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Obretenow, Ljuben
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In der europäischen Presseschau wurden bisher 4 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.
Bulgaren bleibt Türkei-Referendum erspart
Bulgarien wird kein Referendum über den EU-Beitritt der Türkei durchführen. Ein entsprechender Aufruf der außerparlamentarischen rechts-konservativen Partei VMRO-BND ist an der gesetzlichen Hürde von 500.000 Unterschriften gescheitert. Die Tageszeitung Sega ist erleichtert: "Der Türkei-Beitritt ist für uns aus historischen, demographischen und wirtschaftlichen Gründen eine delikate und problematische Frage. Die Gesellschaft hat aber offensichtlich begriffen, dass sie noch nicht aktuell ist und daran wird sich in den nächsten zehn oder mehr Jahren wohl kaum etwas ändern. Es wäre kurzsichtig, jetzt voreilig zu handeln und die guten nachbarschaftlichen Beziehungen aufs Spiel zu setzen. … Die Türkei ist immerhin unser Nachbar und sie wird es bleiben, unabhängig davon, ob sie der EU beitritt oder nicht."
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Liuben Obretenov über den langen Schatten des Kommunismus
Anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens der ersten demokratischen Verfassung Bulgariens seit 1945 beklagt Liuben Obretenov, einer ihrer Mitgestalter, in der Tageszeitung Sega die Rückwärtsgewandtheit des bulgarischen Volkes: "In unseren Köpfen herrscht noch die Vorstellung vom kommunistischen Staat, der für alles und jeden verantwortlich ist. Ich erinnere mich an ein Plakat aus den Zeiten der Studentenproteste von 1990, worauf stand: Wir wollen eine Regierung, die das Volk ernähren kann. Warum sollte die Regierung das tun? Sie ist doch keine Armenküche. Die Rolle des Staats wird missverstanden. Seine Aufgabe ist es, die Steuern so zu verteilen, dass er seinen Bürgern soziale Ordnung und Sicherheit garantiert und eine Grundlage, auf der jeder selbst etwas aufbauen kann, ohne dem Anderen zu schaden. Im Moment leiden die Menschen im Nordosten an Überschwemmungen. Im Fernsehen sehe ich, wie sie Staatshilfen einklagen. Wieso haben sie ihr Eigentum nicht vorher versichert? Es gibt zwar viele Probleme, die in der Verantwortung von Staat und Gemeinden liegen, aber häufig reicht die Eigeninitiative. Die Menschen müssen lernen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen."
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Bulgariens protestwillige neue Bürger
Ljuben Obretenow versucht zu erklären, warum sich der bulgarische Lehrerstreik entgegen aller Erwartung nun schon seit drei Wochen hinzieht. "Ähnlichkeiten mit den Ereignissen von vor zehn Jahren sind auffallend. 1997 wurde die Regierung gestürzt... Die streikenden Lehrer von heute sind die Studenten von damals, die bei den Protestveranstaltungen hüpften und sangen. Die älteren Lehrer hingegen weinen vor Aufregung, weil es ihr erster Bürgerprotest ist. Die Jüngeren fühlen sich wie ein Fisch im Wasser. Wir haben mit einer neuen Lehrergeneration zu tun, die stark genug ist, um wie Hefe im Teig des Protestes zu wirken."
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Neues bürgerliches Selbstbewusstsein in Bulgarien
Die Solidaritätsbekundungen mit den inhaftierten bulgarischen Krankenschwestern in Libyen, die Proteste der Schnapsbrenner gegen europäische Normen, die wöchentlichen Massenkundgebungen der Rentner, die von einem besseren Lebensstandard träumen – in Bulgarien gehen zur Zeit immer mehr Menschen auf die Straße, stellt Ljuben Obretenow fest: "Ob es nun Zufall ist oder nicht – der EU-Beitritt fällt mit einer Welle bürgerlicher Protestaktionen zusammen. Seit etwas mehr als 20 Tagen überzieht eine Welle öffentlicher Aktionen und Kundgebungen unser Land... Der Schwund nationaler Ideale und 45 Jahre Kommunismus haben dem Rechtsempfinden der Bürger einen schweren Schlag versetzt. Vielleicht könnte die EU nun dabei helfen, dass wir das Selbstbewusstsein unserer Vorfahren wieder erlangen."
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