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Debray, Régis


In der europäischen Presseschau wurden bisher 3 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.


La Croix - Frankreich | 18.02.2008

Régis Debray fürchtet Konkurrenz des Gedenkens

Der französische Philosoph Régis Debray reagiert im Interview mit Jean-Marie Guesnois auf den jüngsten Vorschlag von Nicolas Sarkozy, jedem Grundschulkind die Erinnerung an ein deportiertes jüdisches Kind anzuvertrauen. "Es gibt eine Pflicht zur Erinnerung. Doch Missbrauch ist kontraproduktiv, und hier handelt es sich um Missbrauch des Gedenkens. Man gibt den Gefühlen Vorrang, obwohl Schule weder auf Emotionen noch auf Mitleid und noch viel weniger auf das Morbide abzielt... Es besteht das Risiko der Eskalation, des Überangebots, der Konkurrenz von Erinnerungen. Dies könnte dazu führen, dass man in den Banlieues fordert, ein palästinensisches Opfer Israels zu adoptieren. Und dann gibt es noch die Zigeuner, die Armenier und vor allem natürlich die Schwarzen... Ich fürchte, dass diese Initiative nicht einigen, sondern spalten wird - nach Gemeinschaften und Religionen."

Le Soir - Belgien | 26.09.2007

Régis Debray über die zentrifugalen Kräfte Europas

Der französische Philosoph Régis Debray spricht im Interview mit William Bourton und Baudouin Loss über den belgischen Separatismus, der seiner Auffassung nach zeigt, vor welchen Herausforderungen Europa steht. "Grundsätzlich begünstigt der europäische Integrationsprozess die Regionalisierung und fördert sogar das Wiedererstarken des Separatismus. In diesem Sinne kann man Europa ebenso als teilenden wie als einigenden Faktor bezeichnen... Die Gründer Europas haben Europa als zentripetale Einheit begriffen. Nun stellt sich heraus, dass es zentrifugal ist, wobei die Extreme an Macht gewinnen. Am Ende werden wir wieder ein Europa der Regionen haben, als befänden wir uns im 16. Jahrhundert. Geschichte vollzieht sich nicht kreisförmig, sondern schreitet spiralförmig voran: Sie stößt immer wieder an die gleichen Punkte... Eins ist sicher: Ein atomisiertes Europa ist der stärkeren fremden Macht [den USA] unterlegen."

Le Soir - Belgien | 02.01.2007

Régis Debray über das Erbe der Aufklärung

In seinem Werk 'Blendende Aufklärung' ('Aveuglantes Lumières') geht der französische Philosoph Régis Debray mit einigen Begriffen, die für das europäische Denken im 18. Jahrhundert grundlegend waren, hart ins Gericht. Im Gespräch mit William Bourton erklärt er, warum "Europa ein Traum ist, der sich langsam in Luft auflöst... Offenkundig hat Europas Begeisterungsfähigkeit ihren Tiefpunkt erreicht. Gleiches gilt für Europas Fähigkeit, auf wirtschaftliche und politische Dinge Einfluss zu nehmen. Ist dieser rationalistische und technokratische Traum nicht ein Kind der Aufklärung? Diese Frage kann man durchaus stellen. Die Vorstellung, dass die Vernunft die Fähigkeit zur Einheit ist, dass wirtschaftliche und technische Vernunft die nationalen Kulturen zunichte machen wird, dass 'die Wirtschaft sauber, die Politik aber schmutzig ist', dass es zwischen den Nationen keine unüberwindbaren Konflikte gibt, dass man zu einer gemeinsamen Sprache finden kann... All diese Postulate ignorieren die historische Tatsache, dass sich Identität immer 'gegen' etwas bildet. Man setzt sich, indem man sich widersetzt. Was für Individuen gilt, gilt ebenso für Nationen und sogar für Staatenbunde."

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