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La Repubblica - Italien | Mittwoch, 23. Mai 2012

Italiener wählen aus Frust Protestkandidaten

Bei den kommunalen Stichwahlen am Sonntag und Montag in Italien hat die Berlusconi-Partei PdL zwei Drittel ihrer Gemeinden verloren, die Lega Nord sogar alle. Die Stimmen bekam aber nicht die Linke. Die Wähler enthielten sich oder stimmten für die Kandidaten der Protestgruppierungen, vornehmlich der Fünf-Sterne-Bewegung des Politkomikers und Bloggers Beppe Grillo. Das Problem ist jedoch nicht Grillo, sondern die politische Leere, analysiert die linksliberale Tageszeitung La Repubblica: "Das Vertrauen der Bürger in die Parteien ist nach Jahren versäumter Gelegenheiten erschöpft. Die Bürger haben ein verzweifeltes Bedürfnis nach Veränderung, doch gibt es keine politischen und kulturellen Strukturen mehr, die diesem Bedürfnis entsprechen. ... Grillo ist nur ein Zeichen dafür und zugleich ein Ventil. Die fortschreitende Entleerung der Politik hat den Bürgern das Gemeinschaftsgefühl geraubt und sie zu verirrten Einzelpersonen gemacht: Ein ideales Publikum für eine Politik, die reine Show ist, in der der Bürger zum bloßen Zuschauer wird, seine Teilnahme sich auf bloßes Zuhören beschränkt, seine Zustimmung sich allein durch Applaus ausdrückt. ... Ist das wirklich die neue Politik oder ist es nicht viel mehr ihre äußerste und paradoxe Karikatur?"

» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 23. Mai 2012

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