Le Jeudi - Luxemburg | Freitag, 20. Oktober 2006
Jean Portante und die Gesetze des Gedenkens
Der luxemburgische Schriftsteller Jean Portante kommentiert das in Frankreich verabschiedete Gesetz zur Leugnung des Völkermordes an den Armeniern. "Die Situation erinnert seltsam an die Debatte über die positiven Auswirkungen des französischen Kolonialismus. Zahlreiche Stimmen hatten sich in Frankreich erhoben und die politische Riege angeklagt, sie wolle die französische Geschichte per Gesetz umschreiben, wo diese Aufgabe doch den Historikern vorbehalten sei... Ein ähnliches Gefühl hat sich letzte Woche in der Türkei breitgemacht, wo die Intellektuellen in puncto armenischer Völkermord alles andere als Opfer des Einheitsdenkens sind. Nach und nach versuchen renommierte Historiker und Schriftsteller das Land davon zu überzeugen, dass es nur gewinnen kann, wenn es sich zu diesem schwarzen Kapitel seiner Geschichte bekennt, das sich kurz vor der Geburt der Republik ereignet hat. Der Vorstoß der französischen Parlamentarier irritiert sie insofern, als sie befürchten, die Gefühle könnten in dieser Debatte nun die Oberhand über die Vernunft gewinnen."
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