Il Sole 24 Ore - Italien | Sonntag, 1. April 2012
Henry Kissinger über die Bedeutung der nationalen Sicherheit der USA
Der Arabische Frühling hat die USA gezwungen, ihre Außenpolitik neu zu definieren, meint der US-Politikwissenschaftler Henry Kissinger in der Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore und fürchtet, dass dabei die nationale Sicherheit in den Hintergrund tritt: "Während die USA ihre Truppen aus dem Irak und Afghanistan abziehen, - Militäreinsätze, die im Namen der nationalen Sicherheit durchgeführt wurden - greifen sie in anderen Staaten der Region (wenn auch nur zögerlich) im Namen der Humanität ein. Verdrängt der Demokratie-Aufbau die nationale Sicherheit und erhebt sich zum neuen Prinzip der Politik im Mittleren und Nahen Osten? Und bedeutet der Arabische Frühling wirklich Demokratie-Aufbau? … Eine Revolution muss hinsichtlich ihres Endes und nicht ihres Ausgangspunkts beurteilt werden. Der humanitäre Aspekt darf die Notwendigkeit nicht beeinträchtigen, das nationale Interesse in ein Konzept der Weltordnung einzubinden. Für die USA ist die Doktrin der humanitären Intervention bei den Revolutionen nur haltbar, sofern sie im Einklang mit dem Prinzip der nationalen Sicherheit der USA steht … Innerhalb dieser Grenzen besitzt die US-amerikanische Politik Spielraum, humanitäre und demokratische Werte zu fördern."
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