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Soosaar, Enn
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In der europäischen Presseschau wurden bisher 5 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.
Enn Soosaar über die Zukunft Europas
Der Kolumnist Enn Soosaar überlegt in der Tageszeitung Postimees, ob es nach einer Annahme des Lissabon-Vertrags eher zu einer Erweiterung oder einer Vertiefung der EU kommen würde: "Wir müssen begreifen, dass es nicht möglich ist, beide positiven Ziele gleichzeitig zu erreichen. Aber es lässt sich in jedem Fall nachweisen, dass die Ausdehnung der demokratischen Gesellschaftsordnung und des gemeinsamen Marktes nach Osten ein Gewinn für Europa war - sowohl für die alten als auch für die neuen Mitgliedstaaten. Freilich gibt es dabei auch Verluste zu beklagen, und vor diesen dürfen wir Europäer nicht die Augen verschließen. Je mehr Meinungen, Interessen und Bedürfnisse es in den Staaten gibt, je vielfältiger der kulturelle Hintergrund der Entscheidungsträger ist und je mehr unterschiedliche Wurzeln ihre Werte haben, desto schwieriger wird es, zu einem Kompromiss zu gelangen. Die Erfahrungen der letzten Jahre sollten Anlass zum Nachdenken geben: Meinungsverschiedenheiten und divergierende Vorstellungen können am Ende die Handlungsfähigkeit der EU in Frage stellen. Gleichzeitig sollten wir aber auch nicht übersehen, dass Meinungsvielfalt und unterschiedliche kulturelle Perspektiven in mancher Hinsicht auch belebend sein können."
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Wandel der Außenpolitik
Die Tageszeitung Postimees fragt, wie es mit der Außenpolitik aussehen wird: "Für uns in Estland und in ganz Europa ist es ganz besonders wichtig, welchen Kurs die USA hier einschlagen. Die Fehleinschätzungen von George W. Bush in Bezug auf den Nahen und Mittleren Osten haben hunderte Milliarden an Steuergeldern verschlungen, dafür aber lediglich in gefährlichem Maß die Glaubwürdigkeit der USA beschädigt. Zu den ersten Aufgaben des neuen Kapitäns wird es daher gehören, dieses verloren gegangene Vertrauen wiederherzustellen. Die Welt wird nach dem Ende des Kalten Krieges immer multipolarer, auch wenn für viele in den USA der Verlust der früheren Hegemonialstellung schmerzhaft ist."
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Entscheidung in der Ukraine
Nach dem Fall Georgien wird die Ukraine laut der Tageszeitung Postimees möglicherweise eine noch größere Kraftprobe im Verhältnis zwischen Westeuropa und Russland: "Der Kreml hat sich schon mit dem Verlust des Baltikums nie wirklich abgefunden, die Ukraine soll erst recht nicht Mitglied in der NATO oder der EU werden. Die Versprechen an Kiew sind indes bis heute nicht eingelöst, und die Westintegration kommt seit Jahren nicht recht vom Fleck. ... Die Ukraine ist der Fläche nach der größte europäische Staat, in Bezug auf ihre Einwohnerzahl kommt sie auf Platz fünf. Dies wird sich in jedem Fall auf die geopolitische Situation Europas auswirken. 'Ukraine', das bedeutet Grenzland. Und das ist sie auch, sowohl aus Brüssler als auch aus Moskauer Sicht. ... Ob sie aber jemals Mitglied in den großen westlichen Organisationen wird, ist bei weitem nicht sicher. Und wohin sie sich auch orientiert, es wird sich spürbar auf das übrige Europa auswirken."
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Estland strebt nach einer "größeren Rolle"
Die acht mittel- und osteuropäischen Staaten, die der EU und Nato beigetreten sind, haben nach Ansicht von Enn Soosaar dadurch viel erreicht, aber der erhoffte Sprung nach vorn stehe noch aus. "Estland hat beim Untergang der Sowjetunion und der Erneuerung eine bedeutende Rolle gespielt. Unsere singende Revolution kann mit der samtenen tschechischen Revolution und dem Fall der Berliner Mauer verglichen werden. Und die spätere Rolle Estlands als Eisbrecher bei der Durchführung mutiger Reformen hat mehr Staaten die Tür zu EU und Nato geöffnet, als dies Brüssel und Washington ursprünglich geplant hatten. Jetzt benötigt Estland mehr Unternehmertum. Die Herausforderung ist ernst und verlockend: Estland könnte wieder eine größere Rolle spielen."
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Lennart Meris Tod
Lennart Meri, der erste Präsident Estlands nach der Unabhängigkeit (1992-2001), ist tot. Die estnische Presse würdigt vor allem sein Streben nach der Unabhängigkeit Estlands von der Sowjetunion. Meri war aber den Esten vor Beginn seiner politischen Laufbahn auch als Schriftsteller und Poet wohlbekannt und wurde als dichtender Präsident oft als "estnischer Havel" bezeichnet. Enn Soosaar schreibt in seinem Nachruf: "Von seiner Ausbildung her war Meri Historiker, er wusste, wie Geschichte abläuft und wie sich die Menschen verändern. Der Zusammenbruch des totalitären Sowjetregimes kam für ihn nicht überraschend... Die Geschichte übertrug Meri eine große Mission, und er gehörte zu den wenigen estnischen Staatsführern, die die Tragweite dieser Mission vollkommen verstanden haben."
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