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Kasparow, Garri


In der europäischen Presseschau wurden bisher 5 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.


Corriere della Sera - Italien | 16.12.2008

Europa schweigt zu Putins Diktatur

Die liberale italienische Tageszeitung Corriere della Sera veröffentlicht einen offenen Brief des ehemaligen Schachweltmeisters und russischen Oppositionsführers Garri Kasparow, der einer Anklageschrift Europas gleicht. "Am 2. März 2008 ist Dimitri Medwjedew zum Präsidenten Russlands gewählt worden. Es fällt schwer, gewählt nicht in Anführungszeichen zu setzten. In Russland sind Demokratie und Wahlen zwei Paar Schuhe. Am Tag darauf kam es noch schlimmer: Die führenden Politiker des Westens applaudierten dem betrügerischen Machtaufstieg. ... Wir von der Opposition hatten auf scharfe Kritik an der Rückkehr von Willkür und Gewaltherrschaft in Russland seitens der demokratischen freien Länder gehofft. ... Aber die freie Welt gab zu verstehen, dass Demokratie eine Fiktion ist, ein Deckmantel für Geschäfte. ... Der Höhepunkt der Immunität Putins war der Einmarsch der russischen Truppen in Georgien, kaum hatte Südossetien einen Vorwand geliefert. Putin brauchte die Reaktion des Westens nicht zu fürchten. Die wahre Katastrophe, die ihm das Blutvergießen erlaubte, ereignete sich am 3. März 2008, als die internationale Gemeinschaft die letzte Chance versäumte, Alarm über die Diktatur von Putin zu schlagen."

Die Welt - Deutschland | 07.11.2008

Garri Kasparow über Obamas Chancen in Russland

Garri Kasparow, der frühere Schachweltmeister und aktuelle Vorsitzende der Anderen Russischen Koalition, analysiert in der Tageszeitung Die Welt wie der neu gewählte US-Präsident Barack Obama die Kreml-Propaganda gegen die USA aufbrechen kann: "Sein Sieg bedeutet das Ende eines geläufigen Amerika-Bildes, das noch aus der Sowjetzeit herrührt. ... Unglücklicherweise reden viele in unserem Land lieber über den Rassismus in Amerika, anstatt Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im eigenen Land auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Doch das Einzige, was wirklich zählen wird, ist, ob Obama sich anders verhalten wird. Er wird wenig Zeit haben, sein 'window of opportunity' wird sich nur kurz öffnen. Denn die Krisen, denen wir uns ausgesetzt sehen, sind zu groß, als dass der neue amerikanische Präsident lange eine Gnadenfrist durchleben könnte. ... Ein guter Start wäre, würde er klarmachen, dass er die Menschen in Russland nicht als Feinde Amerikas sieht. Wie in den meisten autoritären Staaten vertritt auch Putin nicht die Mehrheit seiner Bürger. Die Kreml-Propaganda arbeitet hart daran, Amerika als Gegner zu präsentieren. Obama könnte diese verfahrene Position mit einem Schlag aufbrechen, wenn er sich gegen die diktatorischen Führer in Russland und dem Rest der Welt ausspräche, deutlicher noch als in seiner Rede nach dem Wahlsieg."

Der Tagesspiegel - Deutschland | 09.08.2007

Garri Kasparow über den Paten Putin

Dissident Garri Kasparow empfiehlt zum Verständnis des Putin-Regimes nicht die politologischen Klassiker, sondern Mario Puzo: "Wenn Sie es eilig haben, können Sie auch bei den DVDs nachsehen, da werden Sie Puzos Werke als Filme finden. Seine Trilogie 'Der Pate' ist ein guter Anfang", schreibt Kasparow in seinem Beitrag für The Wall Street Journal, den die Zeitung nachdruckt. "Historiker erkennen im heutigen Kreml Elemente von Mussolinis 'korporativem Staat', von lateinamerikanischen Juntas und Mexikos pseudodemokratischer Revolutionspartei PRI. Ein Puzo-Fan aber versteht die Putin-Regierung besser: die strenge Hierarchie, die Erpressungen und Einschüchterungen, die Codes der Geheimhaltung - und vor allem das Mandat, Erträge fließen zu lassen. In anderen Worten: Wir haben es mit einer Mafia zu tun. Wenn ein Mitglied des inneren Zirkels gegen den Paten rebelliert, ist sein Leben verwirkt."

Der Standard - Österreich | 19.04.2007

Die Furcht vor einem Zerfall Russlands

Warum versetzen ein paar tausend Demonstranten die russische Regierung in Panik und provozieren brutale Polizeiübergriffe wie am vergangenen Wochendende in Moskau? Russland-Korrespondent Eduard Steiner hat mit Garri Kasparow vom Oppositionsbündnis "Das andere Russland" darüber gesprochen: "Für unsere Verhältnisse sind einige Tausend ein Durchbruch im Bewusstsein, zumal sie viel riskieren. Die Staatsmacht hat Angst, dass plötzlich zehn Mal so viele Leute auf der Straße sind... Unsere Demonstranten weisen ein breites demografisches Spektrum auf. Die Leute haben Angst, dass das ganze Land auseinanderfällt, wenn sie auf die Straße gehen. Sie fürchten, dass es mit dem Verschwinden des korrupten Systems noch schlimmer wird und sich das Jahr 1991 wiederholt. Das ist ein psychologisches Trauma, das tief sitzt."

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | 23.03.2007

Garri Kasparow über multikulturelle Russen

Im Interview mit Reinhard Meier kommt der russische Oppositionelle und ehemalige Schachweltmeister Garri Kasparow darauf zu sprechen, wie sich russische Identität künftig konstituieren könnte: "Es läuft gegenwärtig eine große Debatte in Russland, was spezifisch russisch sein soll. Ich selbst betrachte mich als Russen. Die meisten Leute in Russland identifizieren mich wahrscheinlich als sowjetischen Schach-Champion und auch als jemanden, auf den der russische Staat stolz ist. Ich bin in Baku in der damaligen Sowjetrepublik Aserbeidschan geboren - ähnlich wie ein Brite in Indien oder ein Franzose in Algier, und dann zog ich nach Moskau, als das Imperium zusammenbrach. Ich glaube, dass sich auf längere Sicht eine Definition des Russischen durchsetzen wird, bei der es nicht primär um engere ethnische Zugehörigkeit geht, sondern darum, ob man sich allgemein mit Russland und seiner Kultur identifiziert - ähnlich wie in Amerika und seinem Schmelztiegel-Prinzip."

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