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Trojanow, Ilija
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In der europäischen Presseschau wurden bisher 5 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.
Ilija Trojanow schreibt über Herta Müller und die Menschenrechte
Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller ist in Frankfurt am Main mit dem Franz-Werfel-Menschenrechtspreis ausgezeichnet worden. Die unerbittliche Haltung Müllers gegenüber den Verbrechen des zwanzigsten Jahrhunderts sei die Voraussetzung für eine menschenwürdige Gesellschaft, schreibt Ilija Trojanow in der Tageszeitung Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Das massenhafte Leid früherer Jahrzehnte provoziert verwirrende Debatten über Gedächtnis. Wie wir in Europa mit der Vergangenheit umgehen, ist Prüfstein für eine angestrebte gesamteuropäische Ethik, für ein Zusammenwachsen der Schicksale, von dem wir heute, da in Russland der Stalinismus romantisiert wird und die verbrecherische DNA der Eliten in manchen neuen EU-Mitgliedsländern selbst vom einstigen Westen ignoriert wird, meilenweit entfernt sind. Es geht nicht nur um eine metaphysische Gerechtigkeit, sondern um eine menschenwürdige Gesellschaft. Denn in jenen Ländern Osteuropas, in denen die Vergangenheit kaum ausgeleuchtet worden ist, in denen Akten und Erinnerungen unter Verschluss gehalten werden, sind die wirtschaftlich-politischen Verhältnisse in besonderem Maße mafiös durchtränkt."
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Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Literatur, » Erinnerungskultur, » Rumänien
Ilija Trojanow über die komplexe europäische Identität
Der aus Bulgarien stammende Schriftsteller Ilija Trojanow, der in vielen Ländern gelebt hat und zurzeit in Wien unterrichtet, wendet sich gegen die Gleichsetzung von EU und Europa: "Die EU maßt sich an, diese europäische Identität zu bilden, was absurd ist. Kein Mensch, der bei Trost ist, würde bezweifeln, dass beispielsweise die Ukraine Teil einer europäischen Identität ist. Gleichzeitig ist der Versuch, die europäische Tradition als eine christliche zu definieren, auch Humbug. Ein ganz banales Beispiel: Der westlichste Teil Europas, nämlich Spanien, war 800 Jahre lang nicht nur islamisch geprägt, sondern von einer ganz außergewöhnlichen Multikulturalität im positiven Sinne und von einer religiösen Toleranz, von der man heute nur träumen kann. Europa ist von seiner Identität her erheblich vielfältiger und komplexer, als die jetzige politische Diskussion es zulässt."
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Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Religion, » Geschichte, » Weltanschauung, » Europa
Alle verfügbaren Texte von » Sebastian Fasthuber
Ilija Trojanow über kulturelle Differenz als beglückenden Naturzustand
Der Schriftsteller Ilija Trojanow bekommt heute den Berliner Literaturpreis. Im Interview mit Andreas Schäfer erklärt er den Erfolg seines Buches "Der Weltensammler" über den Abenteurer Richard Burton, der Indien, Arabien und Afrika bereiste. Das Buch habe "einen existenziellen Nerv" getroffen, so Trojanow: "Viele Leute verspüren ein Unbehagen an der gegenwärtigen Tendenz, kulturelle Differenz als etwas darzustellen, was es zu überwinden gilt. Dabei ist sie ein beglückendes, inspirierendes Angebot an Offenheit und Vielfalt. Außerdem ist kulturelle Differenz der Naturzustand. Die Kulturentwicklung ist eine ewige Hybridisierung... Das heißt, dass kulturelle Elemente, die sich unterscheiden, immer wieder zusammenkommen und sich vermischen. So entsteht Kultur. Was wir als Tradition bezeichnen, ist eine vergessene Hybridisierung. Wir vergessen auch oft, dass die Leute, die uns kanonisch erscheinen, nicht aus dem Zentrum kamen, sondern von den Randgebieten. Kafka, Celan, Canetti."
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Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Literatur, » Global
Ilija Trojanow über die Klimakatastrophe
Der Schriftsteller Ilija Trojanow stellt fest, dass die Bedrohung durch die Klimaerwärmung völlig aus dem Blick geraten ist: "Warum diskutieren wir so selten über die radikalen Schritte, die wir zur Abwendung des Schlimmsten unternehmen müssten, und warum beschäftigen wir uns so viel mit dem Terrorismus? ... Immerhin bricht ein Stück von der Größe Luxemburgs aus dem ewigen Eis, treibt umher und zerfällt dann in kleinere Stücke, bevor es sich schließlich in Wasser auflöst. Ist die Aufnahme von zergehender Ewigkeit, wenn auch nur im Eisbergformat, für halbwegs fantasiebegabte Menschen nicht ein grausiges Zeugnis von Gewalt?... Die Antwort ist einfach und besorgniserregend: Weil die Ökologie keine Erregungslobby besitzt. Würden wir ähnlich hysterisch auf den Treibhauseffekt wie auf den Terrorismus reagieren, müssten wir alle mit Schwimmwesten herumlaufen und Schlauchboote auf unseren Gepäckträgern befestigen. Stattdessen sind wir voreilig bereit, mühsam erkämpfte Bürgerrechte aufzugeben und eine stolze Haltung der kulturellen und religiösen Toleranz als gescheitert abzutun, während wir die kolossalen Schäden unserer Wirtschaftsweise achselzuckend hinnehmen."
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Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Umwelt, » Global
Ilija Trojanow über die bulgarische Mafia
"Die Mafia in Bulgarien ist nicht Teil des Staates, sondern der Staat Teil der Mafia", schreibt der Schriftsteller Ilija Trojanow über das Land, das im kommenden Jahr EU-Mitglied werden will. "Die bulgarische Mafia ist ein Resultat der totalitären Vergangenheit. In Sizilien formte sich die Mafia, als das Habsburger Imperium sich zurückzog und die Mehrheit seiner Angestellten in Armee und Polizei arbeitslos wurde. Die Mafia wurde in der Folgezeit zu einem Annex des Staates. In Ländern wie Bulgarien oder Russland hingegen gründet die Macht der Mafia auf die Allmacht der Kommunistischen Partei und der Staatssicherheitsdienste. Die Nomenklatura erschuf eine parallele Schattenwirtschaft, um mit Waffen, Drogen und allem möglichen anderen zu handeln, vor allem, um Devisen zu verdienen. Und als die Wende kam, erwiesen sich diese Strukturen als sehr nützlich, durch vielfältige Metamorphosen und Mutationen das geraubte Volksvermögen in privates Kapital umzuwandeln... Die hierarchische Struktur des Imperiums mit dem Zentrum in Moskau spiegelt sich in den heutigen Mafianetzen wider, denn die Nabelschnur ist noch nicht durchtrennt."
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Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Innenpolitik, » Geschichte, » Russland, » Bulgarien