vergangenheit

Jens Bisky nimmt die deutschen Debatten über den Umgang mit der Nazi-Vergangenheit - darunter auch die über Günter Grass - zum Anlass, über die Folgenlosigkeit von Skandalen zu schreiben. Für Bisky "scheinen die Zeiten vorbei, in denen die aufgeregten Diskussionen über den angemessenen Umgang mit der Vergangenheit noch Einsichten versprachen... Die vorherrschende Form des Skandals ist ohnehin wenig erkenntnisfreundlich. Sie dient der Logik des Verdachts, dass hinter dem Sichtbaren Ungeheures sich verberge oder vorbereite. Es ist die Funktion des Skandals, Normen zu bestätigen, Mehrheitsmeinungen durchzusetzen, Abweichungen zu unterdrücken. Das erklärt den oft freiheitsfeindlich anmutenden Ton in den Debatten, die nahezu reflexhaft aufkommenden Forderungen nach Rücktritt, Ausschluss, Ächtung, die zum Bild einer offenen Gesellschaft so schlecht passen wollen. Wenn es um Zeitgeschichte geht, um die jüngste Vergangenheit, wird bereitwillig vergessen, dass Wahrheit ohne die Freiheit zum Irrtum, ohne Vielzahl der Perspektiven und ohne den Streit gegensätzlicher Positionen nicht zu haben ist."

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