Die Welt - Deutschland | Mittwoch, 15. November 2006
Die "Berliner Schule" des deutschen Films
Die deutschen Regisseure Christian Petzoldt, Angela Schanelec, Valeska Grisebach oder Matthias Luthardt gehören zur "Berliner Schule". "Die leitet ihren Namen", erklärt der Filmkritiker Hans-Georg Rodek, "davon ab, dass all diese Filmemacher – Luthardt, Jahrgang 1972, der jüngste; Petzold, Jahrgang 1960, der älteste – inzwischen in Berlin angekommen sind, so wie die Realität der neuen, ungepolsterten Republik in der Hauptstadt angelangt ist. Und Realität ist das Schlüsselwort der Berliner Schule, wenn auch nicht jene, die man mit wackligen Handkameras in den Straßen einfängt... Die Berliner Schüler sind keine Polemiker, sondern Beobachter, und sie nehmen Realität nicht unter ihre Lupe, sie zu reproduzieren oder ironisieren oder psychologisieren, sondern um sie in eine Künstlichkeit zu überführen, welche Wirklichkeit so lange siebt, bis sie ihre reinstmögliche Form erreicht hat. Als Sieb dient die Reduktion; es wird wenig geredet und ohne expressive Gesten gespielt und nicht wild geschnitten. Die Berliner scheuen die manipulativen Möglichkeiten ihres Handwerkszeugs, einem Ethnologen ähnlich, der sich unsichtbar wünscht, damit seine Präsenz das Forschungsergebnis nicht verfälsche."
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