Il Sole 24 Ore - Italien | Montag, 19. März 2012
Paul Krugman hält den Sparkurs der EU für einen Holzweg
Die EU-Finanzminister zeigen Milde gegenüber Spaniens Defizit und erlauben Madrid für dieses Jahr ein Haushaltsloch von 5,3 Prozent - anstatt der ursprünglich vereinbarten 4,4 Prozent. Der Nobelpreisträger Paul Krugman gratuliert der EU zu ihrer Entscheidung und erläutert in der Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore, warum Sparen kein Ausweg ist, sondern ein Holzweg: "Von Anfang an habe ich Spanien, nicht Griechenland, als das Symbol-Land für die Euro-Krise erachtet. Denn in Spanien hat die Krise nichts mit gefälschten Bilanzen zu tun. Spanien macht die Haltlosigkeit der EU-Politik deutlich. Noch mehr Sparauflagen nützen nichts, im Gegenteil. Wenn eine Familie den Gürtel enger schnallt, hören die Mitglieder nicht auf zu arbeiten. Wenn ein Staat in einer Phase der Wirtschaftsdepression den Gürtel enger schnallt, gehen Arbeitsplätze verloren, was sich negativ auf den Staatshaushalt auswirkt, da die Steuereinnahmen sich verringern. Die Ergebnisse der Sparmaßnahmen in Europa sind das beste Beispiel für die Regel der Makroökonomie: Jede drastische Haushaltskürzung hat ausnahmslos einen spürbaren Rückgang des Bruttoinlandsprodukts zur Folge. Deshalb Hände weg vom Gürtel, die Metapher funktioniert nicht."
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