Gândul - Rumänien | Dienstag, 3. Juli 2012
Rumänen scheuen ihre wahre Herkunft
Rumäniens Kulturminister Puiu Haşotti hat Wissenschaftlern vergangene Woche verboten, DNA-Proben von walachischen Fürsten aus dem 14. und 15. Jahrhundert auszuwerten. Die Forscher vermuten, dass die Fürsten von einem asiatischen Turkvolk abstammen. Das widerspräche jedoch dem Nationalmythos, wonach die Rumänen aus einem romanischen Volk hervorgegangen sind. Die Tageszeitung Gândul findet die Entscheidung des Ministers lächerlich: "Das klingt alles nach kasachischem Despotismus anstatt nach europäischer Wissenschaft. ... Aber warum dürfen wir nicht die wahre Geschichte ausgraben? Ganz einfach: ... Weil uns nur noch unser Nationalstolz geblieben ist, alles andere um uns herum wurde privatisiert. Mit unserem Stolz entschuldigen wir von Zeit zu Zeit unsere Fehler. ... Wir wollen nicht ohne die verfälschte Geschichte voller Glanz und Gloria leben. Denn nach jeder Katastrophe beruhigt sie unser Gewissen. ... Ohne diese Dako-Romanisierung [Argumentation, dass die rumänische Bevölkerung auf eine Fusion der dakischen und rumänischen Bevölkerung zurückgeht] müssten wir uns womöglich noch den Herausforderungen des heutigen Rumäniens stellen."
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