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Weill, Nicolas


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In der europäischen Presseschau wurden bisher 4 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.


Le Monde - Frankreich | 14.07.2007

Alain Badiou über den Schulterschluss linker Intellektueller

Der französische Philosoph Alain Badiou spricht im Interview mit Nicolas Weill über das Ende der linken Intellektuellen in Frankreich. "Die Parteinahme der Intellektuellen und Philosophen für Sarkozy steht symbolisch dafür, dass sie nun klassische Reaktionäre sein können... Dieser Schulterschluss schließt auch den korrumpierenden Umgang mit den Reichen und Mächtigen ein, unpopuläre Xenophobie und die Bewunderung für die US-amerikanische Politik. Früher hatte ein Intellektueller, wenn er der Rechten angehörte, Komplexe. Selbst Raymond Aron hatte welche! Die Nachkriegszeit hat die typische Figur des linken Intellektuellen hervorgebracht. Derzeit wohnen wir - wie ich hoffe – dem Tod des linken Intellektuellen bei, der gemeinsam mit der gesamten Linken verschwindet, um dann wie Phoenix aus der Asche wiederaufzuerstehen. Diese Wiedergeburt kann es nur in klarer Aufteilung geben: entweder ein politischer Radikalismus neuen Typs oder ein reaktionärer Schulterschluss. Dazwischen gibt es nichts."

Le Monde - Frankreich | 19.01.2007

Elfriede Jelinek über den Mythos der österreichischen Unschuld

Die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek unterhält sich mit Nicolas Weill über ihr Buch "Kinder der Toten" und erklärt, es sei ihre Pflicht, Österreich die "Maske der Unschuld" abzureißen. "Haider, und mit ihm die neuen politische Rechte, die er einst auf gewisse Weise verkörperte, steht für die Fortsetzung des modernen Faschismus im Gewand eines (damals noch) neuen jungen und verführerischen 'Führers'. Damit dieser sich besser verkaufte, gab es seit Haider nicht mehr die alten Nazis mit ihren Kriegsgeschichten, sondern einen sportlichen und modischen jungen Mann. Solch ein immer wiederkehrendes Wesen kratzt natürlich den Mythos der ewigen Unschuld Österreichs an, der lange - bis Mitte der achtziger Jahre - aufrechterhalten wurde... Den Mythos eines Österreich, dass sich selbst als isoliertes Opfer wahrnahm, als ein kleines, schutzloses Land, das von Hitler angegriffen wurde."

Le Monde - Frankreich | 08.01.2007

Saul Friedländer über die Einsamkeit der Gerechten

Der französisch-israelische Historiker Saul Friedländer stellt in einem Interview mit Nicolas Weill den Mangel an kollektiver Solidarität mit den Juden während des Zweiten Weltkriegs heraus. "Dass sich nicht tausende von Menschen gegen diese Verbrechen erhoben haben, wundert mich nicht. Klar ist, dass Angst und Schrecken herrschten, und dass man zuerst an sich selbst dachte. Doch dass es unter Geistlichen und Intellektuellen so wenig Widerspruch und Solidarität gegeben hat, das finde ich erstaunlich. Das zeigt, dass die Shoah ein globales Phänomen war. Gewiss, es hätte einen zündenden Funken gebraucht. Aber es hätte auch viel Brennholz und Strauchwerk gebraucht, damit das Feuer auch tatsächlich brennt. In ganz Europa hat es nicht eine Gruppe gegeben, keine einzige, die sich als solche mit den Juden solidarisch erklärt hätte. Natürlich gab es die Gerechten [Nicht-Juden, die verfolgte Juden gerettet haben]. Aber das waren einzelne Helden, nicht soziale Gruppen."

Le Monde - Frankreich | 30.01.2006

Die koloniale Vergangenheit

Die us-amerikanische Historikerin Mary Lewis vergleicht die französische Kolonialgeschichte mit der anderer europäischer Länder: "Für die anderen imperialen Mächte ist die Kolonisation nicht mit einem republikanischen Ideal verbunden. Noch deutlicher als bei der Kolonialisierung ist der Unterschied bei der Dekolonialisierung. Bei der britischen Dekolonialisierung gab es nichts, was sich mit dem Indochinakrieg oder dem Algerienkrieg vergleichen ließe. Diese beiden Konflikte sind von zentraler Bedeutung, wenn man die koloniale Vergangenheit dieser beiden Mächte miteinander vergleicht. Wenn man die jüngsten Debatten über die 'positive Rolle' der französischen Präsenz in Übersee liest, dann ist man erstaunt, wie tief das Trauma sitzt... Parlamentsmehrheiten entstehen anders als Geschichtsschreibung. Es kann sich als gefährlich erweisen, ein Werturteil über eine Abfolge von historischen Ereignissen abzugeben."

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