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Visniec, Matéi


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In der europäischen Presseschau wurden bisher 5 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.


Evenimentul Zilei - Rumänien | 12.11.2009

Matei Vişniec über die rumänische Abscheu vor der Politik

Rumänien ist führungslos: Vor einem Monat zerbrach die Regierungskoalition, weil sich die rumänischen Parteien im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen Betrügereien vorgeworfen hatten. Die Gründe für das aktuelle Durcheinander liegen in den Traditionen der rumänischen Gesellschaft, sagt der nach Frankreich ausgewanderte Theaterregisseur Matei Vişniec in einem Interview mit der Tageszeitung Evenimentul Zilei: "Ich bin Teil einer Generation, die dachte, dass der Kommunismus das größte Übel ist. Jetzt merke ich, dass sich eine freie Gesellschaft auch in einem anderen Orbit des Bösen entwickeln kann, indem die Menschen zwar nicht mehr an den Dingen leiden wie im Kommunismus, aber weiterhin leiden. Wenn ich den Widerwillen, den die Rumänen derzeit fühlen, in Tonnen wiegen müsste, und den Ekel, den sie in den Ceauşescu-Jahren empfanden, dann denke ich fast, dass wir auf dieselbe Quantität kommen. ... Ich könnte sagen, dass die Demokratie eine Partitur ist, die von den verschiedenen Völkern verschieden gespielt wird, abhängig von der Kultur, der Geschichte, den lokalen Sitten. ... Wir Rumänen vermischen das Romanische mit der slawischen Kultur, denn wir sind ja eine 'romanische Insel im slawischen Meer', zu der noch die balkanischen und die orientalischen Traditionen hinzukommen. Wir interpretieren die demokratische Partitur, indem wir das hässlichste, groteske und den größten Kitsch aller anderen Interpreten auswählen."

România Liberă - Rumänien | 15.08.2007

Matei Visniec über Haltung der Intellektuellen zum stalinistischen Terror

In Rumänien wird derzeit des Beginns der stalinistischen Terrorwelle in der Sowjetunion vor 70 Jahren gedacht, bei der Tausende Menschen starben. Der Schriftsteller Matei Visniec überlegt: "Wenn man an dieses Drama erinnert, muss man auch an die erinnern, die es verursacht haben. Und die kommunistischen Parteien des Westens oder die Gruppierungen, die deren Ideen und Wähler geerbt haben, sollten sich daran erinnern, wie blind und dumm sie damals waren. Wann und wie wird man an die schreckliche metaphysische Unfähigkeit der Mehrheit der europäischen Intellektuellen erinnern, die nicht beides zugleich sein konnten: Antifaschisten und Antistalinisten? Wann und wie kann man an die Besinnungslosigkeit großer Namen wie Cocteau erinnern, der ab und zu Sätze von sich gab, wie: 'Diktatoren fördern den Protest der Kunst, ohne den diese stirbt.' Die Erinnerung an die Manipulationen der europäischen Intellektuellen, die es dem Diktator erlaubten, skrupellos zu töten, wäre eine notwendige Geste."

România Liberă - Rumänien | 11.07.2007

Das französische Konzept des Kulturtourismus

Seit 60 Jahren findet im Juli das Theaterfestival von Avignon statt. Der in Rumänien geborene und in Paris lebende Schauspieler Matei Visniec lobt im Jubiläumsjahr das Konzept der Franzosen: "Die Touristen kommen nicht nur zum Sonnen, sie wollen Kultur genießen. Frankreich präsentiert im Sommer insgesamt 1800 Festivals in allen möglichen Varianten... Ganz Europa hat das Konzept des Kulturtourismus, den das französische Modell vorlebt, übernommen. Deutschland brüstet sich mit den Wagner-Festspielen in Bayreuth, Wien mit einem wichtigen Tanzfestival. Die vielen Festivals in Europa verbindet eine gefühlvolle Symbiose zwischen dem architektonischen Erbe und dem künstlerischen Werk. Viele Vorstellungen finden in Kathedralen oder Schlössern Europas statt - die alten Gemäuer füllen sich mit Leben. Wenn die Konzerte in den jahrhundertealten Kathedralen Europas ertönen, wird einem bewusst, welch eine einzigartige Konzentration an Kultur dieser kleine Kontinent aufweist."

România Liberă - Rumänien | 04.07.2007

Matei Visniec über das Europa der Toten

Der in Frankreich lebende rumänische Schriftsteller Matei Visniec kommentiert das polnische Argument beim Streit um die Stimmgewichtung innerhalb der EU, das Land könnte heute mehr Einwohner zählen, wenn es nicht die vielen Kriegstoten zu beklagen hätte: "Die Idee, dass die Toten beim Bau Europas ein Wörtchen mitzureden haben, scheint mir äußerst interessant. Ebenso ist es spannend, dass wir versuchen, die Sichtweise der Toten einzunehmen. Schließlich ist die EU in erster Linie eine Reaktion auf die Kriege zwischen den Kulturen, die über 2000 Jahre lang Europa beherrschten. Wenn wir nach einem Fundament für die EU suchen, dann nicht in einem Dokument, sondern in den übereinander liegenden Schichten der Toten. Wo immer man gräbt in Europa, man findet Gebeine, auch unzählige Gemeinschaftsgräber... Die Toten haben eine Botschaft, die nur schwer zu uns durchdringt: Seid weniger egoistisch, nationalistisch, weniger hochmütig, weniger taub für die Leiden der anderen, seid vielmehr entzückt, dass Ihr am Leben seid!"

România Liberă - Rumänien | 16.03.2007

Matei Visniec im Zwiegespräch über die Verbrechen des Kommunismus

Was ist schlimmer - Kommunismus oder Kapitalismus? Der in Paris lebende rumänische Schriftsteller Matei Visniec hat über die unterschiedliche Sicht in West und Ost mit einem französischen Kommunisten ein Zwiegespräch geführt. "Unsere Kommunisten sind mit euren Kommunisten nicht zu vergleichen..., sagt mir mein französischer Freund... Ich kann das Wort 'Kommunismus' hingegen nicht aussprechen, ohne dass mich ein Schauer des Grauens durchwandert... Die Henker der einstigen kommunistischen Staaten sind oft mit dem Leben davongekommen, einige starben ruhig in ihrem Bett, kein internationales Gericht wurde nach dem Fall des Kommunismus einberufen, um gegen diese Personen den Prozess zu führen... An diesem Punkt fängt mein Freund Feuer. Und die Toten des Kapitalismus, fragt er mich. Hat die jemals einer gezählt? Der Kapitalismus, der die Menschen systematisch in Vieh verwandelt, die Bürger in Konsumenten und der die Seele des Menschen mit der Obsession nach Geld ersetzt hat. Die Toten des Kapitalismus und des Kolonialismus - warten die nicht auch auf Gerechtigkeit?"

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