Bereichsmenü: Home
Home / Autorenindex
Wieviorka, Michel
In der europäischen Presseschau wurden bisher 5 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.
Michel Wieviorka über eine neue Phase der Globalisierung
Michel Wieviorka stellt angesichts der "ersten globalen Krise" die Frage, in welche Richtung diese schließlich führen wird. Er stellt drei Zukunftsszenarien vor. Zum einen könnte die globalisierte Wirtschaft nach der Krise ihren alten Rhythmus wiederfinden. Andererseits könnte die Krise den Globalisierungsprozess stoppen und zu einer neuen Art des Protektionismus führen. Oder sie könnte drittens in eine neue Form der Globalisierung münden: "In diesem Fall würde die Globalisierung nicht enden, sondern in eine neue Ära eintreten. Nach der wilden oder sozusagen primitiven Phase der 1980er und 1990er Jahre, erreichte sie dann ihr zweites Stadium, das der Regulierung. Dieses dritte Panorama gäbe den Gipfeltreffen nach dem Vorbild der G-20 eine besondere Bedeutung, bei denen zahlreiche Staatschefs zusammenkommen und nicht nur diejenigen der reichen Länder - ebenso [wichtig würden] Organisationen wie die WTO, der IWF oder die Vereinten Nationen; dies entspräche auch den Forderungen bestimmter Umweltbewegungen, zum Beispiel derjenigen, die Themen wie die Nichtregulierung in Klimafragen kritisieren. [Dieses Panorama] passt ebenso zu einigen Forderungen aus der Dritten Welt - auch wenn diese Positionen heutzutage etwas geschwächt sind - die den Globalisierungsprozess nicht beenden wollen, sondern eine andere Art der Globalisierung fordern."
» weiterführende Informationen (externer Link, spanisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Wirtschaftspolitik, » Global
Michel Wieviorka über das Erbe der Kolonialzeit
Der französische Soziologe Michel Wieviorka kommentiert die Art und Weise, wie Frankreich und Spanien ihrer kolonialen Vergangenheit begegnen. "Klar ist, dass die Frage der Identitätsbildung durch Erinnerung – eine Debatte, in der immer wieder eine Wende im nationalen Diskurs gefordert wird - in Frankreich präsenter ist als in Spanien. Wie ist dieser Unterschied zu erklären?" Eine Antwort könnte lauten, dass "der spanische Staat, wenn er auch zentralistische Merkmale besitzt, offener ist als der französische, der eine jakobinische Berufung mit einem republikanischen Ideal verbindet, das jeder Anerkennung von Partikularismen feindselig gegenübersteht. Der französische Nationalstaat hat sich gebildet und gefestigt, indem er sich gegen die partikularen Identitäten innerhalb des Landes durchgesetzt hat und indem er die universelle Vorstellung seines 'zivilisierenden' Auftrags geprägt hat. Mit anderen Worten: ein kolonialistischer Auftrag, der darauf hinausläuft, Partikularismen zu leugnen."
» zur Homepage (externer Link, La Vanguardia)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Geschichte, » Frankreich, » Spanien
Michel Wieviorka und das nationale Gedächtnis
Der französische Soziologe Michel Wieviorka findet es gut, wie am 10. Mai in Frankreich zum ersten Mal der Tag der Abschaffung der Sklaverei (1848) begangen wird. "Früher klammerte unsere Nation das Unrecht in ihrer Geschichtsschreibung aus, und die Schulen der Republik schlossen alle Kinder in diese nationale Erzählung ein. Heute wird die Nation in Debatten, die weit über den klassischen Rahmen hinausgehen, in Frage gestellt. Und die Republik hat es schwer, alle Individuen in einer Gemeinschaft von Gleichheit und Solidarität zu vereinen, die von einer einzigen, für alle gleichen historischen Erzählung zusammengehalten wird. Auf diese Herausforderung können wir weder antworten, indem wir jedes Gedenken an die Nation und die bedrohte Republik ablehnen, noch indem wir nur an die aktivsten oder aggressivsten Phasen der Geschichte erinnern. Vielmehr müssen wir notwendige historische Recherchen anstellen und die Anforderungen des Erinnerns, sobald sie auftauchen, mit den Instrumenten der Vernunft untersuchen. Und wir müssen die Beziehung zwischen Geschichte und Nation überdenken."
» zum ganzen Artikel (externer Link, französisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Geschichte, » Frankreich
Die Reformfähigkeit Frankreichs
"Das Land stagniert und zerfällt", konstatiert der französische Soziologe Michel Wieviorka im Gespräch mit Marcus Rothe angesichts der Proteste in Frankreich. "Wir hängen an einem Mythos - also einer Synthese von widersprüchlichen Elementen, die in der Realität unvereinbar sind, die wir aber durch einen imaginären Diskurs zusammenhalten. Je künstlicher ein Mythos ist, desto eher ruft er radikale Äußerungen und Gewalt hervor... Je instabiler das System ist, desto blumiger und imaginärer werden die Sonntagsreden über Freiheit, Gleichheit, Bürgerlichkeit. Dieser falsche Mythos gibt der Gewalt mehr und mehr Raum. Ob sich dieser Mythos langsam unter konvulsiven Gewaltausbrüchen auflöst, kann ich nicht vorhersagen. Die Schocks häufen sich jedenfalls. Vielleicht kommt es bald zur Explosion."
» weiterführende Informationen (externer Link, deutsch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Gesellschaft, » Frankreich
Die "schwarze" Identität in Frankreich
Der französische Soziologe Michel Wieviorka begrüßt nach den Unruhen in den französischen Vorstädten die Gründung der Vertretung der schwarzen Verbände (CRAN). Deren Erfolg kann Wieviorka zufolge nur auf einer Erneuerung des Diskurses über die "schwarze" Identität in Frankreich beruhen. "'Schwarz' sein, heißt vor allem Opfer sein, es heißt, über eine Vergangenheit der Zerstörung, der Unterdrückung, der Dominanz, der Ablehnung und der Verachtung definiert zu werden. Um sich dauerhaft zu konstituieren, ohne dabei auf Gewalt zu beharren, muss sich die 'schwarze' Bewegung eine positive Identität zulegen, anstatt lediglich eine Opferidentität. Sie wird ihre Fähigkeit unter Beweis stellen müssen, sich als einen Beitrag zur Menschheit und zu der Gesellschaft, in der sie sich entfaltet, zu definieren – mit einer Kultur, Kunstformen, einer Literatur, einer Geschichte, die nicht nur 'weinerlich' ist, um mit den Worten des jüdischen Historikers Salo Baron zu sprechen."
» weiterführende Informationen (externer Link, französisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Gesellschaft, » Frankreich