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Ditchev, Ivaylo
Dr. phil., geb. 1955; Präsident des Red House Centre for Culture and Debate, Sofia, und Professor für Kulturanthropologie an der St. Kliment Ohridsky Universität Sofia. 15 Tsar Osvoboditel Blvd., 1504 Sofia/Bulgarien
Der Autor/ die Autorin hat bisher 2 Artikel auf euro|topics veröffentlicht.
1. Analyse | 27.08.2007
Flüchtige Staatsbürgerschaft. Utopie der Freiheit oder Realität der Unterwerfung?
Etwa zwei Millionen der insgesamt sieben Millionen Einwohner Bulgariens sind ständig unterwegs – weil sie im Ausland arbeiten, zurückkommen oder wieder ausreisen. Die Tendenz zur Überwindung aller sozio-politischen Grenzen offenbart sich am deutlichsten im Internet und seinem utopischen Horizont absoluter Mobilität. Aber ist der Preis für diese Utopie der Verlust des Gemeinsinns? » mehr
2. Essay | 12.02.2007
Die geheimen Freuden des Provinzialismus
Die politische Kultur Bulgariens lässt sich mit einer Metapher beschreiben: der Provinz – meint der Autor. Ein Land zwischen Bewunderung für Europa und antieuropäischen Ressentiments. » mehr
In der europäischen Presseschau wurden bisher 5 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.
Iwajlo Ditschew über Bulgariens verlorene Generation
Die heute 20- bis 30-jährigen Bulgaren sind eine verlorene Generation, meint der Kulturanthropologe Iwajlo Ditschew im Wirtschaftsmagazin Manager: "Die Generation der in den 1980er Jahren geborenen, deren bewusstes Sozialleben in den Jahren der Transformation begann, hatten scheinbar nichts, was sie von ihren Eltern lernen können. Der Kommunismus war plötzlich gescheitert, jedes Plus wurde zum Minus und die alten Erfolgsstrategien führten zum sicheren Scheitern. Die Eltern selbst verschwiegen ihren Kindern ihre persönliche Vergangenheit, ihre Überzeugungen, ihre Fehler. Sie rieten ihnen, nicht die Dummheiten der Elterngeneration zu wiederholen. ... So sahen die jungen Menschen mehr und mehr aus wie Siedler auf einem neuen Kontinent, die voneinander lernen und denen die Älteren kaum etwas weitergeben können. Eine Bekannte verglich diese Generation einmal mit der 'verlorenen' von Hemingway und Fitzgerald aus den 1920er Jahren. Sie sagte: 'Wir wurden geopfert im Namen der Transformation.'"
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Der Lehrerstreik entscheidet Bulgariens Zukunft
Seit drei Wochen streiken die bulgarischen Lehrer. Für Ivaylo Ditschev geht es dabei um grundsätzliche Fragen: "Von der Lösung dieses Konflikts hängt ab, ob wir ein Land der Kellner und Kammermädchen werden, das von einer starken Armee beschützt wird, ein Steuerparadies für europäisches Kapital verdächtigen Ursprungs - oder ein europäisches Land mit einer gebildeten Bevölkerung und einem gut entwickeltem öffentlichen Sektor. Das Dilemma liegt in dem Konflikt zwischen kurfristigem Nutzen (Senkung der Steuern, Sozialdumping) und langfristigen Investitionen in die Zukunft (Bildung, Ordnung, Infrastruktur)... Der Vorwurf, der Protest habe sich politisiert, zwingt zur Gegenfrage, was Politik anderes ist als der Streit darüber, wofür öffentliches Geld ausgegeben werden soll: für Steuergeschenke an die Reichen und Militärtechnik oder für Bildung."
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Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Bulgarien
Parteigründungen in Bulgarien
Der bulgarische Kulturwissenschaftler Ivaylo Ditchev berichtet vom neuen Trend unter den Geschäftsleuten in seiner Heimat, politische Parteien zu gründen, um Schmiergeld zu sparen: "Es ist schlicht billiger, eine eigene Partei zu gründen, als regulär die politischen Repräsentanten der Stadtverwaltungen zu 'sponsern'... Doch machen wir uns nichts vor: Die kommunalen Geschäftsleute werden aus seriösen Gründen gewählt. Zunächst einmal hasst die Provinz die Hauptstadt, wo die nationale Politik ihren Sitz hat. Weswegen der Boom der Business-Parteien auch eine Art Revolte der Peripherie gegen das Zentrum darstellt. Die wiederum spiegelt eine grundlegende nationale Krise wider: Bulgarien ist im Begriff, sich in feudale Königreiche aufzulösen, in denen die Trennung zwischen Politik und Geschäft obsolet ist."
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Bulgariens neue Populärkultur
Der Kulturwissenschaftler Iwajlo Ditschew fragt, in welcher Weise sich die bulgarische Populärkultur verändert hat: "Die neue Populärkultur wurde in den neunziger Jahren geboren,... als der Markt boomte. Der Markt verlangt Banalität, Sex und die Stilisierung von Folkloreelementen. Wer es noch nicht wissen sollte: Der betrunkene Bulgare singt zunächst mazedonische Lieder, um später serbische anzustimmen... Kaum ist die sozbürokratische Zensur weg, gibt er seinem Wunsch auch spontan nach, auf Märkten oder in Kaschemmen zu singen. Das gebildete Publikum reagiert in seiner Empörung mit Angst vor dem stufenweisen Verlust der eigenen sozialen Rolle. Das Ganze ist aber nicht mehr und nicht weniger als die umfassende Veränderung einer Welt, in der der politische Wille den kulturellen Prozess nicht mehr regiert."
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Ivaylo Ditchev über Lifestyle-Nationalismus in Bulgarien
Ivaylo Ditchev, Professor für Kulturanthropologie in Sofia, beschreibt den zunehmenden Nationalismus in Bulgarien, der eine weitere Schattierung der anti-europäischen Färbung Osteuropas darstellt. "Wir haben hier gegenwärtig den Nationalismus von rechts, der sich gegen Russland als vermeintlich noch immer irgendwie kommunistisches Land richtet, und wir haben den Nationalismus von links, der den Feind in den USA sieht. Zusätzlich findet sich eine fremdenfeindliche Variante, basierend auf dem Rassismus gegen die Roma, und die Kulturschaffenden spinnen weiter an ihren Geschichten über glorreiche Sagen der Thraker oder der protobulgarischen Khans. All diese Stränge laufen in einem allgemeinen Lifestyle-Nationalismus zusammen... Der Lifestyle-Nationalismus nun ist nicht moralischer, sondern ästhetischer Natur. Er basiert vor allem auf der eklektischen Aneignung von Repräsentationen und Emblemen. Mit Erich Fromm gesprochen: Man lebt ihn nicht, man hat ihn. Seine Popularität speist sich infolgedessen vorrangig aus dem geschickten Einschmuggeln des Nationalen in eine globale Konsumkultur."
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