La Repubblica - Italien | Mittwoch, 25. Oktober 2006
Marc Lazar über die Linke im Norden und Süden Europas
"Innerhalb der europäischen Linken gibt es eine Trendwende. Der erfinderische Wind, der in den 90er Jahren von Nord nach Süd wehte, nimmt nun die entgegengesetzte Richtung", bemerkt der französische Historiker und Soziologe Marc Lazar vom Institut für politische Wissenschaften in Paris. Seiner Ansicht nach wird die nordische Linke trotz ihrer derzeitigen Schwäche tiefgreifende Spuren hinterlassen. "Die schwedische Linke hat mit 35,2 Prozent der Wählerstimmen ihr schlechtestes Ergebnis seit 1920 eingefahren. In Großbritannien bricht Tony Blair sämtliche Unbeliebtheitsrekorde. Im Süden Europas hingegen erlebt die Linke eine Phase der Stimulation... Im Grunde ist der Kontrast zwischen dem Abdriften der schwedischen und britischen Linken und der südlichen Vitalität jedoch nichts Neues... Als sie in der 70er Jahren an der Macht waren, hat die Linke im Süden Reformen durchgeführt, ist aber instabil und gegenüber Angriffen der Rechten schutzlos geblieben. Im Norden sind die Früchte der von den linken Parteien getroffenen politischen Entscheidungen so beeindruckend, dass die Opposition nicht in der Lage sein wird, sie zu zerstören."
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