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Davies, Norman
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In der europäischen Presseschau wurden bisher 4 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.
Arbeitete Lech Wałęsa für den Geheimdienst?
Zwei Historiker des staatlichen Institut des Nationalen Gedenkens (IPN) beschuldigen den ehemaligen Freiheitskämpfer und Staatspräsidenten Lech Wałęsa der Zusammenarbeit mit dem kommunistischen Geheimdienst. Der britische Historiker und Polenexperte Norman Davies verteidigt Wałęsa in einem Gastkommentar: "Diejenigen, die heute wieder den guten Namen von Lech Wałęsa angreifen, wissen wohl nicht, wie sie auf diese Weise dem Ruf Polens im Ausland schaden. Vor allem die Menschen im Westen sind sich im Allgemeinen der verschiedenen Nuancen der polnischen Politik nicht bewusst. Deswegen bin ich der Meinung, dass Attacken auf Lech Walesa ein zutiefst unpatriotisches Vorgehen sind. ... Soviel ich weiß, hat Wałęsa selbst in seiner Autobiographie Momente der Schwäche gestanden. Und jeder, der sich an diese Zeiten erinnern kann, weiß, dass niemand - selbst Wałęsa nicht - zu 100 Prozent sauber ist. Denn im damaligen System unterlag jeder irgendwelchen Einschränkungen und war immer wieder einmal schutzlos gegenüber dem totalitären Staat. Jemanden anzugreifen, weil er Momente der Schwäche hatte in solch einem System, ist sehr ungerecht."
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Norman Davies über den Gottesbezug in der EU-Verfassung
Die polnische Regierung wünscht sich in der Präambel der EU-Verfassung eine Bezugnahme auf das Christentum. Der britische Historiker und Polenexperte Norman Davies lehnt diese Idee im Gespräch mit Katarzyna Janowska und Piotr Mucharski ab. "Von einem christlichen Europa zu sprechen, ist ein Stereotyp. Was heißt: christlich? Ich vermute, dass die Polen dabei die lateinische Zivilisation meinen. Ich habe den Eindruck, dass man in Polen manchmal vergisst, dass die orthodoxe Kirche auch christlich ist. Ist Griechenland ein Teil Europas? Und ist es katholisch?... Außerdem hatte die christliche Religion nie ein Monopol und hat auch heute noch keines. Der Islam ist auf dem europäischen Kontinent seit dem achten Jahrhundert ununterbrochen präsent. Es gibt europäische Länder, die vorwiegend muslimisch sind. Juden gibt es in diesem Topf seit 2000 Jahren. Man muss also über die europäischen Wurzeln etwas subtiler denken."
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Mehr aus der Presseschau zu den Themen » EU-Verfassung, » Religion, » Geschichte, » Weltanschauung, » Polen, » Europa
Alle verfügbaren Texte von » Katarzyna Janowska, » Piotr Mucharski
Norman Davis über Stalins Kriegsverbrechen
70 Familien haben Russland vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen des sowjetischen Massenmordes an polnischen Offizieren und Zivilisten in Katyn während des Zweiten Weltkrieges verklagt. In einem Gastkommentar wirft der britische Historiker Norman Davies besonders dem Westen vor, er habe die vom sowjetischen Diktator Josef Stalin angeordneten Kriegsverbrechen in Osteuropa vergessen. "Die Welt will sich nicht erinnern und zur Kenntnis nehmen, dass im Krieg nicht nur die Nazis unerhörte kriminelle Verbrechen begangen haben, sondern auch die Sowjets. Diese Haltung verdanken wir vor allem Politikern aus Großbritannien und den USA. Ihre Länder haben nicht gegen die Sowjetunion gekämpft, Stalin war ihr Verbündeter. Der Westen versteht immer noch nicht, was damals passiert ist."
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Norman Davies über Nationalstolz
Polen haben einen vergleichsweise schwach ausgeprägten Nationalstolz. Das ist das Ergebnis einer Studie des US-Instituts NORC. Von 33 untersuchten Ländern belegt Polen gemeinsam mit der Slowakei nur Platz 28. Im Interview mit Piotr Semka erklärt der britische Historiker und Polenexperte Norman Davies das mit der langen Fremdherrschaft. "Es ist natürlich, dass Völker, die mehr als ein halbes Jahrhundert die Kontrolle über ihr Schicksal und den Einfluss auf die eigene Position in der Welt verloren hatten - und das war der Fall bei Staaten, die von den Sowjets dominiert wurden - keine stabile Selbsteinschätzung haben. Stark in der Geschichte 'verankerte' Nationen, wie etwa Franzosen oder Briten, haben ein Selbstbild, das es ihnen erlaubt, sie sich selbst ohne Komplexe und kritisch zu betrachten. Die Polen hingegen sind sich selbst gegenüber entweder zu kritisch oder sie betonen übertrieben den eigenen Beitrag zur Weltgeschichte."
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