Wikileaks auf dem Prüfstand
Wie weit darf Enthüllungsjournalismus gehen? Mit der Veröffentlichung geheimer US-Depeschen hat Wikileaks eine Debatte ausgelöst um Meinungsfreiheit und das Recht auf Information. [letzter Beitrag vom 17.12.2010]

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland | Donnerstag, 16. Dezember 2010
Der Wikileaks-Gründer Julian Assange ist am Donnerstag in London gegen Kaution freigelassen worden. Er fürchte sich jedoch davor an die USA ausgeliefert zu werden, sagte er bei einem Treffen mit Journalisten. Aber er genießt den Schutz der Öffentlichkeit, meint die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung: » mehr
Der Wikileaks-Gründer Julian Assange ist am Donnerstag in London gegen Kaution freigelassen worden. Er fürchte sich jedoch davor an die USA ausgeliefert zu werden, sagte er bei einem Treffen mit Journalisten. Aber er genießt den Schutz der Öffentlichkeit, meint die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Das bewahrt ihn nicht vor Strafverfahren, womöglich aber vor Willkür. Eher willkürlich, besser gesagt hilflos, versucht sich die amerikanische Supermacht jetzt gegen unliebsame Veröffentlichungen von Dokumenten zu wehren. Mit Sperrungen bestimmter Medien will etwa die Luftwaffe ihre Soldaten daran hindern, die schon ins Netz gestellten Daten des Außenministeriums anzusehen. Doch hat sich längst gezeigt: Das klappt nicht. Informationen, die in der Welt sind, verschwinden nicht wieder. Jenseits schwieriger repressiver Maßnahmen gegen die Verantwortlichen von Internet-Plattformen - man benötigt immerhin einen Täter für eine konkrete Tat im globalen Cyberspace - kommen zwei Gegen-Strategien in Betracht: Man stellt so viel wie möglich ins Netz, Echtes, Halbwahres und Gefälschtes, oder man verzichtet, wenn es denn wirklich wichtig ist, so gut es geht darauf, unverschlüsselte Informationen auf diesen Wegen zu transportieren. Bisher jedenfalls ist nicht Wikileaks in der Defensive."
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Jornal de Notícias - Portugal | Donnerstag, 16. Dezember 2010
Selten wurde die prekäre Stabilität der westlichen Demokratien so deutlich wie durch die Wikileaks-Enthüllungen, meint Tiago Azevedo Fernandes in der Tageszeitung Jornal de Notícias: » mehr
Selten wurde die prekäre Stabilität der westlichen Demokratien so deutlich wie durch die Wikileaks-Enthüllungen, meint Tiago Azevedo Fernandes in der Tageszeitung Jornal de Notícias: "Die Reaktionen der demaskierten Staaten zeigen, wie verrottet unsere Machteliten sind. Der Fall ist so simpel wie erschreckend. … Länder, von denen wir glaubten, sie hätten eine ausgereifte juristische Struktur wie Schweden und Großbritannien, sind doch erschreckend anfällig für politischen Druck. Die Verfolgung von Julian Assange aufgrund einer banalen Anschuldigung zweier schwedischer Damen, die es bereuen, mit jemandem die Laken geteilt zu haben, den sie erst wenige Stunden kannten, ist inakzeptabel. Wenn das alles kein Erdbeben in der Zivilgesellschaft hervorruft, verdienen wir wirklich die traurige Situation der Länder, die wir bislang als wenig menschenrechtsfreundlich oder gar fundamentalistisch bezeichnet haben. Jedoch werden wir uns nicht unserer Freiheit beraubt fühlen, denn im Grunde haben wir sie uns dann nie wirklich gewünscht."
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Rue89 - Frankreich | Mittwoch, 15. Dezember 2010
Der Gründer des sozialen Netzwerks Facebook, Mark Zuckerberg, ist vom US-Magazin Time zur Person des Jahres 2010 gewählt worden. Er setzte sich damit gegen Wikileaks-Chef ... » mehr
Der Gründer des sozialen Netzwerks Facebook, Mark Zuckerberg, ist vom US-Magazin Time zur Person des Jahres 2010 gewählt worden. Er setzte sich damit gegen Wikileaks-Chef Julian Assange durch. Das Nachrichtenportal Rue89 bedauert die zaghafte Entscheidung "eines Magazins, das sich in der Vergangenheit schon wagemutiger gezeigt hat. ... Zuckerberg hat zwar ein soziales Netzwerk gegründet, das mit einer halben Milliarde Mitglieder auf der ganzen Welt einen phänomenalen Erfolg hat. Er ist der jüngste Milliardär der Welt und hat einen beträchtlichen Einfluss auf die Art, wie Menschen kommunizieren. ... Mit Wikileaks hat Assange [jedoch] die Spielregeln des Staatsgeheimnisses verändert. ... Dieser Australier ist ... für Staaten zu einem Mann geworden, den es niederzustrecken gilt, und zum Helden für die Befürworter einer absoluten Transparenz. ... Zwischen zwei Helden des Internets, hat sich das Time-Magazin für den weniger subversiven entschieden."
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Blog Del alfiler al elefante - Spanien | Mittwoch, 15. Dezember 2010
Die Veröffentlichung der US-Botschafts-Depeschen durch Wikileaks und verschiedene Medien beleuchtet jenen Teil der Politik, der den Bürgern sonst verborgen bleibt. Die Plattform ist ein Glücksfall für den Journalismus und muss geschützt werden, meint Lluís Bassets in seinem Blog Del Alfiler al Elefante: » mehr
Die Veröffentlichung der US-Botschafts-Depeschen durch Wikileaks und verschiedene Medien beleuchtet jenen Teil der Politik, der den Bürgern sonst verborgen bleibt. Die Plattform ist ein Glücksfall für den Journalismus und muss geschützt werden, meint Lluís Bassets in seinem Blog Del Alfiler al Elefante: "Wie bei einem Eisberg ist nur ein Neuntel der Politik oberhalb des Wasserspiegels sichtbar: die Erklärungen, die formalen Treffen, die offiziellen Kontakte; aber die anderen für uns unsichtbaren acht Neuntel machen den Großteil der Politik aus, der vor den Bürgern verborgen bleibt. Wikileaks hat uns einen guten Einblick gegeben, wie die Dinge unterhalb des Wasserspiegels laufen. ... Man versteht, dass die US-Regierung, allen voran Obama und Clinton, ihr Missfallen ausdrücken. Es ist auch verständlich, dass sie ihren untreuen Mitarbeiter bestrafen, der die Dokumente weitergegeben hat. Aber Vorsicht: Von diesem Punkt an ist es wichtig, das Handeln derjenigen zu schützen, die die Enthüllungen veröffentlicht haben. Sowohl das erste Glied der Kette, Wikileaks, als auch das zweite, die fünf großen internationalen Zeitungen."
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La Repubblica - Italien | Freitag, 10. Dezember 2010
In der aktuellen Wikileaks-Debatte verteidigt der Ex-Vatikan-Sprecher Joaquín Navarro-Valls in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica die moralische Tragweite der durch die Enthüllungen geschaffenen Transparenz: » mehr
In der aktuellen Wikileaks-Debatte verteidigt der Ex-Vatikan-Sprecher Joaquín Navarro-Valls in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica die moralische Tragweite der durch die Enthüllungen geschaffenen Transparenz: "Das Phänomen Wikileaks ist letztendlich keine schwere Krankheit, die die Medienwelt befallen hat, sondern zeigt die Unfähigkeit der alten Politik, sich einer Wirklichkeit entsprechend zu verhalten, in der alles enthüllt werden kann. ... Die einzige Abhilfe, die den Politikern gegen das globale Anprangern bleibt, besteht darin, verantwortungsvoll und integer ihre Macht auszuüben. Denn in Zukunft ist es unmöglich, pervers zu sein und rein zu erscheinen, ein Kriegstreiber zu sein und als Pazifist aufzutreten. Die Internetära ist gnadenlos. Nicht so sehr, weil der Schein mehr zählt als das Sein, sondern weil das Sein untrennbar mit dem Schein verbunden ist. Als gut kann nur erscheinen, wer es wirklich ist, als böse auch der, der alles daran setzt, gut zu scheinen. Ein Paradox, das eher Heuchelei vertreibt, als dass es Politiker schwächt. Wikileaks könnte zur letzten Garantie dafür werden, dass Werte, die keine Tugenden sind, nicht überleben, denn früher oder später werden sie von den inkonsequenten Verhaltensweisen der Fälscher der öffentlichen Moral enttarnt."
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Gândul - Rumänien | Donnerstag, 9. Dezember 2010
Die Webseiten mehrerer Kreditunternehmen sind am Mittwoch von Hackern zwischenzeitlich lahmgelegt worden, weil die Unternehmen die Finanzkanäle der Enthüllungsplattform Wikileaks gesperrt hatten. Die Tageszeitung Gândul findet die Aktion äußerst bedenklich: » mehr
Die Webseiten mehrerer Kreditunternehmen sind am Mittwoch von Hackern zwischenzeitlich lahmgelegt worden, weil die Unternehmen die Finanzkanäle der Enthüllungsplattform Wikileaks gesperrt hatten. Die Tageszeitung Gândul findet die Aktion äußerst bedenklich: "Die 'Hacker' sind gefährlicher als Julian Assange, denn er hat nur diplomatische Geheimnisse öffentlich gemacht, aber niemanden 'angegriffen', was jetzt den lahmgelegten Webseiten widerfahren ist. Der Argwohn gegen diese Hacker reicht, um einen 'globalen Anti-Terrorkrieg' im Internet vom Zaun zu brechen. Die heuchlerischen Verteidiger von Wikileaks, die vorgeben, die Vorreiter eines Kriegs von 'Bürgern gegen Regierende' zu sein, haben jedoch keine Regierung angegriffen, sondern 'Kollateralschäden' produziert. ... Die Unternehmen, die auf Druck von Washington die Beziehungen zu Wikileaks eingestellt haben, können des 'Einknickens' beschuldigt werden, doch was sie machen, kann nicht als schwerwiegender eingestuft werden als die 'Revolution' von Assange, die die Welt 'zum Guten' wenden will. Um jeden Preis - wie Lenin, Che Guevara, Napoléon Bonaparte und all die anderen zynischen 'Helden'."
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Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Mittwoch, 8. Dezember 2010
Die Festnahme des Wikileaks-Gründers Julian Assange in London stellt den vorläufigen Höhepunkt eines neuartigen Guerillakriegs zwischen den USA und der Enthüllungsplattform dar, schreibt die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung: » mehr
Die Festnahme des Wikileaks-Gründers Julian Assange in London stellt den vorläufigen Höhepunkt eines neuartigen Guerillakriegs zwischen den USA und der Enthüllungsplattform dar, schreibt die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung: "Auf der einen Seite steht die amerikanische Regierung, also eine klassische Staatsmacht, die sich den Frontalangriff auf ihre Geheimnisse nicht gefallen lässt; auf der anderen Seite operiert die schwer greifbare Internetorganisation Wikileaks, die quasi als Guerilla der elektronischen Welt das grosse Amerika mit ihren Nadelstichen in Rage versetzt. Wie eine traditionelle Guerilla haben die namenlosen Fusssoldaten von Wikileaks den Vorteil, dass sie das Kampfterrain, die Sphäre der Computernetzwerke, mit all seinen Schlupfwinkeln bestens kennen. ... In nächster Zeit wird sich zeigen, inwieweit die Gruppierung ohne ihre autoritäre Führerfigur handlungsfähig bleiben wird. Zugleich erhalten die USA nun Zeit, um ihr eigenes Strafverfahren voranzutreiben und gegebenenfalls selber ein Auslieferungsbegehren zu stellen. ... Erfolgversprechender scheint es, wenn die USA ... wesentlich mehr in die Sicherheit ihrer Regierungsdatenbanken investieren."
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Público - Spanien | Mittwoch, 8. Dezember 2010
Der Haftbefehl gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange ist zwar wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden ausgestellt worden. Doch die linke Tageszeitung Público vermutet dahinter vor allem Druck aus den USA, ihn für die Veröffentlichung der Botschafts-Depeschen zu bestrafen: » mehr
Der Haftbefehl gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange ist zwar wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden ausgestellt worden. Doch die linke Tageszeitung Público vermutet dahinter vor allem Druck aus den USA, ihn für die Veröffentlichung der Botschafts-Depeschen zu bestrafen: "Zwei Tatsachen beweisen die Gefahr für die wirtschaftliche und politische Macht der größten Supermacht, die von Assange ausgeht. Erstens: Eine Schweizer Bank hat das Konto eingefroren, auf dem Wikileaks die Spenden für seine Verteidigung sammelte, angeblich weil Assange nicht in der Schweiz wohnt. Und wie wir ja alle wissen, dürfen nur Bürger aus diesem Steuerparadies dort Konten eröffnen (ha, ha, ha). Assange ist wohl nicht Drogenschmuggler, korrupt oder Nazi genug, um das berühmte Schweizer Bankgeheimnis wert zu sein. Zweitens: Die britische Polizei hat ihn wegen eines wirren Falls einer mutmaßlichen Vergewaltigung in Schweden festgenommen, der seit August anhängt, aber merkwürdigerweise erst in den letzten zehn Tagen zur Priorität für Interpol wurde."
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Berliner Zeitung - Deutschland | Mittwoch, 8. Dezember 2010
US-Verteidigungsminister Robert Gates hat sich zufrieden über die Festnahme von Wikileaks-Gründer Julian Assange gezeigt. Sein Land will nun eine Auslieferung von Assange wegen der Veröffentlichung geheimer Dokumente erreichen. Doch das schadet den USA mehr als alle bisherigen Veröffentlichungen, meint die linksliberale Berliner Zeitung: » mehr
US-Verteidigungsminister Robert Gates hat sich zufrieden über die Festnahme von Wikileaks-Gründer Julian Assange gezeigt. Sein Land will nun eine Auslieferung von Assange wegen der Veröffentlichung geheimer Dokumente erreichen. Doch das schadet den USA mehr als alle bisherigen Veröffentlichungen, meint die linksliberale Berliner Zeitung: "Die USA verraten einen ihrer Gründungsmythen: die Freiheit der Information. Sie tun das in einem Moment, da sie erstmals seit dem Kalten Krieg die Herrschaft über die weltweite Information zu verlieren drohen. ... Es ist nicht ohne Ironie, dass Hillary Clinton noch Anfang des Jahres auf einem Kongress in Washington die Doktrin des Free Flow of Information benutzte, um die Internet-Zensur in China und Ägypten zu geißeln. Sie zitierte Präsident Barack Obama, der in China die Notwendigkeit eines freien Internets so begründet hatte: Es hilft den Bürgern, ihre Regierung zur Verantwortung zu ziehen, gebiert neue Ideen und fördert Kreativität. Mit ihrem Vorgehen gegen Wikileaks haben die USA gegenüber China und anderen nun jedes Recht verwirkt, sie wegen der Verfolgung von Internetaktivisten zur Rechenschaft zu ziehen."
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The Times - Großbritannien | Mittwoch, 8. Dezember 2010
Die Verhaftung des Wikileaks-Gründers Julian Assange hat nichts mit der Einschränkung von Meinungsfreiheit zu tun, sondern mit Rechtsstaatlichkeit, meint die konservative Tageszeitung The Times: » mehr
Die Verhaftung des Wikileaks-Gründers Julian Assange hat nichts mit der Einschränkung von Meinungsfreiheit zu tun, sondern mit Rechtsstaatlichkeit, meint die konservative Tageszeitung The Times: "Es mag sein, dass er völlig unschuldig ist, was die schwedischen Vorwürfe der Vergewaltigung, Belästigung und Nötigung zweier Frauen angeht. Wenn das der Fall ist, macht es mehr Sinn, sich den Anschuldigungen zu stellen und freigesprochen zu werden. Schweden ist ja keine Bananenrepublik. Assange wird bis zum 14. Dezember in Haft bleiben. Aber zu behaupten, dass ihm Gerechtigkeit verwehrt werde, ist lächerlich. Die schwedischen Behörden haben ihren Fall dargestellt. Assange muss das Rechtssystem jetzt akzeptieren. Nur dann kann er Gerechtigkeit erfahren. Er sollte im Zusammenhang mit einer schmutzigen Angelegenheit, die überhaupt nichts mit Meinungsfreiheit zu tun hat, nicht zu einem Märtyrer gemacht werden."
» zum ganzen Artikel (externer Link, englisch)
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The Times - Großbritannien | Dienstag, 7. Dezember 2010
Wikileaks hat im Zuge der Enthüllung von rund 250.000 US-Depeschen eine Liste von Einrichtungen veröffentlicht, die aus Sicht der USA lebenswichtig für sie sind. Es ist unverantwortlich, diese Liste zu veröffentlichen, meint die konservative Tageszeitung The Times: » mehr
Wikileaks hat im Zuge der Enthüllung von rund 250.000 US-Depeschen eine Liste von Einrichtungen veröffentlicht, die aus Sicht der USA lebenswichtig für sie sind. Es ist unverantwortlich, diese Liste zu veröffentlichen, meint die konservative Tageszeitung The Times: "Wer auch immer die Depeschen der US-Botschaften gestreut hat, ist 'ein beispielloser Held', sagte der Wikileaks-Gründer Julian Assange letzte Woche. Das ist ein eigenartiger Gebrauch eines Begriffs, der normalerweise außerordentlichen Mut in einer edlen Sache bedeutet und nicht das Draufgängertum eines anonymen Informanten, dessen positive Absicht unklar bleibt. Diese jüngste Depesche ist eine Depesche zu viel. Ob die genannten Einrichtungen wirklich alle lebenswichtig für die Sicherheit der USA sind oder nicht - sie zu veröffentlichen ist eine klare Einladung zum Missbrauch, wenn nicht zum Mord."
» zum ganzen Artikel (externer Link, englisch)
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Financial Times Deutschland - Deutschland | Montag, 6. Dezember 2010
Die Enthüllungsplattform Wikileaks ist in der Defensive, nachdem einige seiner gemieteten Server abgeschaltet wurden, die das US-amerikanische Unternehmen Amazon betreibt. Vermutlich reagiert Amazon damit auf Wünsche der US-Regierung. Das zeigt, wie problematisch es ist, über das sogenannte Cloud Computing Daten zu übermitteln, meint die wirtschaftliberale Financial Times Deutschland: » mehr
Die Enthüllungsplattform Wikileaks ist in der Defensive, nachdem einige seiner gemieteten Server abgeschaltet wurden, die das US-amerikanische Unternehmen Amazon betreibt. Vermutlich reagiert Amazon damit auf Wünsche der US-Regierung. Das zeigt, wie problematisch es ist, über das sogenannte Cloud Computing Daten zu übermitteln, meint die wirtschaftliberale Financial Times Deutschland: "Da hilft es auch wenig, dass Amazon den Schritt mit Urheberrechtsverletzungen begründete. Sicher, Wikileaks ist ein Sonderfall und nicht mit dem Geschäft eines normalen Unternehmens vergleichbar. Doch ist gerade die Aufbewahrung digitaler Daten ein so sensibles Thema, dass jede Entscheidung gegen einen Kunden abschreckend wirkt. Amazon hat den Cloud-Dienst vor einigen Jahren aufgebaut und will einen wesentlichen Teil seines Geschäfts damit bestreiten. Das könnte dem Unternehmen helfen, über seine üblichen Wachstumsraten hinauszukommen. Der Branche wird ein gewaltiger Zuwachs vorausgesagt. ... Das lässt sich nur bewerkstelligen, wenn die Datenwolke rund um die Uhr zuverlässig funktioniert. ... Firmen wie Amazon müssen zeigen, dass sie in erster Linie dem Kunden gegenüber verantwortlich sind, so groß der Druck auch sein mag."
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Dnevnik - Slowenien | Donnerstag, 2. Dezember 2010
Die Kritik der USA an den Wikileaks-Veröffentlichungen verdeutlicht nach Ansicht der linksliberalen Tageszeitung Dnevnik, dass das Land Informationsfreiheitsrechte einschränken will: » mehr
Die Kritik der USA an den Wikileaks-Veröffentlichungen verdeutlicht nach Ansicht der linksliberalen Tageszeitung Dnevnik, dass das Land Informationsfreiheitsrechte einschränken will: "In den Berichten steht nichts skandalöses. Wir alle wissen doch ungefähr, wie die Dinge verlaufen und das schon seit einiger Zeit. Der Skandal liegt woanders. Als klar war, dass die Archive geöffnet worden sind, hat das US Außenministerium angefangen zu drohen, die Veröffentlichung der Berichte würde die Weltordnung vernichten. Barack Obama sagte im apokalyptischen Stil, dass Menschen aufgrund der Veröffentlichung im Internet sterben, Bündnisse zerstört und ein globales Chaos entstehen werde. ... Es ist ein Skandal, dass der liberale Kapitalismus durch ein Verbot der Informationsfreiheit und einer globalen Zensur verteidigt werden muss."
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Alle verfügbaren Texte von » Ervin Hladnik-Milharcic
taz - Deutschland | Mittwoch, 1. Dezember 2010
Wikileaks stellt täglich neue Inhalte aus den vertraulichen US-Depeschen ins Internet. Diese Veröffentlichungspraxis gibt den Lesern und Leserinnen ein Stück Freiheit zurück und schafft eine internationale Öffentlichkeit, lobt die linke tageszeitung: » mehr
Wikileaks stellt täglich neue Inhalte aus den vertraulichen US-Depeschen ins Internet. Diese Veröffentlichungspraxis gibt den Lesern und Leserinnen ein Stück Freiheit zurück und schafft eine internationale Öffentlichkeit, lobt die linke tageszeitung: "Demokratie funktioniert nur auf Basis von Transparenz - und braucht gleichzeitig die Möglichkeit zur Geheimhaltung. In diesem Spannungsverhältnis bewegen wir uns. Spannend ist nun, wie dieses vor den Augen der LeserIn neu austariert wird. ... Journalisten und alle netzaffinen Leser verfolgen natürlich, was die Konkurrenz im Ausland enthüllt, die Deutungshoheit der nationalen Redaktionen steht auf dem Prüfstand. Öffentlichkeit wird tatsächlich international. ... In dem Sinne zeigt Wikileaks einmal mehr, dass in der Presse zunächst einmal steht, was zu einem bestimmten Zeitpunkt gedacht und gewusst wurde. In welchem Verhältnis das wiederum zur Wahrheit steht, muss immer wieder neu geprüft werden. ... Die Idee vom aufgeweckten Leser ist gefährlicher Populismus, sagen die einen. Sicher. Doch ohne sie gibt es keine Demokratie."
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Alle verfügbaren Texte von » Ines Kappert
La Repubblica - Italien | Mittwoch, 1. Dezember 2010
Die Enthüllungen von Wikileaks brauchen die verantwortungsvolle Aufbereitung durch die Presse, meint die linksliberale Tageszeitung La Repubblica, auch wenn das eine Herausforderung darstellt: » mehr
Die Enthüllungen von Wikileaks brauchen die verantwortungsvolle Aufbereitung durch die Presse, meint die linksliberale Tageszeitung La Repubblica, auch wenn das eine Herausforderung darstellt: "Eine zugleich ominöse und vielversprechende Herausforderung. Die Printmedien sind in dieser Konfrontation die unersetzlichen Hauptakteure: Aus den 250.000 Dokumenten, die von Wikileaks über die Bildschirme gejagt werden, sind es die Medien, die auswählen und einordnen, die verständlich machen, was andernfalls ein unverständliches Chaos bliebe. Sie übernehmen die gesellschaftliche Verantwortung, Kontakt zu politischen Behörden aufzunehmen und den Namen von Quellen zu verbergen, die durch die Enthüllungen allergrößter Gefahr ausgesetzt wären. Der Revolution in der Medienwelt begegnet man, indem man den Fluss Internet mit den Dämmen der Presse reguliert. Das Einzige, was nicht geht, ist sich der Herausforderung nicht zu stellen."
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Jyllands-Posten - Dänemark | Mittwoch, 1. Dezember 2010
Wikileaks geht verantwortungslos mit Daten um und kann daher die Rolle der Medien nicht übernehmen, meint die rechtsliberale Tageszeitung Jyllands-Posten: » mehr
Wikileaks geht verantwortungslos mit Daten um und kann daher die Rolle der Medien nicht übernehmen, meint die rechtsliberale Tageszeitung Jyllands-Posten: "Bisher hat Wikileaks etwas Sympathie gewonnen, weil die Sintflut gestohlener, durchgesickerter und vielleicht gehackter Dokumente tatsächlich Verhältnisse enthüllt hat, die nach einer professionellen journalistischen Einschätzung als relevant gelten müssen. Eines der Probleme aber ist, dass Wikileaks ganz kritiklos und ohne redaktionelle, ehtische oder juristische Überlegungen geheimes Material ohne Überlegungen die ein seriöses Medium kennzeichnen, verbreitet. ... Die Wikileaks-Affäre unterstreicht die Notwendigkeit einer unabhängigen, verantwortungsvollen und soliden Presse."
» zum ganzen Artikel (externer Link, dänisch)
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Iltalehti - Finnland | Mittwoch, 1. Dezember 2010
Die bislang über Wikileaks veröffentlichten Dokumente haben zweifellos dem Informationsbedarf der Bürger Rechnung getragen, meint die Boulevardzeitung Iltalehti: » mehr
Die bislang über Wikileaks veröffentlichten Dokumente haben zweifellos dem Informationsbedarf der Bürger Rechnung getragen, meint die Boulevardzeitung Iltalehti: "Da sich der Lebensrhythmus und die Verbreitung von Informationen explosionsartig beschleunigt haben, müssen auch Dokumente, die nicht zur Veröffentlichung gedacht waren, schneller öffentlich gemacht werden als es die Bürokraten gewohnt waren, damit das Weltbild der Bürger nicht verzerrt wird. ... Wenn wahrheitsgetreue Informationen über die Gesellschaft als gefährlich betrachtet werden, da sie im Widerspruch stehen zu den von den Regierungen verbreiteten falschen Informationen, sind Informationslecks mehr als willkommen."
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Die Presse - Österreich | Dienstag, 30. November 2010
Die Veröffentlichung vertraulicher Dokumente aus US-Botschaften durch die Enthüllungsplattform Wikileaks dient der Transparenz, meint die liberal-konservative Tageszeitung Die Presse: » mehr
Die Veröffentlichung vertraulicher Dokumente aus US-Botschaften durch die Enthüllungsplattform Wikileaks dient der Transparenz, meint die liberal-konservative Tageszeitung Die Presse: "Öffentlichkeit ist sowohl konstruktiv als auch destruktiv. Was soll, was darf man also bringen? Das berühmte Motto der New York Times 'All the News that's Fit to Print' ist leider auch kein Maßstab, sondern bloß der Verweis darauf, dass es nur die Abwägung im Einzelfall gibt. Ein Medium mit dem Anspruch auf Qualität wird es sich zur Eigenschaft machen, die Legitimität seiner Berichtspolitik ständig zu überprüfen. Aber im Zweifel muss die Transparenz siegen. Sie ist auf der Langstrecke die bessere, die wichtigere Option. Daher ist es gut, dass es so etwas wie WikiLeaks gibt, auch wenn sein jüngster Streich diskussionswürdig bleibt."
» zum ganzen Artikel (externer Link, deutsch)
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Alle verfügbaren Texte von » Michael Prüller
The Guardian - Großbritannien | Montag, 29. November 2010
Die Presse steht nicht in der Pflicht, Regierungen vor der Blamage zu bewahren, verteidigt sich die linksliberale Tageszeitung The Guardian nach der Veröffentlichung geheimer US-Depeschen: » mehr
Die Presse steht nicht in der Pflicht, Regierungen vor der Blamage zu bewahren, verteidigt sich die linksliberale Tageszeitung The Guardian nach der Veröffentlichung geheimer US-Depeschen: "Es ist ganz klar die Aufgabe der Regierungen, nicht der Journalisten, öffentliche Geheimnisse zu wahren. Wäre ihre Enthüllung eine übergreifende Gefahr, wäre vielleicht größere Zurückhaltung angebracht. Doch es gibt keine solche übergreifende Gefahr, nur die Enthüllung der Strategien selbst. Eine Großmacht, die das Richtige tut, sollte gegen Blamage gewappnet sein. Was aus dieser Geschichte folgen sollte, ist die Änderung der Grundlage diplomatischer Kommunikation. Wenn sich Wikileaks wie auch immer Zugriff auf das Material verschaffen kann, dann kann es vermutlich auch ein fremder Staat. Auf dem Papier können Worte gesichert werden, elektronische Archive nicht. Die undichten Stellen haben ein Loch in das System gesprengt, mit dem Staaten ihre Geheimnisse schützen."
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De Standaard - Belgien | Montag, 29. November 2010
Die Enthüllungen der Internet-Plattform Wikileaks werden ein historischer Wendepunkt für Diplomatie und Politik sein, meint die Tageszeitung De Standaard und fordert einen verantwortungsbewussten Umgang mit der neuen Transparenz: » mehr
Die Enthüllungen der Internet-Plattform Wikileaks werden ein historischer Wendepunkt für Diplomatie und Politik sein, meint die Tageszeitung De Standaard und fordert einen verantwortungsbewussten Umgang mit der neuen Transparenz: "Jeder muss lernen, mit der möglichen Veröffentlichung zu leben, und muss daher auch lernen, dies zu verantworten. Und das wird - hoffentlich - dazu führen, dass sie weniger Dinge tun, die nicht zu verantworten sind. ... Ist das eine gute Entwicklung? Mit Blick auf die demokratischen Werte: ja. Öffentlichkeit gibt die größte - keine absolute - Garantie, dass keine Dinge geschehen, die niemand wissen darf. Aber Abschirmung von Informationen schützt manchmal auch zu Recht Menschen, Dinge und Werte. Das Jahr W verändert die Welt nicht nur für Diplomaten, Militärs und Spione, sondern auch für WikiLeakers, ... und Journalisten. Man kann alles veröffentlichen, aber die Veröffentlichung muss auch zu verantworten sein. Auch dabei ist eine ethische Abwägung notwendig."
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La Stampa - Italien | Montag, 29. November 2010
Bei den jüngsten Veröffentlichungen könnte Wikileaks-Gründer Julian Assange von USA-feindlichen Kräften unterstützt worden sein, mutmaßt die liberale Tageszeitung La Stampa: » mehr
Bei den jüngsten Veröffentlichungen könnte Wikileaks-Gründer Julian Assange von USA-feindlichen Kräften unterstützt worden sein, mutmaßt die liberale Tageszeitung La Stampa: "Haben wir im Namen der Pressefreiheit nicht das Recht, von Assange die von ihm postulierte Transparenz auch für seine Operationen zu fordern? … Die Verlegenheit, in die die US-amerikanische Regierung gerät, macht den Urheber von Wikileaks bei vielen Feinden von US-Präsident Barack Obama sehr populär. Und wenn Assange von den Feinden nicht nur willkommen geheißen, sondern auch von ihnen unterstützt worden wäre? … Wir wissen, dass die Macht der USA sehr geschwächt ist, und dass sie im Zentrum vieler Attacken stehen. Wir wissen, dass Obama von mächtigen Kräften im eigenen Land bekämpft wird. Ist es wirklich lächerlich, die Vermutung aufzustellen, dass Wikileaks freiwillig oder unfreiwillig zum Instrument dieser Spannungen geworden ist?"
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Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Montag, 29. November 2010
Die neuen Enthüllungen der Internet-Plattform Wikileaks haben keinen Mehrwert und schwächen die Diplomatie, meint die linksliberale Süddeutsche Zeitung: » mehr
Die neuen Enthüllungen der Internet-Plattform Wikileaks haben keinen Mehrwert und schwächen die Diplomatie, meint die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Was aber ist das höhere Interesse daran, die US-Papiere zu veröffentlichen, was ist der Missstand? Die Verlogenheit der Diplomatie? Die Interessenpolitik der Amerikaner? Dass Westerwelle Chefdiplomat ist? ... Es ist richtig, sich der Geheimniskrämerei von Behörden zu widersetzen. Wenn Medien dies tun, können sie filtern, einordnen, Persönlichkeitsrechte schützen. Wenn Wikileaks große Mengen Rohmaterial ins Internet stellen sollte, fehlen solche Garantien. Es wäre nicht mehr das kontrollierte Leck, wie es Wikileaks im Namen trägt, sondern der Dammbruch. Weil es die Technik ermöglicht, kann heute jeder Dokumente veröffentlichen, seine Kollegen oder Arbeitgeber vorführen. Ein Außenministerium aber, das auch intern stets diplomatisch sein muss, funktioniert nicht. Ein Mensch, der niemandem mehr schreiben kann, was er denkt, auch nicht."
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Alle verfügbaren Texte von » Nicolas Richter
La Vanguardia - Spanien | Mittwoch, 3. November 2010
Seit einem Interview mit dem Wikileaks-Gründer Julian Assange in der Tageszeitung El País diskutieren die spanischen Medien über die Bedeutung der Webseite, die sich auch als Medienkritik versteht. Francesc-Marc Álvaro hält Wikileaks für einen wesentlichen Baustein in der modernen, demokratischen Informationsstruktur und schreibt in der liberalen Tageszeitung La Vanguardia: » mehr
Seit einem Interview mit dem Wikileaks-Gründer Julian Assange in der Tageszeitung El País diskutieren die spanischen Medien über die Bedeutung der Webseite, die sich auch als Medienkritik versteht. Francesc-Marc Álvaro hält Wikileaks für einen wesentlichen Baustein in der modernen, demokratischen Informationsstruktur und schreibt in der liberalen Tageszeitung La Vanguardia: "Die Veröffentlichung von 400.000 Dokumenten über den Irak-Krieg hat Wikileaks in ein globales Phänomen verwandelt, das Regierungen, Unternehmen und Organisationen herausfordert und gleichzeitig die Bedingungen und Routinen des Journalismus in Frage stellt. Nur vier Jahre nach der Gründung verwirklicht die Webseite von Assange eine der meistwiederholten Forderungen des Bürgers der heutigen Zeit: die Forderung nach Transparenz. Wir wollen nicht nur informiert sein, wir wollen auch wissen, was hinter, unter und neben den Kulissen vor sich geht. Die Gesellschaft der Hyperkommunikation hat einen Riesenlärm verursacht, der ermüdet und abstumpft, aber sie hat auch eine natürliche Neugier geweckt für all das, was uns umgibt."
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Alle verfügbaren Texte von » Francesc-Marc Álvaro
Blog Del alfiler al elefante - Spanien | Mittwoch, 27. Oktober 2010
Die linksliberale Tageszeitung El País hat am vergangenen Sonntag ein Interview mit dem Wikileaks-Gründer Julian Assange gedruckt. Darin entsteht der Eindruck, das der Chef dieser mächtigen Institution autoritär sei, weshalb Lluís Bassets in seinem Blog Del Alfiler al Elefante mehr Transparenz fordert bei der Enthüllungsplattform: » mehr
Die linksliberale Tageszeitung El País hat am vergangenen Sonntag ein Interview mit dem Wikileaks-Gründer Julian Assange gedruckt. Darin entsteht der Eindruck, das der Chef dieser mächtigen Institution autoritär sei, weshalb Lluís Bassets in seinem Blog Del Alfiler al Elefante mehr Transparenz fordert bei der Enthüllungsplattform: "Assange hat eine Menge Informationen zur Verfügung und dank dieser Information besondere Aufmerksamkeit und außergewöhnliche Macht bekommen. Aber er hat uns die einzig relevante Information noch nicht gegeben, damit seine Arbeit als absolut glaubwürdig eingestuft werden kann. Wir müssen alles über Wikileaks wissen. Wer es finanziert und wer auf welche Weise die Entscheidungen trifft. ... Wir wollen keine Legenden und auch keine furchtlosen und unkäuflichen Retter, sondern demokratische Institutionen. Nur diese garantieren uns die Freiheit und das Recht, die Wahrheit zu erfahren."
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Berliner Zeitung - Deutschland | Montag, 25. Oktober 2010
Ist es zulässig, dass eine durch nichts legitimierte Internet-Organisation namens Wikileaks Hunderttausende geheimer Dokumente aus dem Pentagon ins Netz stellt, fragt die linksliberale Berliner Zeitung und kommt zu einem eindeutigen Schluss: » mehr
Ist es zulässig, dass eine durch nichts legitimierte Internet-Organisation namens Wikileaks Hunderttausende geheimer Dokumente aus dem Pentagon ins Netz stellt, fragt die linksliberale Berliner Zeitung und kommt zu einem eindeutigen Schluss: "Tatsächlich hat sich Wikileaks nicht des Hochverrats schuldig gemacht, sondern der Demokratie einen Dienst erwiesen. Deren Stärke liegt nicht zuletzt darin, dass sie sich auch mit ihren dunklen Stunden kritisch auseinandersetzt. Der Irak-Krieg gehört zu den dunkelsten Stunden der [US-]amerikanischen Demokratie. In China, so wurde gestern übrigens auch gemeldet, ist die Regierung alarmiert, weil dort eine eigene Wikileaks-Organisation gegründet werden könnte. Die Sorge ist begründet. Denn die Autorität der autoritären Regierung hängt davon ab, dass sie selbst entscheiden kann, was geheim ist und was öffentlich, was die Menschen erfahren und was nur die Funktionäre wissen. Gerade deshalb gilt: Ja, die dürfen das."
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De Volkskrant - Niederlande | Montag, 25. Oktober 2010
Die Veröffentlichung der Dokumente zum Irak-Krieg durch die Enthüllungsplattform Wikileaks könnten mehr Schaden anrichten als nützen, meint die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant: » mehr
Die Veröffentlichung der Dokumente zum Irak-Krieg durch die Enthüllungsplattform Wikileaks könnten mehr Schaden anrichten als nützen, meint die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant: "In Wahrheit stellen die Dokumente nur eine Ergänzung der Geschichtsschreibung des Irakkriegs dar. Die Geschichte muss nicht neu geschrieben werden, und in diesem Sinn ist die Bedeutung der Enthüllung von Wikileaks begrenzt. Andererseits ist zu befürchten, dass die Veröffentlichung der Dokumente, die die Vergehen irakischer Funktionäre registrieren, nicht zur Befriedung des Landes beitragen werden, das acht Monate nach den Parlamentswahlen noch immer keine Regierung hat. ... Rund um den undeutlichen Krieg im Irak gibt es noch viel aufzuklären, das ist in erster Linie die Aufgabe von Historikern und Untersuchungskommissionen, die nicht so sehr der Öffentlichkeit als der Wahrheit dienen wollen. Dieses Bemühen wird nicht von 391.832 Dokumenten unterstützt, die jetzt wie eine Splitterbombe ins Internet geworfen wurden."
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Sme - Slowakei | Montag, 25. Oktober 2010
Wenig begeistert von den neuen Enthüllungen der Plattform Wikileaks zum Irak-Krieg zeigt sich die liberale Tageszeitung Sme: » mehr
Wenig begeistert von den neuen Enthüllungen der Plattform Wikileaks zum Irak-Krieg zeigt sich die liberale Tageszeitung Sme: "Diese Art der Information ist nicht sonderlich glücklich. Was sie enthüllt, macht das Geschehene nicht besser, es kann aber neues Böses hervorrufen. ... Soldaten werden immer etwas verschweigen. Aber die Vorstellung, dass ein Anarchist und seine Mitarbeiter an die 400.000 Seiten Dokumente fachmännisch redigieren, ist eher zweifelhaft. Sicher muss man aber auch nichts bagatellisieren. Dass Folterung von Gefangenen tägliche Praxis der irakischen Polizei ist, vor denen die US-amerikanische Führung die Augen verschließt, sollte Anlass zu einer großen Untersuchung sein. ... Im Prinzip gilt, was wir seit der ersten Veröffentlichung über Afghanistan wissen: Ja, Krieg ist schrecklich. ... Die Dokumente bestätigen, dass die USA die 'irakische Freiheit' nicht im Griff haben, was im Propagandakrieg, in dem Wikileaks ein bedeutender Akteur ist, die Stimmung gegen die USA und den Westen verstärken wird. Was daran gut sein soll, ist nicht klar."
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The Independent on Sunday - Großbritannien | Montag, 25. Oktober 2010
Angesichts der von Wikileaks veröffentlichten Geheimdokumente hat die US-Regierung kein Recht, die Schuld abzuwälzen, meint die Sonntagszeitung The Independent on Sunday: » mehr
Angesichts der von Wikileaks veröffentlichten Geheimdokumente hat die US-Regierung kein Recht, die Schuld abzuwälzen, meint die Sonntagszeitung The Independent on Sunday: "Erstaunlich, wie das Pentagon jetzt tönt, dass an den Händen der Wikileaks-Macher nun auch Blut kleben könne. Das Pentagon ist seit dem Atombombenabwurf in Hiroshima 1945 mit Blut befleckt. Es ist lächerlich, wenn eine Institution, die 2003 den illegalen Einmarsch in den Irak angeordnet hat, Wikileaks des Mords für schuldig erklärt. ... Hätte dieser riesige Schatz an Geheimdokumenten bewiesen, dass die Zahl der Toten weit niedriger war, als von der Presse verbreitet, und dass US-Soldaten niemals Folter durch die irakische Polizei geduldet, kaum Zivilisten an Kontrollpunkten erschossen und mordende Söldner stets zur Verantwortung gezogen haben, dann würden die US-Generäle die Akten auf den Stufen des Pentagon kostenlos an die Journalisten verteilen. Sie toben nicht, weil Staatsgeheimnisse verletzt wurden oder dadurch Blut vergossen werden könnte. Sondern weil sie beim Erzählen der Lügen erwischt wurden, von denen wir immer schon wussten, dass es Lügen waren."
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Jyllands-Posten - Dänemark | Donnerstag, 29. Juli 2010
Der Gründer der Internetseite Wikileaks, Julian Assange, hat Kritik zurückgewiesen, wonach die Veröffentlichung von US-Geheimakten afghanische Informanten gefährdet. Auch die konservative Tageszeitung Jyllands-Posten plädiert für ... » mehr
Der Gründer der Internetseite Wikileaks, Julian Assange, hat Kritik zurückgewiesen, wonach die Veröffentlichung von US-Geheimakten afghanische Informanten gefährdet. Auch die konservative Tageszeitung Jyllands-Posten plädiert für einen sorgsamen Umgang mit dem Material und empfiehlt, sich über die "Möglichkeiten zu freuen, die Wikileaks jenen bietet, die an eine transparente, offene Gesellschaft glauben. Im vergangenen Jahr stand Wikileaks hinter der Veröffentlichung Tausender E-Mails von Klimaforschern, die Versuche enthüllten, Informationen zu unterdrücken, die Zweifel an der globalen Erwärmung säten. Wikileaks hat Korruption in Kenia aufgedeckt, Unregelmäßigkeiten in westlichen Banken, einen Öl-Skandal in Peru und die Giftmüll-Verklappung in Afrika. An dem Tag, an dem sich ein Beamter eines Unterdrücker-Regimes über die Verbrechen eines Diktators äußern möchte, wird Wikileaks das selbstverständliche Medium sein. In der Zwischenzeit sollte vielleicht jemand Julian Assange den Unterschied zwischen Journalismus und Aktivismus erklären."
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Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Dienstag, 27. Juli 2010
Wikileaks findet mit seinen Dokumenten zum Afghanistankrieg ein großes Medienecho. Dabei haben renommierte Zeitungen dieselben Fakten schon vor Jahren recherchiert und darüber berichtet, meint die konservative Neue Zürcher Zeitung. Ihre Erklärung dafür lautet: » mehr
Wikileaks findet mit seinen Dokumenten zum Afghanistankrieg ein großes Medienecho. Dabei haben renommierte Zeitungen dieselben Fakten schon vor Jahren recherchiert und darüber berichtet, meint die konservative Neue Zürcher Zeitung. Ihre Erklärung dafür lautet: "Der Masochismus eines Berufsstandes, der auf seine eigenen Leistungen nicht viel gibt, und die einseitige Wahrnehmung der Öffentlichkeit erhalten durch Wikileaks eine neue Dimension. Seit je haben Mitarbeiter aus Rachsucht, Profitstreben oder echter Empörung über einen Missstand vertrauliche Dokumente ihres Arbeitgebers einer Zeitung zugespielt. Ohne diese 'Whistleblowers' wäre investigativer Journalismus nicht denkbar. Wikileaks potenziert nun dieses Phänomen. Die Plattform behauptet, sie habe in drei Jahren 1,2 Millionen Dokumente veröffentlicht - dies bedeutet, Wikileaks hätte jeden Tag mehr als 1000 Berichte erhalten, geprüft und publiziert. Man kann Zweifel haben, ob diese Zahlen stimmen, die Wirkung der Plattform lässt sich nicht bestreiten. Sie kehrt die mediale Rangordnung um: Nicht New York Times und Spiegel betreiben investigativen Journalismus, sondern sie drucken die investigativen Produkte Dritter."
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The Guardian - Großbritannien | Montag, 26. Juli 2010
Der Internetdienst Wikileaks hat geheime Dokumente über den Afghanistan-Krieg enthüllt, welche die Tageszeitung The Guardian in Zusammenarbeit mit der New York Times und dem Spiegel veröffentlicht und beurteilt: » mehr
Der Internetdienst Wikileaks hat geheime Dokumente über den Afghanistan-Krieg enthüllt, welche die Tageszeitung The Guardian in Zusammenarbeit mit der New York Times und dem Spiegel veröffentlicht und beurteilt: "Das kollektive Bild, das sich herausschält, ist sehr verstörend. Wir erfahren heute von nahezu 150 Zwischenfällen, in denen Koalitionstruppen, britische eingeschlossen, Zivilisten getötet oder verletzt haben. Doch von den meisten Zwischenfällen wurde nicht berichtet. Wir erfahren von hunderten Grenzkonflikten zwischen afghanischen und pakistanischen Truppen, die eigentlich Allierte sein sollen; von der Existenz einer Kommandoeinheit, deren Aufgabe beinhaltet, Taliban und al-Qaida-Führer zu töten; von der Abschlachtung von Zivilisten durch die improvisierten Sprengsätze der Taliban und von einem Katalog von Zwischenfällen, wo Koalitionstruppen sich gegenseitig und afghanische Kameraden beschossen und getötet haben. ... Wie auch immer man das interpretieren will: Es ist ein Afghanistan, das weder die USA noch Großbritannien einer souveränen nationalen Regierung in Kabul als Geschenk mit rosa Schleife überreichen können. Ganz im Gegenteil. Nach neun Jahren Krieg droht das Chaos alle zu überwältigen."
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The Observer - Großbritannien | Sonntag, 11. April 2010
Angesichts eines von der Informations-Plattform Wikileaks veröffentlichten Videos, das einen US-Angriff auf Zivilisten im Irak zeigt, lobt die Sonntagszeitung The Observer Islands Bemühungen die Meinungs- und Informationsfreiheit zu garantieren: » mehr
Angesichts eines von der Informations-Plattform Wikileaks veröffentlichten Videos, das einen US-Angriff auf Zivilisten im Irak zeigt, lobt die Sonntagszeitung The Observer Islands Bemühungen die Meinungs- und Informationsfreiheit zu garantieren: "Offenheit ist hier zu einer Besessenheit geworden, genau wie der Glaube, dass alle Bürger das Recht, ja die Pflicht haben, sich darüber zu informieren, was in ihrem Namen geschieht. Diese Sichtweise gilt für alle demokratischen Regierungen, nicht nur für die Islands. Darum sind die Isländer möglicherweise gerade dabei, der Welt einen wichtigen Dienst zu erweisen."
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Kurier - Österreich | Mittwoch, 7. April 2010
Ein Video über den gewaltsamen Tod zweier Reuters-Journalisten im Irak im Jahr 2007 hat weltweit eine Debatte über die Kriegsführung der US-Armee ausgelöst. Es wurde vor kurzem auf der Internetseite Wikileaks veröffentlicht. Wieder einmal setzen Bilder eine späte Welle der Empörung über längst bekannte Tatsachen in Gang, schreibt die Tageszeitung Kurier: » mehr
Ein Video über den gewaltsamen Tod zweier Reuters-Journalisten im Irak im Jahr 2007 hat weltweit eine Debatte über die Kriegsführung der US-Armee ausgelöst. Es wurde vor kurzem auf der Internetseite Wikileaks veröffentlicht. Wieder einmal setzen Bilder eine späte Welle der Empörung über längst bekannte Tatsachen in Gang, schreibt die Tageszeitung Kurier: "Von Beginn an forderten die Kriege im Irak und in Afghanistan das Leben Tausender Unschuldiger. Unaufhörlich geraten dort Frauen und Kinder unter Feuer. Doch all diese Schrecken sind kalkulierbare Folgen eines Guerillakriegs. Es ist ein Kampf gegen einen Feind, der aus der lokalen Bevölkerung entsteht und wieder in ihr aufgeht. Die Grenzen zwischen Zivilisten und Kämpfern sind fließend. Man muss schon hartnäckig an die Propaganda der Militärs glauben, um bis heute anzunehmen, dass gerade diese Kriege nicht schmutzig sind, dass überforderte Soldaten in ihnen nicht automatisch verhängnisvolle Fehler begehen."
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