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Bucheli, Roman
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In der europäischen Presseschau wurden bisher 3 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.
Literaturkritik in Europa
Literaturkritiker aus verschiedenen europäischen Ländern haben sich letzte Woche in München getroffen, um über den Zustand ihrer Zunft nachzudenken. Dieser sei in den Ländern höchst unterschiedlich, berichtet Roman Bucheli. Die osteuropäischen Kritiker verstanden etwa die Klagen der westeuropäischen Kollegen nicht - diese hätten doch geradezu paradiesische Arbeitsbedingungen. "Betretene Gesichter dagegen sah man zumal unter den westeuropäischen Kritikern, als Jan Icha aus Tschechien, Jurko Prochasko aus der Ukraine oder István Margócsy aus Ungarn mit unüberbietbarem Sarkasmus die Verhältnisse in ihren Ländern schilderten. Zwar habe man nach dem Untergang des kommunistischen Imperiums eine kurze Blütezeit erlebt; aus dem Untergrund des Samisdat und aus dem Exil sei den Ländern eine kritische Intelligenz zugewachsen. Deren Organe seien freilich in den vergangenen Jahren durch die ökonomischen Umwälzungen alsbald weggefegt worden. Heute sei die Literaturkritik, wo es sie denn überhaupt noch gebe, vollkommen bedeutungslos geworden."
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Roman Bucheli über die deutsche Bekenntnissucht
Roman Bucheli beobachtet, dass sich deutsche Intellektuelle in letzter Zeit verstärkt zu Versäumnissen oder Fehlverhalten in ihrer Vergangenheit bekennen. Manche scheinen sich "mit ihren Bekenntnissen übertrumpfen zu wollen. Vor Jahresfrist erleichterte Günter Grass öffentlich sein Gewissen mit dem Geständnis, er sei Mitglied der Waffen-SS gewesen. Jetzt, fast auf den Tag genau ein Jahr später, wirft sich der Publizist Fritz J. Raddatz in der jüngsten Ausgabe der Wochenzeitung 'Die Zeit' in die Pose der Selbstanklage ... Zwar schreibt nun Raddatz gleich mehrmals, er wolle von sich erzählen, es gehe um ihn und nicht die anderen, und er schreibt das Wort ICH gar in Versalien, um zu verdeutlichen, was er meint. Und redet dann doch nur immer wieder von den anderen [DDR-Intellktuellen], die aus Angst oder einschlägiger Erfahrung geschwiegen haben: Anna Seghers, Helene Weigel, Erich Arendt, Alfred Kantorowicz... So sehen wir hier, was wir vor Jahresfrist schon bei Grass zu beobachten glaubten: Der Finger, mit dem bekenntnishaft auf sich selbst gezeigt werden soll, geht haarscharf an der eigenen Person vorbei und richtet sich auf andere. Denn die neue Bekenntnislust hat dann doch ihre Grenzen."
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Günter Grass war in der Waffen-SS
Für Roman Bucheli hat sich Günter Grass mit seinem Bekenntnis selbst demontiert. Dabei verübelt er ihm nicht nur, dass er "in der Pose des selbstgewissen und von Eitelkeit nicht freien Moralisten" versuche, "aus seinem Schuldgeständnis ein ästhetisch-ethisches Kapital zu schlagen". Geradezu infam findet er, wie herablassend Grass in dem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung heute noch über die Adenauerzeit spricht – und über den jüdischen Dichter Paul Celan: "Grass lebte in den späten fünfziger Jahren vier Jahre in Paris und war damals mit Paul Celan befreundet. Über ihn lesen wir nun: 'Meistens war er ganz in die eigene Arbeit vertieft und im Übrigen von seinen realen und auch übersteigerten Ängsten gefangen.' Keinen Gedanken scheint Grass darauf verschwenden zu wollen, dass Celans 'übersteigerte Ängste' gerade in solchen gespenstischen Leerstellen des Schweigens, wie sie nun Grass einräumt, ihren Grund gehabt haben könnten. Nicht auszudenken, wenn Celan erfahren hätte, dass sein Freund Mitglied der Waffen-SS gewesen war."
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