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Le Goff, Jacques


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In der europäischen Presseschau wurden bisher 2 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.


La Repubblica - Italien | 23.09.2010

Jacques Le Goff über die Fähigkeit Europas zur Integration

Mit Blick auf die Roma-Abschiebungen aus Frankreich ruft der französische Historiker Jacques Le Goff in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica zum Dialog auf und bezieht sich dabei auf die Wurzeln Europas: "Als Historiker glaube ich, dass die tausendjährige Geschichte Europas von der Vielfalt der Völker, der Vermischung der Kulturen und ihrer fortschreitenden Integration geprägt war. Europa ist aus der Verschmelzung der so genannten römischen, gallisch-römischen oder spanisch-römischen Völker ... mit den so genannten Barbaren entstanden, ein Wort, das heute aus dem Wortschatz der Historiker verbannt ist. Heute verachten wir zum Glück niemanden mehr, der nicht einer so genannten höheren Kultur angehört: Historiker und all diejenigen, die gesellschaftlichen Einfluss haben, sollten zeigen, dass das besondere Merkmal Europas seine Fähigkeit zur Integration unter Berücksichtigung der Andersartigkeit ist. Sicher, die Probleme der Integration von Ausländern, die sich heute in ganz Europa zeigen, hängen auch von der gestiegenen Zahl der Migranten der letzten Jahre ab. Aber wir sollten nicht vergessen, dass in der Spätantike und im Mittelalter die jeweiligen Zahlen der so genannten Barbaren - Kelten, Germanen und Slawen - die durch Europa zogen, weit höher waren."

Le Nouvel Observateur - Frankreich | 09.08.2007

Kein Recht auf Streik?

Das französische Parlament hat am 2. August beschlossen, dass es im öffentlichen Nah- und Fernverkehr eine Mindestversorgung geben muss, falls gestreikt wird. Das Streikrecht werde dadurch nicht angetastet, sagt der Jurist Jacques Le Goff im Interview mit Nathalie Funès. "Es handelt sich weniger um einen Bruch mit dem Alten als um eine Anpassung [des Gesetzes] an eine Gesellschaft, die friedlicher und komplexer geworden ist. Kein Recht kann heute absolut gesetzt werden... In Frankreich stand immer der Konflikt im Zentrum des gesellschaftlichen Bewusstseins. Streik ist ein anerkanntes Mittel, um seine Identität zum Ausdruck zu bringen, denn im Gleichgewicht der Kräfte haben die Gewerkschaften nicht von vornherein eine starke Position. In anderen Ländern brauchen die Gewerkschaften diese Art von Drohung nicht unbedingt. Es gibt also eine bizarre französische Eigenheit: Man lässt zunächst das Arbeiten sein, was als Faustschlag auf den Tisch verstanden wird, dann erst wird verhandelt. In Großbritannien oder Deutschland hingegen ist Streik die Folge, wenn die Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern nicht mehr weitergehen. Das neue Gesetz zielt darauf, dass Streiks angekündigt werden. Damit nähern wir uns dem Modell unserer Nachbarn."

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