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Schiavone, Aldo
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In der europäischen Presseschau wurden bisher 5 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.
Italien gründet neue rechte Volkspartei
Ende März gründet sich in Rom die neue Partei "Volk der Freiheit" aus der am Sonntag aufgelösten postfaschistischen Alleanza Nazionale und der Forza Italia von Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi. In der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica kommentiert Aldo Schiavone das lange Fehlen einer konservativen Volkspartei in Italien: "Im Vergleich zu allen großen westlichen Demokratien ist das eine absolute Anomalie und ein Mangel, der sich aus den Traumata erklärt, die Italien zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlitten hat. ... Heute steht die Rechte, die Volkspartei als entscheidendes Element der demokratischen Normalisierung des Landes, vor einer anderen Perspektive. Tradition, Welt, Nation, sicher, aber mit neuen Ansätzen. ... Und hier scheiden sich die Geister ... . Es gibt die pluralistische, offene Ansicht von Gianfranco Fini, dem ehemaligen Parteiführer der Alleanza Nazionale, einerseits und die lokale, statt globale, neo-welfische [pro-vatikanische] Sichtweise etwa des Finanzministers Giulio Tremonti, die sich unter die Flagge der Kirche stellt."
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Aldo Schiavone über das Ende der Harmonie in Italien
Die Wirtschaftskrise beende bald die Harmonie zwischen den Italienern und ihrem Premier Silvio Berlusconi, behauptet Aldo Schiavone in seinem Leitartikel in der linksliberalen italienischen Tageszeitung La Repubblica: "Zum ersten Mal seit langer Zeit, vielleicht sogar seit seines Einstiegs in die Politik, hat sich eine Situation ergeben, in der Silvio Berlusconi den Einklang mit bedeutenden Teilen des Volkes, die ihm bisher gefolgt sind, verliert. Fünfzehn Jahre lang hat unser Premier recht variationslos immer die gleiche Geschichte erzählt: die eigene. Er hat verstanden, die symbolische Darstellung seiner selbst zu werden, die lebende Statue seines Erfolgs, seines Lebenswillens. … Berlusconi hat nicht das Land verändert, sondern hat einfach im richtigen Moment eine große Welle zu nutzen gewusst und ist darauf mit gehissten Segeln munter mitgeschwommen, die gravierenden Fehler seiner Gegner bestens nutzend. Diese Zeiten sind vorbei. Wir müssen in aller Eile lernen, mit der Rezession zu leben. Wir müssen Privilegien abschaffen, neue Konsumstrategien entwickeln und vor allem, uns die gravierende Situation vor Augen halten. Genau das liegt vollkommen außerhalb des Blickfelds des Ministerpräsidenten und, anthropologisch gesprochen, außerhalb der Reichweite seiner Kultur."
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Die Gebote, die uns trennen
Aldo Schiavone kommentiert in der Tageszeitung La Repubblica die Asymmetrie zwischen dem Wert der Freiheit und dem Wert der Vereinigung in der Rede von Papst Benedikt XVI, die er am Sonntag im Pariser Collège des Bernadins gehalten hat. "Der Papst hat die wahrhaftige Berufung seiner Amtszeit offenbart: den Verstand noch vor dem Herzen anzusprechen, ein großes theologisches Konzept zu entwerfen, das die Kirche mit der Modernität, den Glauben mit der Vernunft versöhnt. ... Der rettende Pfad soll die Verknüpfung der Prinzipien von Freiheit und Verbindung sein. Die Situation wird dadurch kompliziert, dass die Kirche spezifische Ausformungen dieser Prinzipien – etwa Familie, Leben, Tod, Rolle der Frau betreffend – als unmittelbare Folgeerscheinung des Absoluten, als direktes und unabänderliches Echo des Wort Gottes versteht. Das führt zu einer unauflösbaren Asymmetrie, welche die Möglichkeit einer neuen Allianz zwischen Vernunft und Glauben kompromittiert: Während der Begriff der Freiheit die historische Verfasstheit der Menschheit prägt und immer wieder in Frage gestellt werden kann, hat der Begriff der Bindung, über den die Kirche Deutungshoheit beansprucht, übernatürlichen Ursprung, vor ihm hat man sich zu beugen."
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Siegeszug der Angst
Die Tageszeitung La Repubblica befasst sich mit dem Phänomen der Angst, das sich in der italienischen und anderen westlichen Gesellschaften ausgebreitet hat: "Wir sind nicht die einzigen, die große Angst haben. Die Geschichte ist voller Beispiele von erschrockenen, von Alpträumen gelähmten Gesellschaften. ... Das Paradox ist, dass unsere Gesellschaften, wenigstens auf dieser Seite der Weltkugel, die sichersten sind, die es jemals in der Geschichte gegeben hat. Und dennoch wächst die Angst weiter. Ja, sie wird geschürt, jeder Gewinn wird zu seinem möglichen Verlust umgekehrt. … Die Welle der Angst ist im Westen in den öffentlichen Diskurs geschwappt, die Kopplung Politik-Angst charakterisiert den Zeitgeist. Vor allem in Amerika und Italien haben die rechten Parteien davon profitiert. Bush hat seine Karriere auf das Gespenst des Terrorismus gebaut und Berlusconi hat nicht gezögert, den Schauer der Angst, der durch das Land lief, zu seinem Vorteil zu nutzen. Die Fähigkeit, der italienischen Angst eine Stimme zu verleihen, hat die Rechte zur Volkspartei werden lassen, die zu einer Form der sozialen und kulturellen Blockade anwächst, der die Linken ohnmächtig gegenüber stehen. Es ist nicht einfach, der rechten Achse der Angst die linke der Hoffnung gegenüber zustellen, der Einschränkungen und Restaurierung Öffnung und Freiheit gegenüber zustellen, aber es muss getan werden."
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Missstände im italienischen Bildungswesen
Der Historiker Aldo Schiavone denkt über das italienische Schulsystem nach. "Das Problem des italienischen Bildungswesens liegt in dem Konflikt, dass die Schule eine soziale Rolle hat und gleichzeitig hochbegabte Kinder früh erkannt werden sollen. Lange wurde Schule als Instrument gesehen, um Wissen einheitlich zu streuen und so Solidarität und Gleichheit der sozialen Klassen zu sichern... Doch seit Beginn der 1970er Jahre hat diese Methode der Gleichbehandlung zur Senkung des Niveaus geführt. Weil die Lehrer gewerkschaftlich orientiert waren und misstrauisch gegenüber einer Auswertung des Unterrichts wurde das Modell verdreht... Wirtschaftliches und soziales Wachstum kann es heute nur geben, wenn man Begabungen wieder zu schätzen lernt. Nicht die Demokratie muss Einzug in die Schule halten, sondern umgekehrt: Die Schule muss das demokratische Leben gewährleisten. Dazu braucht man Wissen, Vielfalt und kritischen Geist."
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