taz - Deutschland | Freitag, 10. November 2006
Schlüsselfrage Zypern
Der türkische Autor und Medienwissenschaftler Haluk Sahin erklärt im Interview mit Jürgen Gottschlich, warum die Türken in der Zypernfrage schlecht auf die EU zu sprechen sind. "Praktisch jeder in der Türkei, egal ob politisch links oder rechts, säkular oder religiös, findet, dass die Türkei und vor allem die türkischen Zyprioten mit der Zustimmung zum Annan-Plan, also dem Vorschlag der UN für eine Wiedervereinigung der Insel auf der Basis zweier autonomer Kantone im Frühjahr 2004, ihre Leistung für eine politische Lösung des geteilten Zypern erbracht haben. Dass zwei Drittel der türkischen Zyprioten damals trotz aller Ängste für diesen Plan gestimmt haben, der ja die Umsiedlung hunderttausender türkischer Zyprioten vorsah, war schon so etwas wie ein politisches Wunder... Das Ergebnis der ganzen politischen Operation war am Ende eine Belohnung für die versöhnungsunwilligen Griechen, die gegen den Plan stimmten, und ein fortgesetztes Abstrafen der Türken. Die griechischen Zyprioten wurden EU-Mitglied, die türkischen Zyprioten blieben draußen und werden von der EU weiterhin boykottiert."
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